Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oranienburg „Oranienburg wird schneller bombenfrei sein, als der BER fertig sein wird“
Lokales Oberhavel Oranienburg „Oranienburg wird schneller bombenfrei sein, als der BER fertig sein wird“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:10 30.07.2019
Zuletzt wurden am Treidelweg zwei Blindgänger entschärft. Quelle: Julian Stähle/zb/dpa
Oranienburg

Oranienburg nördlich von Berlin ist stärker als viele andere Städte von Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg betroffen - viele lagern noch immer dort. Die Stadt soll nun eine bundesweit einmalige Modellregion für Bombenentschärfungen werden. Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Ministerpräsident Dietmar Woidke und Innenminister Karl-Heinz Schröter (alle SPD) starteten das Projekt am Dienstag.

„Keine Stadt in Deutschland ist so betroffen von Großbomben mit den besonders gefährlichen chemischen Langzeitzündern wie Oranienburg“, sagte Schröter beim Projektstart in der „Modellregion Brandenburg“. „Es hat in Oranienburg bereits Selbstdetonationen gegeben und das Risiko steigt von Jahr zu Jahr.“

Brandenburg gibt Millionen für Beseitigung von Kampfmitteln aus

Brandenburgs Ministerpräsident Woidke dankte der Bundesregierung, dass sie bis zur Hälfte der Kosten zur Beseitigung alliierter Munition übernehmen will. Bislang habe das Land mit mehr als 400 Millionen Euro seit der Wende die Hauptlast der Kampfmittelbeseitigung getragen. Nun werde sich der Bund bis 2021 mit 60 Millionen Euro an der Beseitigung von Kampfmitteln in Deutschland beteiligen, versprach Scholz.

„Wir wollen den Wettlauf mit der Zeit gewinnen“

Mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg würden noch knapp 300 dieser Großbomben im Stadtgebiet Oranienburg vermutet, die jederzeit detonieren könnten, warnte Schröter. „Wir wollen den Wettlauf mit der Zeit gewinnen.“ Seit 1991 wurden in Oranienburg bereits 207 Weltkriegsbomben entschärft. „Bei bislang durchschnittlich 7,4 entschärften Bomben pro Jahr kann Oranienburg in 35 Jahren bombenfrei sein. Sicher ist, Oranienburg wird schneller bombenfrei sein, als der BER fertig sein wird.“

„Wenn wir die Bomben nicht rechtzeitig finden und entschärfen können, werden sie im Boden hochgehen, das steht fest“, sagte Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos). Besonders furchtbar wäre die Vorstellung, dass dann auch Menschenleben gefährdet sein könnten, warnte er.

Die Beseitigung von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg soll damit nach Angaben der Brandenburger Staatskanzlei forciert werden. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei kann testweise für drei Jahre auf städtischem Gebiet zusätzliche Aufgaben übernehmen - das reicht von der Auskunft über einen Verdacht bis zu Kontrollen.

Am Treidelweg wurden am Donnerstag zwei 500-kg-Bomben neutralisiert

Bundesweit ist nach Angaben der rot-roten Brandenburger Landesregierung keine Region bekannt, in der so konzentriert Bomben der ehemals Alliierten mit chemischen Landzeitzündern abgeworfen worden sind wie in Oranienburg. In Oranienburg haben die Alliierten von 1940 bis 1945 mehr als 21 000 Spreng- und Brandbomben abgeworfen. Rund 300 Großbomben werden noch heute im Boden vermutet.

Zuletzt wurden im Treidelweg zwei Blindgänger entschärft. Die beiden 500-Kilogramm-Bomben mit chemischen Langzeitzündern wurden am Donnerstag (18. Juli) vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg (KMBD) geräumt.

Hier lesen Sie weiter

>>> Bombenentschärfung in den 90er Jahren in Oranienburg – Zeitzeugen erzählen

Von RND/dpa