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Oranienburg Oranienburger (28) hofft auf eine Niere
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12:12 01.12.2016
Musikalisch: Oleg Weigel bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Klavierspielen. Quelle: privat
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Oranienburg

Dem Einfingersystem ist Oleg Weigel entwachsen. Er spielt jetzt mit allen Fingern sein Tasteninstrument. „Schon als Kind wollte er viele Musikspielzeuge haben“, erzählt Olegs Mutter Marina. Deshalb haben sie und ihr Mann ihrem Sohn ein Keyboard zum Geburtstag geschenkt. „Er braucht die Töne“, so die 49-Jährige. Oleg kann nichts sehen, ist seit seiner Geburt blind. Manchmal fühlt er sich zu schwach zum Spielen. Er ist Dialysepatient und wartet auf eine Niere.

„Wir waren damals ganz auf uns alleine gestellt“, erzählt seine Mutter. Mit „damals“ meint sie die Zeit in ihrer alten Heimat – Kasachstan. 2000 kam die Familie nach Deutschland. Oleg lernte schnell Deutsch, besuchte eine Schule für Sehbehinderte und Blinde in Königs Wusterhause. „Er hat große Fortschritte gemacht, Braille gelernt.“

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Eine Hiobsbotschaft nach der nächsten

Doch ein Schicksalsschlag wartete an der nächsten Ecke. 2003 bekam Oleg Anfälle. Krämpfe. Diagnose: Epilepsie. Ein Schock für die Familie. Aber Oleg ist medikamentös gut eingestellt. 2005 die nächste Hiobsbotschaft: Niereninsuffizienz. Eine schwere Zeit. 2011 haben beide Nieren versagt. Drei Mal in der Woche muss er zur Dialyse, der so genannten „Blutwäsche“.

Oleg Weigel ist natürlich kein Einzelfall. 8000 Dialysepatienten warten in Deutschland auf eine Nierentransplantation. Es gibt lange Wartelisten. Spender müssen teilweise bis zu 10 Jahre ausharren, bevor ein Organ für sie ausfindig gemacht werden kann. Etwa dreimal so viele Menschen warten auf eine neue Niere wie Transplantate vermittelt werden können. „Wir sind da aber noch optimistisch“, so Marina Weigel. Doch Oleg geht es nicht gut. Die Dialyse nimmt ihn mit. „Früher wollte er immer mit Papa spazieren gehen, jetzt fühlt er sich schwach, körperlich nicht belastbar.“

Ablenkung durch Unterhaltung

Er arbeitet dennoch in der Oranienburger Caritas-Werkstatt. Sein Vater pflegt ihn zu Hause. Mutter Marina muss arbeiten – als Altenpflegerin. „Ich habe oft ein schlechtes Gewissen, weil ich alte Leute pflege, aber nicht meinen Sohn.“ Doch es war einmal anders. Sie zu Hause bei Oleg, sein Vater arbeiten. Die Bedingungen haben sich geändert. Oleg ist nicht alleine, hat Geschwister. Seine Olga (25) arbeitet bei der Bundeswehr, die jüngere Schwester Elisabeth (14) hilft im Haushalt. Beide sind für ihn da. „Er hört gerne stundenlang Radio“, so Olga. Sie schenkt ihm oft Kleinigkeiten zur Unterhaltung. „Vor allem Hörfilme wie die Tribute von Panem, die mag er.“

Die Familie bleibt trotz Schicksalsschlägen optimistisch und hofft auf eine Nierenspende. Marina: „Dann würde ein anderer, ein neuer Teil unseres Lebens beginnen.“

Von Marco Winkler

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