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Oranienburg Oranienburger Stadtverwaltung kämpft für das ÖPNV-Konzept
Lokales Oberhavel Oranienburg Oranienburger Stadtverwaltung kämpft für das ÖPNV-Konzept
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17:41 07.02.2019
Torsten Eichholz kämpft für eine Busverbindung zum Tier- und Freizeitpark in Germendorf. Die Haltestelle stammt noch von 2009.
Torsten Eichholz kämpft für eine Busverbindung zum Tier- und Freizeitpark in Germendorf. Die Haltestelle stammt noch von 2009. Quelle: Enrico Kugler
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„Herr Eichholz ist Unternehmer, da wäre es der richtige Weg die OVG anzusprechen, wenn er möchte, dass ein Bus bis zum Tierpark fährt“, macht Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) seinen Standpunkt zu den Vorwürfen deutlich, die Germendorfs Tierparkchef wegen einer fehlenden Busanbindung geäußert hatte. „Ich kann ihm nicht seine Hausaufgaben abnehmen.“

Über Finanzierung kann man reden

Doch bedeute das keineswegs, dass man danach nicht miteinander über die Finanzierung, über die Aufteilung der Kosten reden könne, so Laesicke, der weiterhin betont, Torsten Eichholz bei seinem Vorhaben zu unterstützen. „Aber ich kann keinen Bus versprechen.“ Schließlich rede man über Geld aus dem Haushalt, über den die Stadtverordnetenversammlung zu entscheiden habe. „Einer muss es bezahlen“, ergänzt auch Christian Kielczynski, Leiter des Amtes für Stadtplanung.

Testbetrieb über die OVG möglich

Bei dieser Aufgabe sieht er nicht die Stadt an erster Stelle. Schließlich wollten auch andere Firmen einen Bus. „Aber die bezahlen ihn dann auch.“ Ihm fehle die unternehmerische Initiative beim Tierparkchef, so Kielczynski. So könne Eichholz jederzeit einen Testbetrieb, der mindestens ein Jahr dauern sollte, bei der OVG in Auftrag geben. „Um zu gucken, ob es sich lohnt“, erinnert Kielczynski an den sogenannten Spargelexpress, der 2009 während der Landesgartenschau von Oranienburg nach Kremmen fuhr und am Tierpark halt machte. Mit dem aber kaum jemand fahren wollte. Zu mindestens sei die Busanbindung des Tierparks in der Aufbauvariante des ÖPNV-Konzeptes als Maßnahme enthalten.

Umlaufzeit muss eingehalten werden

Doch wies der Fachmann zugleich auf den Umstand hin, dass der Bus 824 als Linienbetrieb eine Umlaufzeit von einer Stunde einzuhalten habe, um die Taktzeiten an den Bahnhöfen in Oranienburg, Velten und Hennigsdorf einzuhalten. „Da wären die drei Minuten Umweg über den Tierpark zu lang.“ Auch die Idee, Leegebruch aus dem Linienverkehr zu nehmen, ist wohl bei den Leegebruchern nicht so gut angekommen, glaubt der Stadtplaner. Ebenso wenig eine Verlegung der Linie 800, da dann die Weiße Stadt nicht mehr angebunden wäre. „Andere touristische Ziele bieten auch einen privaten Shuttleverkehr an“, so sein Tipp. Letztlich handele es sich doch nur um maximal 15 Wochenenden im Jahr, so Kielczynski. „Dafür kann man auch einem Kleinbus beauftragen.“ Der Globus-Baumarkt wäre dabei ein guter Umsteigeplatz.

Plädoyer für den Rufbus

Auch für Wensickendorf hatte der Stadtplaner ein paar Zahlen parat: So habe man für das Konzept die Fahrgastzahlen der Linie 805 untersucht: Es gab im Jahr 46 119 Ein- und Ausstiege. Da jeder, der einsteige, auch aussteige, so Kielczynski, seien das im Schnitt 63 Personen pro Tag, inklusive Schüler. Pro Fahrt saßen also 4,2 Personen im Bus. Daher sei ein flexibles System für verkehrsschwache Zeiten ideal. „Über die 90 Minuten Vorbestellzeit kann man reden.“ Mit dem Rufbussystem könne man direkt auf den Bedarf reagieren, meint Laesicke. „Man bekommt den Komfort eines Taxis, zum Preis vom Bus. Die Leute werden sich daran gewöhnen und es zu schätzen wissen.“ Schließlich klappe es auch anderswo, sagt der Stadtplaner. „Es wäre schade, wenn deswegen das ganze ÖPNV-Konzept scheitert.“ Deshalb dürfe man auch keine Maximalforderungen aufstellen, ergänzt Laesicke, sondern müsse mit dem Konzept für die Verhandlungen Ernsthaftigkeit ausstrahlen.

Von Ulrike Gawande