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Oranienburg Polizisten in Oberhavel bedroht: „Ich steche euch ab!“ – Urteil gesprochen
Lokales Oberhavel Oranienburg Polizisten in Oberhavel bedroht: „Ich steche euch ab!“ – Urteil gesprochen
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18:45 15.08.2019
Das Amtsgericht in Oranienburg. Am Donnerstag wurde hier eine Messerattacke gegen Polizeibeamte verhandelt. Quelle: Helge Treichel
Oranienburg

So viel Hass und Wut habe er in seiner 20-jährigen Polizeilaufbahn noch nicht erlebt, sagt André Quade. Der Mann habe ihn und seinen Kollegen unflätig beschimpft, sein Fahrrad nach ihm werfen wollen sowie klar artikuliert, dass er „Bullen“ hasse und mindestens einem die Kehle aufschlitzen wolle.

Schilderung der Tat

Zunächst unbemerkt hatte der Angetrunkene ein handelsübliches Cuttermesser aus seiner Arbeitskleidung gezogen. Spezialhandschuhe verhinderten bei ihm Schnittverletzungen, erst nach etwa zehnminütigem Kampf sei es gelungen, den Angreifer zu überwältigen, so Quade.

>> Lesen Sie dazu auch: Oranienburger Polizist spricht erstmals über Messer-Angriff

Elf Monate später sitzen beide im Saal I des Amtsgerichts in Oranienburg. Michael S., Jahrgang 1965, muss sich unter anderem wegen Körperverletzung, Beleidigung und angedrohter schwerer Körperverletzung verantworten. Nichts Neues für den Angeklagten, der gemeinsam mit seinen vier Brüdern einen klangvollen Namen in Oranienburgs „Unterwelt“ hat.

Angeklagter mehrmals vor Gericht

Seit 1984 stand er bereits deutlich mehr als ein Dutzend Mal vor Gericht: Körperverletzung, Diebstahl, Trunkenheitsfahrten ohne Führerschein, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, Beleidigung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

André Quade und eine Kollegin während eines Polizeieinsatzes im Jahr 2018. Quelle: Julian Stähle

Was am Tattag passierte

Am 18. September vergangenen Jahres bildeten der Erste Polizeihauptkommissar André Quade (45) und sein Kollege, Polizeiobermeister David Will (35), die zweiköpfige Besatzung eines Streifenwagens. Quade, der meist als Dienstgruppenleiter fungiert, sind regelmäßige Streifeneinsätze wichtig. Sie fuhren am frühen Abend auf der Bernauer Straße in Richtung Schmachtenhagen, als ihnen die Schlangenlinien eines Radfahrers auffielen, berichtet Will bei seiner Aussage vor Gericht.

Nach dem Stopp in Höhe eines asiatischen Blumenladens sei der Radler zum Stehenbleiben aufgefordert worden. Doch der habe sofort „sehr aggressiv“ reagiert – verbal und von der Körpersprache her. „Arschlöcher, Wichser“, nannte der Beamte nur einige Schimpfwörter. „Es war keine Kommunikation möglich“, fasst Will die Bemühungen seines Kollegen zusammen.

Angeklagter bedroht Polizisten

Auch nachdem er zu Boden gedrückt und notdürftig fixiert war, habe Michael S. weiter gedroht: „Ich steche euch ab. Einen nehme ich mit.“ Die Schürfwunden und blauen Flecken der Beamten wurden medizinisch dokumentiert, auch der Alkoholpegel des Angreifers. 2,8 Promille waren es noch zwei Stunden nach der Tat.

Der Gerichtssaal, in dem am Donnerstagvormittag die Verhandlung stattfand. Quelle: Helge Treichel

Kann sich nicht an die Tat erinnern

Michael S. selbst gab an, sich gar nicht mehr an die Sache erinnern zu können. Seit April 2018 hatte er einen Alkoholentzug gemacht, an diesem Tag sei er aber rückfällig geworden. Seitdem habe er erneut nicht mehr getrunken und seit Dezember sogar eine Zwölf-Wochen-Therapie gemacht – inklusive Nachsorge. Seit zwei Monaten gehe er wieder einer Arbeit nach, so sein Verteidiger. Und: Nach 2006 habe es nur noch eine Geldstrafe wegen Körperverletzung gegen seinen Mandanten gegeben.

Eine positive Sozialprognose gab auch der Bernauer Gutachter ab. Alle bisherigen Konflikte mit dem Gesetz seien beim Angeklagten mit Alkoholkonsum einhergegangen. Eine Steuerungsunfähigkeit zur Tatzeit bescheinigte er ihm zwar nicht. Ohne Trunkenheit seien momentan aber keine Straftaten mehr bei S. zu erwarten.

Schmerzensgeld von je 750 Euro

Richter Andreas Steiner wertete das als strafmildernd. Am Ende verkündet er ein Strafmaß von 16 Monaten Freiheitsentzug, ausgesetzt zur Bewährung. Bei der Frist gingen er und die beiden Schöffen sogar über die Forderung der Staatsanwältin hinaus. Statt drei hielten sie die maximal mögliche Länge von fünf Jahren für angemessen.

Jedem der beiden Polizeibeamten wurde ein Schmerzensgeld von 750 Euro zugesprochen. Weitere 500 Euro Geldstrafe gehen in Raten von je 25 Euro an die Deutsche Gehirntumorforschung. Ein Bewährungshelfer soll S. davor bewahren, erneut straffällig zu werden, was den Antritt der Freiheitsstrafe zur Folge hätte.

Michael S. rang sich mit versteinerter Miene ein „Tut mir leid“ ab – und das Versprechen, trocken zu bleiben. Auf eine persönliche Entschuldigung warteten die beiden in den Zuschauerreihen ausharrenden Beamten jedoch vergebens. „Ich hätte die angenommen“, sagte Quade.

Von Helge Treichel

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