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Oranienburg Rätselhafte Frau lebt auf der Straße
Lokales Oberhavel Oranienburg Rätselhafte Frau lebt auf der Straße
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01:15 15.06.2019
Seit einigen Tagen sitzt die Frau vor einem Oranienburger Wohn- und Geschäftshaus. Quelle: Helge Treichel
Oranienburg

Sie ist blond, wirkt wie Mitte 30, hat ein gepflegtes Äußeres und campiert mit Koffern, Taschen und Säcken vor einem Oranienburger Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Greifswalder-/Freienwalder Straße – seit Dienstag vor Pfingsten.

Warum sie das tut, bleibt nach wie vor ein großes Rätsel für alle, die ihr bislang helfen wollten: Passanten, Bewohner und Gewerbetreibende des betroffenen Hauses, Polizei, Mitarbeiter vom städtischen Ordnungsamt, Gesundheitsamt und Sozialpsychiatrischen Dienst. Die Frau reagiert abweisend. Mit Stöpseln in den Ohren will sie offenbar neugierigen und lästigen Fragen entgehen. „Ich bin kein Zirkus“, sagt die aus der Ukraine stammende Frau in lupenreinem Deutsch.

Mitarbeiter entdeckt die Frau vor der Firmentür

Sie sieht nicht aus wie eine Obdachlose. Was sie tut, wirkt eher wie ein Sitzstreik.

Diesen Eindruck hat auch Marco Geier gewonnen. Der 39-Jährige leitet die Filiale eines Logistikunternehmens und entdeckte die Frau direkt vor der Tür seiner Firma. Und so bekam er mit, wie sämtliche Behörden anrückten. Eine Streifenwagenbesatzung bot an, sie zu den erforderlichen Behörden zu fahren. Zwei Ordnungsamtsmitarbeiter stellten ihr das Ultimatum, bis zum Mittag des selben Tages zu verschwinden. „Daraus sind acht Tage geworden“, resümiert der Malzer, der unruhig wurde, als er die Frau nach Pfingsten immer noch auf der Straße antraf.

Hilfsangebote blieben erfolglos

Seine eigene Frau und andere Frauen aus der Nachbarschaft hätten Hilfe angeboten. Mitarbeiterinnen des Backbetriebes gegenüber hätten ihr die Toilettenbenutzung freigestellt. Marco Geier selbst wollte ihr gekühltes Wasser anbieten. Erfolglos. „Sie reagierte bei jedem gleich ablehnend.“ Sogar ein Mitarbeiter des direkt benachbarten Obdachlosenheims konnte die Frau nicht zum „Umzug“ bewegen.

„Da sie keine Gefahr für sich und andere darstellt, sind uns die Hände gebunden“, sagt Stefanie Kreutzer aus der Oranienburger Pressestelle. Außerdem seien die Helfer eben auf die Mithilfe des Betroffenen angewiesen. Die Frau zeige sich jedoch in keiner Weise kooperativ, was alle recht ratlos mache. Auch einen Aufenthalt im Frauenhaus habe sie abgelehnt. Deshalb werde wenigstens regelmäßig nachgeschaut, ob es ihr gut geht, versichert Stefanie Kreuzter: „Wir haben sie im Blick.“

Eine Dusche war willkommen

Die Unbekannte reagierte lediglich, als sie von einem Anwohner und seiner 18-jährigen Tochter angesprochen wurde. Essen und Trinken lehnte sie ab. Aber als die beiden ihr eine Dusche anboten, ging sie gern darauf ein. Allerdings legte sie Wert darauf, sämtliche Utensilien wie Handtuch, Shampoo bis hin zum Fön selbst mitzubringen.

Die beiden Privatleute erfuhren, dass die Frau aus Oberkrämer stammt, seit 20 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet und mit einem Deutschen verheiratet ist oder war. Mit ihm hat sie einen 14-jährigen Sohn. Offenbar darf sie den nicht mehr sehen. Auf den Mann ist sie nicht gut zu sprechen. Aber warum sie auf der Straße sitzt, was sie damit bezwecken möchte und wie lange das so gehen soll? Keine Antwort.

Mit einem herzlichen Dank „für das Wasser“ verschwand sie und ging trotz des drohenden Unwetters wieder zu ihrem Campingstuhl und ihren Koffern an der Straße.

Von Helge Treichel

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