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Oranienburg SPD ist Wahlsieger – trotz Stimmenverlustes
Lokales Oberhavel Oranienburg SPD ist Wahlsieger – trotz Stimmenverlustes
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00:24 30.05.2019
In der Orangerie in Oranienburg tagen die Stadtverordneten.
In der Orangerie in Oranienburg tagen die Stadtverordneten. Quelle: TKO
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Oranienburg

Die SPD hat in Oranienburg mit 20,3 Prozent der Stimmen und jetzt sieben Sitzen die Wahl zur neuen Stadtverordnetenversammlung gewonnen – aber mit großen Stimmverlusten. Im Vergleich zu 2014 verloren die Sozialdemokraten 7,7 Prozent.

SPD Wahlsieger

Trotzdem sieht Matthias Hennig (SPD) seine Partei als „klaren Wahlsieger“. Das Ergebnis sehe zwar knapp aus, aber im Gegensatz zu 2014 habe man in absoluten Zahlen sogar rund 2000 mehr Stimmen für sich verbuchen können, so Hennig. Er sieht sich als „Motivator“ seiner Partei, denn natürlich brauche man die prozentualen Ergebnisse der Wahl nicht „schönreden“. Das Parlament, in dem neben Matthias Hennig nun auch Burkhard Wilde, Michael Richter, Björn Lüttmann, Jennifer Collin, Olaf Bendin und Dirk Blettermann sitzen werden, sei pluralistischer geworden. Man müsse sich zukünftig auf Dreier- oder Viererbündnisse für eine politische Zusammenarbeit einstellen. Im ersten Schritt werde man mit den anderen Parteien reden. Persönlich hofft Matthias Hennig in Zukunft auf ein „aktiveres Stadtparlament“. „Ich wünsche mir mehr Teilnahme und eine intensivere Einarbeitung der Abgeordneten in die Themen.“

CDU: Sechs Sitze im Stadtparlament

Auf dem zweiten Platz landete die CDU mit 17,5 Prozent (minus 5,6) der Stimmen und sechs Sitzen im Stadtparlament. Klar vorn in absoluten Zahlen liegt Nicole Walter-Mundt, die 1975 der Wählerstimmen auf sich vereinen konnte. „Das ist ein großartiges Ergebnis und ein großer Vertrauensbeweis“, dankt die Oranienburgerin für die große Unterstützung. Ihre Stimmung beschreibt sie als „glücklich, aber nicht euphorisch“, denn für ihre Partei hätte sie sich „mehr gewünscht“, auch wenn man nach einem aktiven Wahlkampf zweitstärkste Kraft geworden sei. Ihr zur Seite sitzen für die CDU in der Stadtverordnetenversammlung Werner Mundt, Grit Hörig, Christian Howe, Michael Ney und Gabriele Schiebe. „Die Vielfalt im Stadtparlament ist eine Herausforderung. Wir müssen Mehrheiten suchen, denn es geht um Sacharbeit, um die Stadt voranzubringen, damit es Oranienburg und seinen Bürgern gut geht.“ Zukünftig werde man aber darauf achten, dass die „eigene Politik“ noch deutlicher sichtbar werde.

Erfolg für die AfD

Großer Gewinner ist in der Kreisstadt die AfD mit 17,1 Prozent und sechs Sitzen. Sie zieht somit als drittstärkste Kraft zum ersten Mal ins Stadtparlament ein. Joachim Radke (AfD) ist dementsprechend erfreut über den „geäußerten Wählerwillen“. Mit ihm werden für die AfD Ingo Schmidt, Sascha Schiwek, Hans Gutschmidt, Mario Gagstädter und Tim Zimmermann im Parlament sitzen. Man werde mit allen Parteien über eine mögliche Zusammenarbeit reden, betont Radke. Mit der CDU habe man „viele Schnittmengen“,so Radke, schwieriger sei es mit Grünen und Linken, mit denen man „konträre Positionen“ habe. „Aber ich habe keine Berührungsängste. Es ist wichtig, dass es der Stadt gut geht – unabhängig von politischen Vorgaben.“

Große Verluste bei den Linken

Besonders kräftig verloren die Linken. Sie kommen nur noch auf 14,7 Prozent, verloren damit 10,4 Punkte und haben nunmehr fünf Sitze. Für einen war die Wahl dabei eine Premiere: Für Jean Willemsen. Der Theologie-Student verbuchte auf Anhieb die meisten Stimmen der Linken-Kandidaten. „Das ist ein deutliches Zeichen, dass Politik verjüngt werden muss“, ist der 24-Jährige überzeugt, der derzeit das jüngste SVV-Mitglied wäre. Auch die Politik in der Stadt müsse jünger werden, da es in Oranienburg an Freiräumen für junge Menschen fehle, erklärt der Student. Für seine Partei habe er jedoch auf mehr Sitze gehofft. So sitzen für die Linken im Stadtparlament: Ralph Bujok, Enrico Geißler,Hans-Dieter Manzl und Elke Kästner. „Die anderen haben die Erfahrung, die mir noch fehlt.“ Willemsen will mit anderen Parteien ins Gespräch kommen. In seiner Politik will er zudem ein deutliches Zeichen gegen Rassismus setzen.

Plus für die Grünen

Ein Plus von 2,7 Prozent auf 10,9 Prozent (vier Sitze) schafften Bündnis 90/Die Grünen im Vergleich zu 2014. Zu jeder Wahl habe man zwei Prozent hinzugewinnen können, erklärt Heiner Klemp (Grüne), der nach 15 Jahren nicht mehr ins Stadtparlament, dafür aber in den Kreistag gewählt wurde. „Viele Personen wurden von hinteren Listenplätzen nach vorne gewählt. Ich freue mich sehr über das Ergebnis. Unser Ziel war es, dass die Entwicklung so weiter geht.“ Das Minimalziel seien die nun erreichten vier Sitze gewesen, die mit Jörg Roitsch, Thomas Hebestreit, Petra Klemp und Ulrike Dölle besetzt werden. Großer Schwerpunkt ihrer Arbeit werde der Klimaschutz sein.

FDP, FWO, Piraten und die Partei

Außerdem sitzen in der Stadtverordnetenversammlung Antje Wendt, Kathleen Stange und Nicola Jores für die Freien Wähler Oberhavel (FWO), die 7,3 Prozent und drei Sitze erreichten. Heiko Zillmann, Daniel Langhoff und Heino Sandig vertreten die FDP, die sich von 3,2 auf 6,7 Prozent und ebenfalls auf drei Sitze steigern konnten. Die Partei „Die Partei“ kommt auf 3,6 Prozent und wird durch Marion Etzold vertreten. Für die Piratenpartei erreichte Thomas Ney 2,0 Prozent (plus 1,2).

Von Ulrike Gawande