Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oranienburg Schandfleck beräumt
Lokales Oberhavel Oranienburg Schandfleck beräumt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:23 21.05.2018
Nach mehr als drei Wochen ist der Containerstellplatz in der Oranienburger Mülldeponie wieder in ordentlichem Zustand – die wilde Deponie wurde entsorgt. Quelle: Nadine Bieneck
Oranienburg

Auf einmal ging Freitagvormittag dann alles ganz schnell: Zuerst verschwand der Altkleidercontainer im 3,5-Tonner der Versero GmbH. Anschließend luden zwei Mitarbeiter des Unternehmens den seit drei Wochen auf mehrere Kubikmeter angewachsenen Müllberg ins Fahrzeug, um die Ordnung am Stellplatz in der Oranienburger Birkenallee wieder herzustellen.

Das in Berlin ansässige Unternehmen machte den Umweltfrevel schließlich zur Chefsache. Daniela Wilhelm, Leiter Operations bei Versero, war vor Ort zugegen: „Unser Container kommt an diesem Standort auf jeden Fall weg. Wir sind bereits in Gesprächen mit der Stadt für einen Alternativstandort“, erklärt sie. Ihr Unternehmen betreut rund 1500 Containerstellplätze zwischen Kiel und Dresden. „Solche Probleme wie in Oranienburg haben wir noch nie erlebt“, sagt sie. Am Donnerstag habe sie die wilde Deponie vor Ort in Augenschein genommen, fand in den abgelegten Mülltüten Briefe und Pakete mit kompletten Postanschriften.

Grundsätzliche Frage: „Warum verpesten die Menschen Landschaft auf solche Weise?“

Versero-Betriebsleiter Michael Wilhelm nahm gar Kontakt zu einigen der ermittelten Adressen auf. „Sie können sich nicht vorstellen, was man da zu hören bekommt. Die betreffenden Personen konnten sich nicht erklären, wie ihre Unterlagen dorthin gelangt seien“, berichtet er von den Telefonaten. Wie dem auch sei – die im Müllberg gefundenen Anschriften wurden gesichert. „Wir prüfen nun rechtliche Schritte und werden Strafantrag stellen“, erklärt er. Die gestrige Entsorgung des Müllbergs löse das eigentliche Problem nicht, gibt er zu bedenken. „Die grundsätzliche Frage ist doch, warum Menschen die Landschaft auf solche Weise verpesten?“ Laut seiner Information liegen beim Landkreis bereits Anzeigen über die illegale Müllentsorgung in der Birkenallee vor, da Personen dabei beobachtet wurden. Beim Oranienburger Ordnungsamt, in dessen Verantwortungsbereich die Ermittlung von Müllsündern im Stadtgebiet fällt, wollte man sich Freitagnachmittag gegenüber der MAZ nicht offiziell äußern.

Über mehr als drei Wochen hinweg entwickelte sich am Containerstellplatz in der Oranienburger Birkenallee im Mai 2018 eine wilde Deponie. Immer wieder luden Unbekannte ihren Hausmüll, Bauschutt und auch Sondermüll an der am Rande der Stadt befindlichen Stelle ab, die sich zu einem Schandfleck am südlichen Eingang Oranienburgs entwickelte. Mitarbeiter der Versero GmbH beräumten den mehrere Kubikmeter großen Schandfleck schließlich am Freitag (18. Mai 2018).

Allerdings verfolgten Mitarbeiter von Ordnungsamt und Stadthof den Abtransport der wilden Deponie vor Ort. „Der Stellplatz in der Birkenallee hat sich zu einem Brennpunkt entwickelt“, meinte Stefan Gebhard, Leiter des Tiefbauamtes. „Die Hemmschwelle einiger Bürger ist tief gesunken. Das Problem ist nicht einfach zu lösen: Der Platz ist sehr abgelegen und meist unbeobachtet. Für eine Videoüberwachung müssten datenschutzrechtliche Bedenken geprüft werden. Solch einen Stellplatz und den damit verbundenen Lärm möchte auf der anderen Seite auch niemand direkt im Wohngebiet haben.“ Eine andere Möglichkeit, des Problems Herr zu werden, sei „die generelle Auflösung des Stellplatzes“. Das „ignorante und absolut verantwortungslose Verhalten“ von Mitbürgern, die ihren Müll gedankenlos abladen, ließe sich damit allerdings auch nicht grundsätzlich lösen. Das kann durchaus gefährlich und auch äußerst umweltschädlich werden, „beispielsweise, wenn gefährliche Stoffe im Boden versickern“.

Daniela Wilhelm war nach knapp zwei Stunden, als der letzte Müllsack im Lkw verschwand, zumindest teilweise erleichtert. „Natürlich kommen wir den Sauberhaltungspflichten rund um unsere Container nach“, erklärte sie. „Niemand will solch eine Müllhalde an seinem Stellplatz sehen. Dass es sich Mitbürger jedoch so einfach machen und ihren Haus-, Bau- und sogar Sondermüll einfach daneben ablegen, das ist unmöglich, unzumutbar und auch ekelhaft.“ Auf rund 1000 Euro schätzt sie die Kosten der Entsorgung. Hinzu kommt „ein Riesenaufwand. Von der Umstellung unserer Touren bis hin zur Abwicklung und möglicherweise strafrechtlichen Verfolgung.“

Kein Kavaliersdelikt

Illegale Müllentsorgung, insbesondere von Sondermüll, ist zudem beileibe kein Kavaliersdelikt sondern ein Straftatbestand. Der beträchtliche Bußgelder – je nach Art des Vergehens – nach sich ziehen kann. Einen Überblick darüber gibt der Bußgeldkatalog, der z.B. hier einsehbar ist: https://umwelt.bussgeldkatalog.org/muell/#brb

Lesen Sie auch:

MAZ vom 16. Mai 2018: „Nichts passiert: Müllberg wächst weiter

MAZ vom 11. Mai 2018: „Der Müllberg wächst

Von Nadine Bieneck

Die Firma Energieinsel zieht im Herbst von Germendorf nach Vehlefanz. Im dortigen Gewerbegebiet herrschen gute Standortbedingungen, sagt Geschäftsführer Rico Rückstädt. Die Bodenplatte ist schon zu sehen.

20.05.2018

Das Aktionsbündnis gegen die geplante Anlage zur Klärschlammverbrennung im Germendorfer Gewerbegebiet hat am Mittwochabend im Oranienwerk davor gewarnt, die Hände in den Schoß zu legen. Noch sei die Anlage nicht vom Tisch.

19.05.2018

Anders als von der Stadt Oranienburg zunächst angenommen ist für die Beseitigung der wilden Deponie am Containerstellplatz Birkenallee der Besitzer des Containers direkt neben dem Müllberg verantwortlich, die Versero GmbH. Die Stadt hatte zunächst auf die Abfallwirtschafts-Union Oberhavel GmbH (AWU) verwiesen.

19.05.2018