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Oranienburg So läuft die Ausbildung zur Polizeivollzugsbeamtin in Oranienburg
Lokales Oberhavel Oranienburg

So läuft die Ausbildung zur Polizeivollzugsbeamtin in Oranienburg

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17:18 22.02.2021
Polizeianwärterin Sarah auf dem Gelände der Hochschule der Polizei in Oranienburg.
Polizeianwärterin Sarah auf dem Gelände der Hochschule der Polizei in Oranienburg. Quelle: Hochschule der Polizei/Pieper
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Oranienburg

Nah dran sein an den Menschen, helfen können und gleichzeitig einen krisenfesten Job haben – das waren für die 27-jährige Sarah Beweggründe, Polizistin zu werden. Nach dem Abitur hat die gebürtige Potsdamerin, die bei Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) aufgewachsen ist, zunächst noch Umwege gemacht, ist erst Judo-Trainerin geworden, hat später Sonderpädagogik studiert. „Ich habe dann aber gemerkt, dass das nicht die optimale Idee für mich war“, sagt sie. Sie sattelte um und bewarb sich bei der Polizei. In Praktikumssituationen hat sie schon mehrfach erlebt, wie sie zusammen mit erfahrenen Kollegen Menschen im Alltag helfen konnte, zum Beispiel bei der Aufnahme von Verkehrsunfällen. „Dabei habe ich auch oft ein Danke gehört“, berichtet sie.

Der Polizeialltag ist sehr vielfältig. Dazu gehört es etwa, bei Sachbeschädigungen und Ladendiebstählen den Sachverhalt zu protokollieren – oder mit einer Hundertschaft ein Fußballspiel zu begleiten. Da können es die Beamten schon einmal mit angespannten Situationen zu tun bekommen. „Aber wir sind geschult, auf Aggressionen richtig zu reagieren“, sagt Sarah. Als äußerstes Mittel in Bedrohungssituationen führen Polizisten eine Schusswaffe mit sich und üben sich in deren Gebrauch. „Tatsächlich auf einen Menschen schießen zu müssen, wäre eine Ausnahmesituation“, sagt die angehende Polizistin: „Ich hoffe, dass ich nie in eine solche Situation komme.“ Der Umgang mit Bedrohungslagen ist immer wieder Thema in der Ausbildung.

Mittlerer und gehobener Dienst werden gemeinsam ausgebildet

Alle angehenden Polizistinnen und Polizisten des Landes Brandenburg werden an der Hochschule der Polizei in Oranienburg (Oberhavel) ausgebildet. Angehende Beamte des mittleren Polizeidienstes mit Dienstgrad Polizeiobermeister und ihre Kolleginnen und Kollegen, die sich für den gehobenen Dienst mit Dienstgrad Polizeikommissar vorbereiten, drücken am gleichen Ort die Schulbank. In anderen Bundesländern ist das teilweise anders. Sarah hatte zuerst mit dem zweieinhalbjährigen Ausbildungsgang für den mittleren Dienst begonnen, ist dann aber zum dreijährigen Bachelor-Studium für den gehobenen Dienst gewechselt. Das hat sie viel Zeit gekostet, aber einen Aufstiegslehrgang während der Arbeit zu besuchen, wäre ebenfalls mit hohem Aufwand verbunden.

Neben Hörsälen und Bibliothek gibt es auch Sporthallen und -plätze

Großen Spaß machen der Polizeikommissar-Anwärterin unter anderem die juristischen Ausbildungsteile, etwa zum Eingriffsrecht und zum Strafrecht. „Das ist wichtig, um zu wissen, wie man als Polizistin handeln darf“, sagt sie. Die Bedingungen in Oranienburg empfindet sie als sehr gut. Neben den Lehrgebäuden mit Seminarräumen, Hörsälen und Bibliothek gibt es ein großes Freigelände mit Verkehrsgarten, Sporthallen und -plätzen. Körperliche Fitness ist eine Voraussetzung für den Polizeiberuf – kein Problem für die ehemalige Judo-Trainerin, die auch gerne joggt und schwimmt. Gleich nebenan befindet sich die Gedenkstätte Sachsenhausen, in der an den Terror der NS-Zeit erinnert wird, in der auch die Polizei Teil des Unrechtsregimes war. An diese Nachbarschaft wird in der Hochschule bewusst erinnert, um die Bedeutung des Rechtsstaats deutlich zu machen.

Die Ausbildung in Oranienburg bereitet auf alle Teile der Polizeiarbeit vor und eröffnet den Weg zu Schutz- und Bereitschafts- genauso wie zur Kriminalpolizei. Sarah würde nach dem Abschluss der Ausbildung gerne in den klassischen Streifendienst möglichst in ihre Heimatregion in der Nähe von Potsdam gehen. „Ich möchte gerne raus auf die Straße“, sagt sie. Der direkte Kontakt mit dem Bürger ist das, was sie an dem Beruf besonders schätzt. In kaum einer anderen Tätigkeit werde man schließlich jeden Tag mit so vielen verschiedenen Persönlichkeiten konfrontiert.

Mehr Infos in der E-Beilage „MAZubi digital“Ausbildungsangebote unter maz-job.de/ausbildung

Von Ulrich Nettelstroth