Spargelernte: Trocken und kalt – da macht sich das „Elfenbein“ rar
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Oranienburg Spargelernte: Trocken und kalt – da macht sich das „Elfenbein“ rar
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18:45 24.04.2020
Noch zeigen sich Corinna Kiefer nur wenige Spargelspitzen auf den Feldern in Zehlendorf.
Noch zeigen sich Corinna Kiefer nur wenige Spargelspitzen auf den Feldern in Zehlendorf. Quelle: Bert Wittke
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Zehlendorf

Es hat mit Sicherheit schon Zeiten gegeben, da sah die Chefin des Spargelhofes Kiefer in Zehlendorf zufriedener und glücklicher aus. „Wer sich wie ich irgendwann mal auf die Landwirtschaft eingelassen hat, muss immer auf Kummer und Sorgen gefasst sein“, sagt die 54-Jährige. Aber dieses Jahr sei alles noch viel schwieriger. Selbst, wenn nur jemand ihren Namen ruft, werde sie unweigerlich sofort an diese ganze Krisensituation erinnert und an die unsäglichen Begleiterscheinungen, die damit verbunden sind. Die Hof-Chefin heißt Corinna. „Ich hab mir das nicht ausgesucht“, sagt sie und es klingt fast ein wenig nach Entschuldigung. Doch dann lacht sie kurz und herzhaft und zumindest in diesem kurzen Moment wirkt sie wieder so, wie sie ihre Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn und Kunden kennen: offen, fröhlich und zuversichtlich.

Bereits mehrfach musste der Spargelhof Kiefer den beginn der diesjährigen Ernte verschieben. Nun soll es am Sonntag, 26. April, losgehen. Quelle: Bert Wittke

Mit Zuversicht fing für Corinna Kiefer eigentlich auch dieses Spargeljahr an. Das „Elfenbein“ begann im März zu wachsen, weil der Boden zu dieser Zeit schon angenehm warm war und auch hin und wieder ordentlich Regen vom Himmel auf die Erde fiel. Deshalb ging man auch auf dem Spargelhof Kiefer bald daran, die Spargelreihen aufzudämmen. „Von da an vergehen erfahrungsgemäß noch 14 Tage und die Ernte kann beginnen“, sagt Corinna Kiefer. Sie hatte sogar schon einen Termin für den Start ins Auge gefasst: Ostersonnabend sollten die Hoftore an der Schmachtenhagener Straße 11 für die Spargelliebhaber geöffnet werden. Der Osterhase schaute dann auch pünktlich vorbei, doch die sechs polnischen Erntehelfer, die schon seit Jahren in dieser Zeit bei den Kiefers anpacken, bleiben aus. Oder besser – sie saßen daheim fest und durften zunächst wegen der Coronakrise nicht nach Deutschland einreisen. Es habe viel Zeit, Mühen und vor allem Nerven gekostet, die Helfer auf den Hof zu bekommen, berichtet die Chefin. Natürlich habe sie alle Vorschriften einhalten und die notwendigen Genehmigungen einholen wollen. Aber ob Innenministerium, Bundespolizei oder Bauernverband – jeder habe ihr etwas anderes geraten. Am Freitag voriger Woche seien Erntehelfer endlich eingetroffen. Nicht sechs, aber immerhin vier. Deshalb hat Corinna Kiefer, die bei der Sortenwahl stets das Hauptaugenmerk auf den urwüchsigen Geschmack der Stangenware legt, dieses Jahr nur auf drei Hektar Fläche Spargel angebaut und ein Teilstück brach liegen lassen.

Auch der grüne Spargel leidet unter dem fehlenden Regen. Die Erde auf den Feldern ist knochentrocken. Quelle: Bert Wittke

Und zu allem Corona-Unglück spielte dann auch noch die Natur verrückt. Der Regen blieb aus und extrem warmen Tagen folgten kalte Nächte mit Frost. Bedingungen, wie sie das weiße Gold auf den Feldern gar nicht mag. „Vier Wochen nach dem Aufdämmen fing der Spargel endlich an, langsam zu wachsen“, sagt die Hof-Eigentümerin und meint mit einem Blick auf die Zukunft: „Das wird dieses Jahr keine großen Mengen geben. Andernfalls hätte der Spargel jetzt schon viel weiter sein müssen. Zudem ziehe das Gemüse schon im Vorjahr die notwendigen Nährstoffe aus dem Boden, doch auch da sei es viel zu trocken gewesen. Wegen all dieser Widrigkeiten hat Corinna Kiefer den diesjährigen Erntebeginn bereits mehrfach verschoben. Neuster Termin für den Verkaufsstart ist an diesem Sonntag, 26. April. Doch es möge dann bitte niemand mit großen Mengen rechnen, warnt die 54-Jährige. Der Auftakt werde aus den genannten Gründen eher verhalten sein. Deshalb nimmt die Chefin, so oft auch in diesen Tagen über das Hoftor hinweg danach gefragt wird, keine Vorbestellungen entgegen. Verkauft wird, bis die letzte gestochene Stange über den Tisch des Verkaufsstandes gegangen ist. „So langsam scheinen wir uns wieder Zeiten zu nähern, als Spargel purer Goldstaub war“, sagt Corinna Kiefer. Dabei ist sie doch von Hause aus eigentlich viel optimistischer und hat extra eine selbstfahrende Spargel-Spinne gekauft, die die Folie anhebt, damit die Ernte künftig leichter von der Hand geht. Und im kommenden Jahr wollte sie eigentlich noch ein zweites derartiges Geräte anschaffen.

„Früher waren stets Gummistiefel und Regenjacken dabei, wenn es aufs Feld ging“, erinnert sich Corinna Kiefer. Und beides sei auch stets gebraucht worden. Inzwischen regnet es während der Ernte so gut wie gar nicht mehr. Quelle: Bert Wittke

„Ach, waren das früher noch Zeiten“, denkt die 54-Jährige zurück. „Wenn wir raus aufs Spargelfeld gegangen sind, hatten wir immer Gummistiefel und Regenjacken dabei. Und diese Utensilien haben wir auch gebraucht, weil es immer mal geregnet hat. Und jetzt? Da knirscht den Erntehelfern am Abend der trockene Sand zwischen den Zähnen. Und leider seien viele Spargelstangen bei dieser Trockenheit auch viel dünner. „Viel Regen, der plötzlich fällt, könnte das Blatt noch wenden“, gerät Corinna Kiefer ein wenig ins Träumen. Aber momentan sieht es nicht so recht danach aus.

Zurzeit ist das tägliche Ernteergebnis, mit dem Corinna Kiefer aufwarten kann, noch sehr überschaubar. Quelle: Bert Wittke

Trotz all der wenig verheißungsvollen Prognosen halten Kiefers daran fest, ihren Spargel bis etwa Mitte Juni an drei verschiedenen Orten anbieten zu wollen: auf dem Hof in Zehlendorf, an ihrem Gemüse- und Obststand in Wensickendorf und auch in Wandlitz. Und nach dem Spargel soll der Verkauf mit Erdbeeren, Melonen, Kürbissen und Kartoffeln weitergehen. Apropos Kartoffeln – etwa sechs Tonnen Pflanzkartoffeln warten aufgrund der ungünstigen Wetterlage auch immer noch darauf, in den märkischen Sand zu kommen. Wie gesagt, es hat schon Zeiten gegeben, da sah die Chefin des Spargelhofes Kiefer zufriedener und glücklicher aus.

Von Bert Wittke