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Oranienburg Speicher: „Brandschutz und Statik sind problematisch“
Lokales Oberhavel Oranienburg Speicher: „Brandschutz und Statik sind problematisch“
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00:23 31.03.2019
Der alte Speicher in Oranienburg. Quelle: Robert Roeske
Oranienburg

Der alte Speicher ist in Oranienburg seit Mittwoch Gesprächsthema Nummer 1. Grund ist die Aussage von der TAS-Unternehmensgruppe aus Hamburg, das denkmalgeschützte Gebäude nicht wie geplant sanieren zu können. Laut einem neuen Gutachten würde Sanierung zu einer Kostenexplosion führen. Auf dem Filetgrundstück an der Lehnitzstraße sollen rund um den Speicher mit 22 Wohnungen in zwölf Häusern 264 Wohnungen entstehen.

„Wir versuchen, den Abriss zu verhindern“

Die Reaktionen in Oranienburg ließen nicht auf sich warten. Die Stadt verspricht: „Wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, einen Abriss des Gebäudes zu verhindern.“ In sozialen Netzwerken wird nach der „Vorab-Kostenschätzung“ gefragt, ist von „klarer Strategie vom Investor“ die Rede und wird alle Hoffnung in die Denkmalschutzbehörde gelegt.

Materialstärken zwischen Ist und Soll weichen ab

Inzwischen hat sich die Unternehmensgruppe schriftlich und noch einmal mündlich zu den Vorgängen geäußert. Karsten Lüchow sagt, dass das Grundstück mit dem festen Ziel erworben wurde, um Neubauten zu errichten und auch den alten Getreidespeicher zu sanieren und darin Wohnungen zu bauen. „Die Untersuchung der Baustoffe in den Silotrichtern hat jedoch ergeben, dass die Instandsetzung des Betons der Wände nur mit höchstem Aufwand realisierbar ist. Neben den Anforderungen an den Brandschutz ist vor allem die 100 Jahre alte Statik des Speichers problematisch.“ Während der Analysen habe die TAS feststellen müssen, dass die Materialstärken des Betons (10,0 Zentimeter) erheblich von den heutigen Vorschriften (17,5 Zentimeter) abweichen.

So sehen die Pläne aus. Quelle: TAS

Andere Ergebnisse bei neuem Gutachten

Die Prüfung der Statik habe zudem ergeben, dass Dutzende Stahlträger und Stahlrahmen in zahlreiche Wände eingebaut werden müssten, darunter auch in die Außenwände, um die Tragfähigkeit für eine Wohnnutzung zu erreichen. Des weiteren müssten vorhandene Decken für die Tragfähigkeit verstärkt werden. „Leider hat die genaue Untersuchung von Statik, Beton, Dach und Tragwerk andere Ergebnisse erbracht, als die Gutachten bei der Ankaufsprüfung“, sagt TAS-Geschäftsführer Peter Schwarz.

6500 Euro pro Quadratmeter Kosten

Die vollständige Sanierung des Kornspeichers mit dem Einbau neuer Wohnungen würde aufgrund des extrem hohen Sanierungsaufwands zu äußerst hohen Erstellungspreisen von mehr als 6500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche führen. „Dieser Preis ist in Oranienburg unrealistisch“, so Karsten Lüchow. „Wir sind von dem Ergebnis unserer bautechnischen Untersuchungen überrascht und enttäuscht. Seit Projektbeginn war es stets unser Anliegen, den historischen Kornspeicher zu sanieren und darin hochwertige Wohnungen zu errichten“, sagt Schwarz.

Auf der Suche nach Lösungswegen

Derzeit seien die am Projekt Beteiligten auf der Suche nach einer Lösung. Dazu werden Gespräche mit den zuständigen Behörden geführt. „Wir hoffen immer noch, den Kornspeicher sanieren zu können. An der Suche nach Lösungswegen zum Erhalt des Speichers beteiligen wir uns in Gesprächen mit der Stadt gern“, so Schwarz weiter. Drei Optionen sieht die TAS-Gruppe: Sanierung mit Förderung, Abriss und Neubau sowie bei einem Abriss Kompensationen zu schaffen (Kita, Park...) Ein Förderantrag sei am 21. Februar 2019 aber vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur abgelehnt worden. Gleichzeitig gebiete es aber die Redlichkeit, mit der Stadt auch über eine Alternative nachzudenken. Die TAS habe bislang keinen Rückbau-Antrag gestellt.

Antrag auf Löschung aus der Denkmalliste möglich

Das bestätigt auch die Untere Denkmalschutzbehörde. „Sollte ein Antrag eingehen, wird er umfassend geprüft.“ Der Landkreis Oberhavel informierte darüber, dass ein Denkmaleigentümer die Möglichkeit habe, beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum einen Antrag auf Löschung aus der Denkmalliste zu stellen.

Kurz nach dem Baubeginn im September 2019. Quelle: Enrico Kugler

Kosten spielen Zünglein an der Waage

Laut Paragraf 7 des Brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes haben Eigentümer von Denkmalen diese im Rahmen des Zumutbaren nach denkmalpflegerischen Grundsätzen zu erhalten, zu schützen und zu pflegen. Der Erhalt eines Denkmals ist unzumutbar und die Genehmigung zum Abbruch wäre zu erteilen, wenn die Kosten der Erhaltung und Bewirtschaftung des Denkmals dauerhaft nicht durch die Erträge oder den Gebrauchswert aufgewogen werden. Eine Unzumutbarkeit ist der unteren Denkmalsschutzbehörde durch den Eigentümer anhand einer Wirtschaftlichkeitsberechnung nachzuweisen. Dabei wird in jedem Fall das Gesamtgrundstück betrachtet werden. Bisher liegt der unteren Denkmalschutzbehörde zum alten Speicher kein Antrag vor. Sollte ein Antrag eingehen, wird er umfassend geprüft.

Kreis würde Erhalt des Speichers begrüßen

Pressesprecherin Constanze Gatzke: „Der Landkreis Oberhavel würde es sehr begrüßen, wenn der alte Speicher als stadtprägendes Bauwerk dauerhaft erhalten bleibt. Dass Oberhavel der Erhalt von Denkmalen sehr wichtig ist, sieht man auch daran, dass der Kreistag erst am 13. März 2019 eine Richtlinie zur Förderung des Denkmalschutzes erlassen hat, um wichtige Bestandteile der Baukultur und der Kulturlandschaft unseres Landkreises zu schützen und zu bewahren.“

Piraten gegen einen Abriss

Die Ortsgruppe Oranienburg der Piratenpartei spricht sich klar gegen derartige Pläne aus. „Bei dem historischen Gebäude handelt es sich um ein unbedingt erhaltenswertes Wahrzeichen unserer Stadt“, so Thomas Ney, Regionalvorsitzender der Piraten und Kandidat zur Stadtverordnetenversammlung. Die Piratenpartei werde daher alle Initiativen zum Erhalt des Gebäudes unterstützen und sich an entsprechenden Protesten beteiligen. Zudem forderte die Piratenpartei die Stadt auf, alle rechtlichen Optionen bis hin zu einer Rücknahme der Baugenehmigungen zu prüfen. Auch die zuständige Denkmalschutzbehörde werde aufgefordert, einen Abriss des Gebäudes unter Zuhilfenahme aller juristischen Möglichkeiten zu verhindern. „Der Investor wusste, worauf er sich einließ, als er das Grundstück in bester Lage erwarb. Nun erwarten wir, dass er auch zu seinen Zusagen steht“, so Ney weiter.

Menschenkette nicht ausgeschlossen

Derweil gibt es die Ankündigung von Seiten der Oranienburger Sozialdemokraten, „dass beide Seiten miteinander reden müssten, um eine Lösung herbeizuschaffen. Das wird länger als drei Tage dauern“, sagte SPD-Fraktionschef Dirk Blettermann. Und symbolisch kündigte er schon mal eine Menschenkette an, die sich gegen einen Abriss wenden werde.

Von Stefan Blumberg

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