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Oranienburg Rasen sprengen verboten – das sagen Betroffene
Lokales Oberhavel Oranienburg Rasen sprengen verboten – das sagen Betroffene
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01:17 30.06.2019
Sprengen mit Trinkwasser ist in vier Oranienburger Ortsteilen in der Zeit von 7 bis 21 Uhr untersagt. Quelle: Bert Wittke
Zehlendorf

Das Sprengverbot, das der Niederbarnimer Wasser- und Abwasserzweckverband (NWA) für Basdorf, Wandlitz, Stolzenhagen, Schmachtenhagen, Wensickendorf, Zehlendorf und Zühlsdorf erlassen hat, ist in den Oberhavel-Ortsteilen mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Gerd Riemer findet es im Prinzip ganz okay, dass mit Trinkwasser von 7 bis 21 Uhr nicht gesprengt werden soll. Wenn sich jeder daran halten würde. Das bezweifelt der Zehlendorfer jedoch. So brauche man zum Beispiel zwischen 19 und 21 Uhr nicht unter die Dusche zu gehen, weil man dann in der Regel auf dem Trockenen sitze.

Gerd Riemer aus Zehlendorf nutzt zum Bewässern seiner vielen Rosenstöcke Wasser aus einer Zisterne auf dem eigenen Grundstück. Quelle: Bert Wittke

Der 55-Jährige selbst wässerte am Donnerstagvormittag seine Rosenstöcke. Davon hat er immerhin 180 Stück, weil der Urgroßvater früher Rosenzüchter war und weshalb sein Elternhaus in der Rosengasse steht. Allerdings nutzt Gerd Riemer dazu ein eigenes, vier Kubikmeter fassendes Auffangbecken, in dem er das Regenwasser von mehreren Dächern sammelt. „Die Rosen brauchen nicht so viel Wasser, weil sie tiefe Wurzeln haben“, sagt Gerd Riemer. Einmal pro Woche sei völlig ausreichend. Was er ebenfalls mit seinem Wasser versorgt, sind die Straßenbäume. „Wenn die Leute aufgefordert werden, Wasser zu sparen, könnte die Stadt wenigstens diese Bäume ab und zu mal wässern“, sagt der Zehlendorfer.

Mehr Informationen zum Verbot gewünscht

Ahmet Öztemel würde es begrüßen, wenn der NWA erklärt hätte, warum sich ausgerechnet die genannten Ortsteile bei der Trinkwasserentnahme einschränken sollen. Für ihn bedeute die Versorgung mit ausreichend Trinkwasser ein Stück Lebensstandard, für den er schließlich neben dem Verbrauch auch eine Grundgebühr entrichte. Dafür erwarte er eine entsprechende Leistung und zwar ohne Einschränkung. Auch Ines Hahn hätte sich mehr Informationen seitens des NWA gewünscht. In der Frauensportgruppe, der die Zehlendorferin angehört, haben man am Mittwoch zum Beispiel den ganzen Abend gerätselt, ob die Nutzung eigener Brunnen weiterhin uneingeschränkt möglich ist. Zu einem Ergebnis sei man nicht gekommen. „Warum erklärt uns niemand, woran der Druckverlust liegt und warum sich diesbezüglich keine Abhilfe schaffen lässt“, fragt Ines Hahn.

Trinkwasserverbrauch drei Mal so hoch wie sonst

„Die Probleme resultieren aus der Netzstruktur“, sagt Matthias Kunde. Die genannten Ortsteile, so der Verbandsvorsteher des NWA, lägen am westlichen Ende der Ringleitung und damit am weitesten vom Einspeisepunkt, dem Wasserwerk in Prenden, entfernt. Daraus resultiere der große Druckverlust. Während sonst täglich etwa rund 3000 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag benötigt werden, liege der Verbrauch gegenwärtig bei rund 9000 Kubikmeter, also drei mal so hoch. Um alle Ortsteile gleichermaßen gut versorgen zu können, müssten etwa zwei Drittel des Trinkwassernetzes, also etwa 200 Kilometer Leitung, neu dimensioniert werden. Das würde Investitionen von 20 bis 30 Millionen Euro bedeuten. Das sei nicht machbar.

NWA plant Druckerhöhung

Dennoch kündigte der Verbandsvorsteher an, dass sich ab dem nächsten Jahr die Lage verbessern werde. Dies soll durch eine Druckerhöhung im Bereich des Stolzenhagener Sees erreicht werden. Dahinter steckt der Bau eines Vorratskessels, aus dem bei Bedarf Trinkwasser ins Netz gepumpt werden könne. Aus energetischer Sicht nicht unbedingt wirtschaftlich, aber zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung durchaus geeignet.

Auch Roland Heigel aus Wensickendorf nutzt zum Bewässern seines Gartens Wasser aus einer Zisterne auf dem Grundstück. Quelle: Bert Wittke

Auch Roland Heigel aus Wensickendorf war am Donnerstag mit dem Wasserschlauch in seinem Garten unterwegs. „Den Golfrasen würde ich dieser Tage nicht gerade wässern“, sagte er, wohl aber Nutzpflanzen und Bäume, um Verluste zu vermeiden. Auch er bezieht das Wasser aus einer Zisterne auf dem eigenen Grundstück, die mit Regenwasser gefüllt ist. Als er damals baute, so Roland Heigel, habe er eine Regenrückgewinnung angestrebt, mit deren Hilfe zum Beispiel die Toilettenspülung hätte funktionieren können. Dies sei jedoch unter Verweis auf den Anschlusszwang abgelehnt worden. Inzwischen, so der Wensickendorfer, sei es jedoch aufgrund des Klimawandels geboten, über derartige Alternativen ernsthaft nachzudenken.

Von Bert Wittke

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