Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oranienburg Stehen Wildtierrettung und Gnadenhof in Wensickendorf vor dem Aus?
Lokales Oberhavel Oranienburg Stehen Wildtierrettung und Gnadenhof in Wensickendorf vor dem Aus?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:56 18.02.2019
Unter anderem die Nutzung von Volieren und eingezäunten Gehegen untersagt der Landkreis auf dem Gelände in Wensickendorf. Quelle: Enrico Kugler
Wensickendorf

Paukenschlag für den Gnadenhof & Wildtierrettung Notkleintiere e.V.: Wie der Landkreis Oberhavel am Montagnachmittag kurz nach 16 Uhr per Pressemitteilung informierte, wird dem gemeinnützigen Verein die Nutzung verschiedener baulicher Anlagen auf seinem Grundstück im Oranienburger Ortsteil Wensickendorf untersagt. Konkret betroffen sind von der Anweisung der unteren Bauaufsichtsbehörde „alle Volieren, eingezäunte Gehege und Nebengebäude, ein neues Holzgebäude sowie ein Folienzelt“, da für diese keine Baugenehmigungen vorliegen würden. Vor einigen Monaten hatte es bereits Probleme mit einem Ersatzbau eines baufälligen Zaunes gegeben, das Bauordnungsamt hatte eine Baugenehmigung rigoros abgelehnt.

Private Pflegestelle auf dem Gelände in Wensickendorf

Der 39-jährige Steven Giese war vor fünf Jahren mit seiner Frau nach Wensickendorf auf das Gelände gezogen und gibt seitdem dort als private Pflegestelle für den Verein alten und kranken Tieren ein Zuhause, päppelt Wildtiere in Not wieder auf.

Eine Lösung im Sinne der Tiere gesucht

Ruth Schnitzler, Mitglied des Vereins, reagierte fassungslos auf die Reaktion des Landkreises. „Wir hatten das Schreiben mit der Nutzungsuntersagung am Sonnabend in der Post“, berichtet sie. „Wir müssen nun in alle Richtungen agieren, werden auf jeden Fall Widerspruch einlegen.“ Gleichzeitig appelliert sie an Landkreis und Stadt, eine Lösung vor allem im Sinne der Tiere zu finden. „Hinter jedem Tier steckt auch ein Mensch, ein Bürger. Die Leute wenden sich an uns, weil sie keine andere Anlaufstelle finden. Müssen wir die Leute, die Tieren in Not helfen wollen, zukünftig alleinlassen und an Veterinäramt oder Stadt weiterverweisen? Soll die Stadt dann gucken, wie sie selbst klarkommt?“, gibt sie zu bedenken.

Bleibt die Kuh auf dem Eis?

Erbost über den Schritt des Landkreises reagierte auch der Vorsitzende der Oranienburger SPD-Stadtverordnetenfraktion, Dirk Blettermann: „Seit mehreren Wochen sind wir mit allen Beteiligten im Gespräch. Oranienburgs Bürgermeister und Baustadtrat haben sich bereits positiv in der Sache geäußert, das wurde dem Landkreis auch mitgeteilt. Alle Seiten schienen bislang darum bemüht, die Kuh gemeinsam vom Eis zu kriegen. Umso unverständlicher ist nun das Agieren des Landkreises, dem Verein die Nutzung seiner Anlagen öffentlich zu untersagen“.

Gesprächstermin mit Fachbereitsleiter des Bauordnungsamt steht vor der Tür

Am Dienstag sei in Oranienburg ein Termin mit dem Bauordnungs-Fachbereichsleiter des Landkreises, Oliver Grützmacher, angesetzt. „Der steht schon länger fest und ist auch nicht der erste“, weiß Dirk Blettermann. Umso größer sein Unverständnis über den „nicht nachvollziehbaren Schritt des Landkreises am Tag vor solch einer Gesprächsrunde. Das ist an Kaltherzigkeit und Frechheit kaum zu überbieten.“ Offenbar gehe es dem Landkreis noch während der Lösungssuche bereits um die Schaffung von Tatsachen. „Das ist ein Politikum. Wir werden dementsprechend scharf reagieren“, kündigte er an.

Existenzbedrohende Situation für die Tierretter

„Für unseren Verein ist die Situation existenzbedrohend“, warnt indes Ruth Schnitzler. Sie gibt zu bedenken: „Rund um unser Gelände in Wensickendorf wurde in den vergangenen Jahren gebaut ohne Ende. Und nun pickt man sich einen gemeinnützigen Verein heraus, um ihm die Nutzung baulicher Anlagen zu untersagen, mit denen Tieren in Not geholfen wird?“ Fassungslos ist die rührige Tierschützerin zudem über den Tenor des Landkreis-Schreibens. „Da stehen Dinge drin, die nicht in Ordnung sind. Uns ist klar, dass wir uns in einem sogenannten Außenbereich befinden, in dem nicht einfach gebaut werden darf. Das haben wir auch nicht so einfach“, berichtet sie. Schwer trifft sie zudem der Vorwurf, dass „wir schlechte Vorbilder seien“. Der Landkreis erklärt in seiner Pressemitteilung dazu: „Von illegal genutzten baulichen Anlagen geht eine nicht unerhebliche negative Vorbildwirkung aus. Andere Bauherren könnten angeregt oder bestärkt werden, ebenso die Vorschriften des Baurechts zu missachten. Gesetzestreue Bauherrn, Eigentümer, Mieter und Nutzer müssen gleichgestellt werden.“

Sechsmonatige Frist für Nutzungsende der Anlagen

Um eine für die baulichen Anlagen erforderliche Baugenehmigung zu erlangen, bedürfe es der Aufstellung eines Bebauungsplan durch die Stadt Oranienburg, erklärt der Landkreis. Ob der Verein ein dazu notwendiges Verfahren angestoßen habe, sei dem Landkreis nicht bekannt. Man gebe den Tierrettern jedoch nun eine „großzügig bemessene Frist“ von insgesamt sechs Monaten, um die Nutzung von Volieren, Gehegen und Co. zu beenden. Ruth Schnitzler hofft, dass vorher eine Lösung gefunden wird. Denn „wenn wir uns nicht um die Tiere kümmern, wer tut es denn dann?“

Von Nadine Bieneck

Die Polizei hat den Hergang des schweren Verkehrsunfalls auf der Germendorfer Allee am Sonntagvormittag rekonstruiert. Offenbar war der 32-jährige Motorradfahrer mit erhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen, als er nach einem Überholvorgang die Kontrolle über seine Maschine verlor.

18.02.2019

Germendorfs Freiwillige Feuerwehr zog bei ihrer Jahreshauptversammlung am Sonnabend Bilanz für das Jahr 2018. Dabei gab es viel Lob und Wertschätzung für alle aktiven und engagierten Mitglieder, aber auch klare Worte in Richtung Politik.

17.02.2019
Hohen Neuendorf Polizeibericht Oberhavel vom 17. Februar 2019 - Polizeiüberblick: Berauschte und betrunkene Autofahrer

Auf der B96 kommt ein Sattelzug von der Fahrbahn ab, Drogenkontrolle bei einem Autofahrer in Zehlendorf und ein Auffahrunfall bei Borgsdorf – diese und weitere Meldungen der Polizei Oberhavel lesen Sie im Polizeibericht vom 17. Februar.

17.02.2019