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Oranienburg Tempo 30 in der Kreuzallee: Von Bürgern gewollt, von Ämtern abgelehnt
Lokales Oberhavel Oranienburg Tempo 30 in der Kreuzallee: Von Bürgern gewollt, von Ämtern abgelehnt
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18:00 11.07.2019
Die Kreuzallee im Oranienburger Ortsteil Friedrichsthal. Quelle: Stefan Blumberg
Friedrichsthal

Ursula Weidemann hatte wenigstens eine Minimalforderung: Aus der Kreuzallee in Friedrichsthal eine Tempo-30-Zone machen. Der Wind wurde ihr aus den Segeln genommen. Von der Stadt, die sagt, der Landkreis sei zuständig. Und vom Landkreis, der an die Stadt verweist. „Sie spielen sich die Bälle gegenseitig zu“, sagt Ursula Weidemann, die direkt an der Kreuzallee – und vermutlich an der gefährlichsten Stelle hinter einer Kurve – wohnt.

Seit zwei Jahren wohnt sie an der schmalen und ramponierten Straße, deren Zustand sich auch im nachfolgenden Dameswalder Weg und Nassenheider Weg nicht bessert: wellige Fahrbahn, Schlaglöcher, ausgefahrene Seitenstreifen, kein Fuß- und Radweg. Die Straße ist beidseitig befahrbar. „Beim Begegnungsverkehr muss man zwangsläufig runter von der Straße auf den unbefestigten Randstreifen“, beschreibt die 68-Jährige die Situation. Autos, Lastkraftwagen und Schwertransporter, die Kies, Hausteile, Bäume oder Fäkalien geladen hätten, würden permanent auf der Strecke Richtung Dameswalde oder Neu-Friedrichsthal sein. Erlaubt seien in dem Bereich Tempo 50.

Vor allem Kinder und ältere Menschen in Gefahr

Ursula Weidemann wollte mit ihrem Antrag nicht nur auf die Gefahr für Fußgänger und Radfahrer hinweisen, sondern diese Gefahr auch minimieren. Bei einer Unterschriftensammlung Anfang dieses Jahres hatte sie binnen weniger Tage 120 Unterschriften zusammen. Sie alle plädieren für Tempo 30 in dem Bereich. Kinder würden die Straße täglich benutzen, um zur Schule zu kommen, ältere Menschen fahren zum Friedhof oder zu Freunden. „Ich habe zwei Kinder. Sie kann ich dort doch gar nicht alleine langfahren lassen“, sagt ein Anwohner der Kreuzallee, der seinen Namen nicht sagen möchte. „Die Fahrzeuge brettern dort entlang, obwohl manche Passagen nur schwer einzusehen sind. Radfahrer werden in die Randstreifen-Löcher gezwungen.“

Seit mehr als einem Jahr versucht Ursula Weidemann, für die Kreuzallee, Dameswalder Weg und Nassenheider Weg eine Änderung der Straßennutzungs-Situation zu erwirken. Im Frühjahr 2019 habe es – wie schon im Sommer 2018 – eine Begehung durch den Ortsbeirat, den Tiefbauamtsleiter der Stadt, Stefan Gebhard, und Mitarbeiterinnen des Kreises gegeben. Den anwesenden Anwohnern wurde untersagt, an der Begehung und der anschließenden Besprechung teilzunehmen. Lediglich der schriftliche Antragsteller wurde zugelassen. Bei der Gelegenheit wurden dem Kreis und der Stadt die Unterschriftenlisten übergeben.

Kreis lehnt Geschwindigkeitslimit ab

Der Kreis lehnte eine Reduzierung der Geschwindigkeit ab. Die Polizei hatte bestätigt, dass es dort keinen Unfallschwerpunkt gebe, gelasert wurde auch. Die Fahrzeugführer müssten umsichtig und vernünftig fahren. Der Streckenverlauf sei als übersichtlich und einsehbar, die Verkehrsbelastung als gering einzuschätzen. „Es liegen keine zwingenden Gründe vor“, schrieb Mandy Gruschinske vom Landkreis in ihrer Antwort an Ursula Weidemann. Die Stadt sieht das genauso. Pressesprecherin Eike-Kristin Fehlauer: „Das Maßnahmenkonzept des Verkehrsentwicklungsplans, das die Stadtverordnetenversammlung im Mai 2017 beschlossen hat, enthält unter anderem Vorschläge für die Ausweisung von Tempo 30 im Hauptverkehrsstraßennetz der Stadt. Da die Kreuzallee nicht zu den ausgewählten Straßen gehört, besteht für die Verwaltung kein Handlungsauftrag, bei der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises diesbezüglich tätig zu werden.“ Und Tempo 30 zum Schutz der Straße anzuordnen, komme nicht in Betracht, da hierzu die Voraussetzung fehlt. Die Straße sei nicht in einem so schlechten Zustand.

Der Ortsbeirat indes habe laut Ursula Weidemann auch Interesse, die Situation zu entschärfen und will Schilder mit „Achtung Kinder“ aufstellen lassen. Ortsvorsteher Jens Pamperin: „Ja, die Schilder sind schon da. Wir müssen sie nur noch aufstellen.“

Anwohner wünschen sich langfristige Planung und Sanierung von Straße und Brücke

Auch wenn von Amts wegen nichts für eine Reduzierung der Geschwindigkeit spricht: Eine Tempo-30-Zone wäre laut der Anwohner nur eine schnelle Entschärfung der Situation. Genauso die Idee, einen abgegrenzten Radweg neben der Straße einzurichten. Eigentlich aber müsse das Grundproblem angepackt werden, hieß es von Seiten der Bürger: Sanierung der Straße. Dass für die Kreuzallee jährlich Mittel für die Instandhaltung eingestellt würden, tröste die Anwohner nicht. Asphalt, Schotter, Recyclingmaterial, Spritzasphalt würde alles nichts bringen, wie die Vergangenheit zeigte. Das sei alles Flickwerk und verschwendetes Geld. Die Frage sei: „Wie kann die Kreuzallee samt der Brücke über die Havel langfristig geplant und saniert werden?“, so Ursula Weidemann. Vorerst gar nicht: Ein Ausbau der Kreuzallee ist im aktuellen Straßenbauprogramm nicht eingeplant. Dieses soll auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung jedoch fortgeschrieben werden, so dass der Straßenzug möglicherweise Eingang in die Prioritätenliste findet, so Eike-Kristin Fehlauer. Anders sieht es bei der Brücke aus. Die sei aus Sicht der Stadt sanierungsbedürftig. Aus diesem Grund wären bereits Planungsleistungen beauftragt worden, die die Entwurfsplanung umfassten. Beginn der Sanierung könnte 2020 sein, es sind jedoch noch naturschutzrechtliche Abstimmungen zu führen.

Von Stefan Blumberg

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