Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oranienburg Leuchtende Augen sind für Monika Schubert der größte Dank
Lokales Oberhavel Oranienburg Leuchtende Augen sind für Monika Schubert der größte Dank
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
19:58 16.07.2019
Monika Schuberts Terminkalender ist an jedem Tag voll. Quelle: Matthias Busse
Anzeige
Oranienburg

Monika Schubert ist vieles. Patientenbegleiterin, Sozialberaterin oder Kämpferin für Behinderten-Rechte. Außerdem ist sie im SPD-Ortsverein von Leegebruch, wo sie bis zu ihrem Umzug nach Oranienburg Anfang 2019 wohnte. Dabei ist die 67-Jährige seit 50 Jahren durch einen Motorradunfall selbst sehbehindert, daher auf Blindenstock und Lesegerät angewiesen. „Daher kann ich mich in kranke Menschen hineinversetzen“, begründet sie ihr Engagement.

Begonnen hat sie als ehrenamtliche Betreuerin eines Dachdeckermeisters, der nach einem Unfall schwerbehindert ist. „Dem haben die Ämter übel mitgespielt. Da bin ich mit seiner Vollmacht nicht weitergekommen“, begründet sie, warum sie sich für die Aufgabe, die früher „Vormund“ hieß, gerichtlich bestellen ließ. Einmal pro Woche besucht sie ihn nachmittags in Bötzow. „Es läuft jetzt. Er hat endlich sein Hartz IV und eine Pflegestufe“, erzählt Monika Schubert.

Anzeige

Hinzu kam eine Dame aus Hennigsdorf, für die sie einmal wöchentlich vorwiegend als Gesprächspartnerin zur Verfügung steht. Alles andere wäre schwierig. „Sie möchte nicht ausgehen und ist so rechthaberisch“, beschreibt sie inzwischen unverkennbare Demenzsymptome. Bei der Alzheimergesellschaft habe sie für diese Aufgabe eine Grundausbildung und zahlreiche Fortbildungen absolviert.

Monika Schuberts Terminkalender ist immer voll: auch als Grüne Dame im Krankenhaus Hennigsdorf. Quelle: Matthias Busse

Nach dem Tod ihres Mannes und einer schiefgegangenen Knieoperation konnte sie seit 2010 nicht mehr als selbstständige Reiseverlagsvertreterin arbeiten und suchte nach einer neuen Herausforderung. Von 2012 an besuchte sie drei Jahre lang einen bettlägerigen Senior. „Ihm habe ich wieder Tschüss und Guten Tag beigebracht“, erinnert sie sich an ihr erstes Erfolgserlebnis dabei. „Wenn die Augen des Klienten leuchten, dann ist das besser als ein Dankeschön.“ Beim Märkischen Sozialverein mit Sitz in Oranienburg kümmert sie sich seitdem um Demenzkranke.

Dass Monika Schubert als Baby ausgesetzt wurde und in Leegebruch bei Pflegeeltern unter schwierigen Bedingungen groß geworden ist, spielte sicherlich bei der Wahl ihrer sozialen Aufgabe eine Rolle. Ein Kreuzanhänger um ihren Hals erinnert an diese prägende Zeit. „ Am 1. Mai, wenn alle anderen gefeiert haben, musste ich grundsätzlich den Mist aus den Ställen zum Sommergrundstück bringen“, erzählt sie. „Ich hatte jämmerlichen Durst und habe Pfarrer Göbel vor der Kirche nach einem Glas Wasser gefragt.“ So kam sie zum Glauben und machte heimlich beim Konfirmanden-Unterricht mit.

Monika Schuberts hilft bei Formularen wie hier für Ramona Spars. Quelle: Matthias Busse

Dass sie nie in der DDR-Jugendorganisation FDJ gewesen sei, wäre nie aufgefallen. „Das ist erst rausgekommen, als ich konfirmiert wurde. Das Kleid dazu musste ich mir von fremden Leuten borgen.“ Punkt Null Uhr ihres 18. Geburtstages sei sie weggelaufen und in Hennigsdorf bei einer Freundin untergekommen. Sie machte dort ihren Abschluss als Köchin und arbeitete im Service vom LEW-Klubhaus des Lokomotivbauers. „Restaurantfachfrau durfte ich nicht werden, da ich nicht in der Partei war.“

Privat war sie schon damals pragmatisch, wenn es um Hilfe für andere ging. Als der Älteste ihrer drei Söhne einen Freund mitbrachte, der mit seinem Pflegevater nicht klarkam, regelte sie es, dass er bei ihnen bleiben konnte. Als dann ein weiterer Klassenkamerad hungrig und verdreckt bei ihr zu Hause saß, durfte er ebenfalls bei ihnen einziehen.

Nein sagen konnte sie auch nicht zum Besuchsdienst, den Grünen Damen und Herren, als sie vor sieben Jahren selbst im Krankenhaus in Oranienburg lag. „Da kam eine Dame und sagte, ich soll mir das mal angucken“, erinnert sie sich, „beim Angucken blieb es nicht, es hat mir gleich Spaß gemacht.“ Nun weist sie Donnerstagvormittags im Krankenhaus in Hennigsdorf neuen Patienten den Weg oder spricht Angehörigen von Patienten in der Rettungswache Mut zu. Mittwochs liest sie Patienten der Palliativ-Station vor oder erledigt für sie kleinere Besorgungen. „Ich bin die Einzige, die von unseren 45 Aktiven die 1,5-jährige Ausbildung zum Palliativ-Begleiter gemacht hat“, merkt sie an.

„So sieht das aus, ich habe keine Tage an dem nichts ist“, bekräftigt sie und schlägt zum Beweis ihren vollen Kalender auf. Darunter sind Termine mit dem SPD-Ortsverein Leegebruch, wo sie stellvertretende Vorsitzende ist. Oder mit der Arbeitsgemeinschaft „Selbstaktiv“ ihrer Partei, die für Belange von Behinderten eintritt. Auch dort findet sie: „Für andere eintreten, das macht Spaß.“ Meist ist sie auf ihren Wegen auf öffentliche Verkehrsmittel und inzwischen auf einen Rollator angewiesen. Daher wollte sie eigentlich keine neuen Aufgaben mehr übernehmen.

Doch dann sah sie als Grüne Dame den Herrn, dem ein Bein amputiert wurde. „Dem legte der Sozialdienst einen Packen Anträge auf sein Bett, die er sich ansehen und nach seiner Entlassung abschicken sollte“, regt sie sich über so wenig Hilfe auf. „Das ist eine so traurige Geschichte.“ Er komme mit den Ämtern nicht klar. Wie auch, wenn er seine Wohnung in Liebenwalde über eine steile Stiege nicht mehr verlassen könne? Monika Schubert beantragte Behindertenausweis, Pflegegrad, kämpfte um E-Rolli und eine Prothese. „Es gibt nur Hudeleien.“ Durch ihr Wirken hat er Aussicht auf eine barrierefreie Wohnung in Hennigsdorf. Inzwischen betreut Monika Schubert ihn offiziell ehrenamtlich. Das Kürzertreten muss wohl noch warten.

Von Matthias Busse

Der neue „Median Imbiss“ mit vietnamesischen Spezialitäten an der Germendorfer Allee 6a lädt ein. Gäste beteuern, dass das Essen schmeckt. Auch die MAZ hat es getestet.

16.07.2019

Der „Simson-Club Zweitaktkombinat Oberhavel“ ist an einem Wochenende von Oranienburg nach Usedom und zurück getourt. Dabei waren auch Spritztouren nach Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck und nach Swinemünde angesagt.

16.07.2019

Gehölze veredeln und den eigenen Garten für die Umwelt optimieren – wer sich in diesen Bereichen weiterbilden möchte, ist bei der Kreisvolkshochschule in Oranienburg richtig. Denn die hat in ihren Kursen an den kommenden beiden Sonnabenden noch freie Restplätze zu vergeben.

16.07.2019