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Oranienburg Viola Knerndel: „Mir ist es egal, woher jemand kommt, wie alt er ist oder welche Religion er hat“
Lokales Oberhavel Oranienburg Viola Knerndel: „Mir ist es egal, woher jemand kommt, wie alt er ist oder welche Religion er hat“
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19:43 03.10.2019
Auf dem Stadtempfang in Oranienburg erhielt Viola Knerndl das Bundesverdienstkreuz für Viola Knerndel. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Als Viola Knerndel am Mittwochabend beim Oranienburger Stadtempfang die Treppe zur Bühne bestieg, wurde sie vom Applaus der Gäste die Stufen hochgetragen. Viola Knerndel erhielt beim Empfang in der Orangerie den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Es war der Höhepunkt des Abends.

Emotionale Worte der Preisträgerin

Überwältigt nahm Viola Knerndel die Ehrung aus den Händen von Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) an. „Ich stehe hier für alle Randgruppen, denen ich helfe“, sagte sie noch auf der Bühne. „Mir ist es egal, woher jemand kommt, wie alt er ist oder welche Religion er hat. Wer Hilfe benötigt, bekommt sie bei mir.“ Neben ihrer kraftzehrenden Tätigkeit als Leiterin des Arbeitslosenvereins und der Tafel berät sie Menschen, die sich oft in ausweglosen Situationen befinden: Obdachlose, Flüchtlinge, Alleinerziehende, Rentner. „Viele kommen, wenn es eigentlich schon viel zu spät ist.“

Das diesjährige Motto des Stadtempfangs am Mittwochabend in Oranienburg lautet: „Anders sind wir alle“. Die Kreisstadt soll bunt bleiben und bunter werden. Ehrungen gab es für Jens Schmidt, den „Oberhavel Hospiz e.V.“ und die „Tanzgruppe der Selbsthilfegruppe der Deutschen Rheuma-Liga Oberhavel“. Höhepunkt des Abends: Viola Knerndel bekam den Bundesverdienstorden.

Der Übergabe des Bundesverdienstordens durch Alexander Laesicke stimmte sie schließlich unter der Bedingung zu, auf der Bühne beim Oranienburger Stadtempfang eben diese Worte loswerden zu können. „Das war ihr enorm wichtig“, so Alexander Laesicke.

Viola Knerndel will 2020 in Ruhestand gehen

Und Viola Knerndel nutzte die Bühne dann auch - so, wie man sie kennt - nicht für sich selbst, sondern für die Belange der Randgruppen, für die sie seit vielen Jahren kämpft. Dabei legte sie den Finger deutlich in die Wunde: Antragsbearbeitungen würden oft zu lang dauern, die Bedürftigen nur unzureichend Hilfe erlangen. „Versetzen Sie sich selbst einmal in die Lage, wenn sie von heute auf morgen ohne jegliche finanzielle Mittel dastehen“, appellierte sie vor allem an die Verantwortungsträger im Publikum. Sie erlebe tagtäglich Hoffnungslosigkeit und Situationen, die für die Betroffenen ausweglos erscheinen. Im Herbst kommenden Jahres wird Viola Knerndel in den Ruhestand gehen. Ihr größter Wunsch: „Eine unabhängige, vollfinanzierte und neutrale Beratungsstelle für alle Menschen in diesem Landkreis Oberhavel!“

Viola Knerndel und Alexander Laesicke. Quelle: ENRICO KUGLER

Alexander Laesicke war es ein besonderes Anliegen, die Auszeichnung auf dem Oranienburger Stadtempfang übergeben zu können. „Dafür muss man sich vorab die Einwilligung des Geehrten einholen und abklären, ob der die Auszeichnung überhaupt annimmt“, erklärt er. Im MAZ-Gespräch verriet Viola Knerndel, dass sie eine ganze Weile darüber nachgedacht habe, ob sie den Orden annehme.

Am Ende entschied sie sich dafür. Nicht um ihrer selbst willen, sondern um all denen in der Öffentlichkeit ein Gesicht zu geben, die sie tagtäglich unterstützt und denen sie hilft. Über die hohe Ehrung vermochte sie in den vergangenen Wochen keinerlei Worte verlieren. „Ich habe nur mit meinem Mann und meinem Sohn darüber gesprochen, sonst wusste niemand davon, nicht einmal die restliche Familie“, verriet sie. Wichtiger sei ihr stets die Arbeit, ihr Anliegen, den Menschen zu helfen, die in Notsituationen stecken und deren Situation zu verbessern.“

Für die musikalische Begleitung beim Stadtempfang sorgte der Chor der Lebenshilfe. Quelle: Enrico Kugler

Seit 1991 ist Viola Knerndel ununterbrochen für den Oranienburger Arbeitslosenservice Horizont e.V. – dem Trägerverein der Oranienburger Tafel – tätig. Dach des Vereins ist der Arbeitslosenverband Deutschland Brandenburg e.V.. Mehr als 3000 bedürftige Menschen, mehr als 1600 Haushalte in und um Oranienburg würden im Monat durch den Verein versorgt, berichtete der Bürgermeister am Abend.

Viola Knerndel musste auch Rückschläge und Attacken einstecken. Wie zum Beispiel im Jahr 2016, als mehrmals Schrauben in die Reifen der Tafel-Fahrzeuge gesteckt wurden.“ Doch sie gab nicht auf. „Ihr Einsatz für andere kostet viel Kraft und Zeit.“ Unermüdlich sei Viola Knerndel im Einsatz und biete Bedürftigen einen sicheren, schützenden Hafen. „Sie macht das trotz der vielen Momente, in denen ihr alles abverlangt wird.“

Der Chor der Lebenshilfe zeigte sich vielfältig im Repertoire. Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg ist bunt und verteidigt geradezu den Anspruch, bunt zu bleiben und immer bunter zu werden, ganz besonders in unseren Tagen“, rief Laesicke den gut 200 Gästen des jährlichen Stadtempfangs zuvor zu. Weil alle anders sind, stand in diesem Jahr die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen im Mittelpunkt des Stadtempfangs. Das diesjährige Motto war: „Anders sind wir alle“.

„Lieber Jens, ich kenne dich seit meiner Jugend. Lange war mir überhaupt nicht bewusst, dass du behindert bist, ganz im Gegenteil. Du warst mir deshalb aufgefallen, weil du schon immer sehr präsent und sehr aktiv warst.“ Mit diesen sehr persönlichen Worten begann Bürgermeister Alexander Laesicke seine Laudatio für Preisträger Jens Schmidt.

Dementsprechend gerührt zeigte sich auch Jens Schmidt selbst, der für seine aufopferungsvolle, ehrenamtliche Arbeit geehrt wurde. „Ich fand die Worte des Bürgermeisters toll und sehe es als Ansporn, genauso weiter zumachen.“ Für Jens Schmidt war die Überraschung besonders groß, da er erst vor Ort von der Auszeichnung erfuhr, „die erste in meinem Leben überhaupt“, wie er ergänzte.

Jens Schmidt (M.) zeigte sich sehr bewegt über die Rede von Bürgermeister Alexander Laesicke. Quelle: Enrico Kugler

Seit vielen Jahren ist das ambulante Hospiz Oberhavel in Oranienburg ansässig. Aktuell kümmern sich rund 90 Ehrenamtler, um eine Thematik, die viele gerne nicht zu nah an sich heran lassen würden.

Allerdings hat sich diese Wahrnehmung seit einigen Jahren verändert, wie Sabine Brackmann vom Hospiz Oberhavel bemerkt: „Vor einigen Jahren war es fast noch ein Tabuthema, sich mit dem Tod und dem Sterben auseinanderzusetzen. Nun entwickelt es sich langsam in die richtige Richtung.“ Simone Reibold vom Hospiz Oberhavel war überrascht vom Preis, hofft nun aber für die Zukunft auf mehr Präsenz für ihr Aufgabenbereich. „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung, würden uns aber wünschen, dass unsere Arbeit mehr im Fokus bleibt.“

Bürgermeister Alexander Laesicke (l.) und Stadtdezernentin Stefanie Rose (r.) überreichten den Preis ans Hospiz Oberhavel. Quelle: Enrico Kugler

„Ich weiß seit zwei Wochen von der Auszeichnung und bin sehr glücklich darüber. Wobei wir unsere Arbeit nicht über Auszeichnungen definieren“ zeigt sich Gabriele Krsek bescheiden. Mehr als 1,5 Millionen Menschen, das sind zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland, leiden unter entzündlichrheumatischen Erkrankungen.

In der Selbsthilfegruppe der Deutschen-Rheuma-Liga Oberhavel Gabriele Krsek, die selbst stark von der Krankheit betroffen ist, seit 2005 einen wöchentlichen Tanzkurs im Regine-Hildebrandt-Haus. „Ich freue mich wenn andere Menschen auch Spaß daran haben und unsere Angebote annehmen. Deshalb machen wir es“, so Gabriele Krsek.

Frank Oltersdorf (l.) und Alexander Laesicke überreichten Gabriele Krsek den Preis. Quelle: Enrico Kugler

Von Sebastian Morgner, Nadine Bieneck und Knut Hagedorn

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