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Oranienburg Sarah Kuttner: „Die Menschen in Oranienburg sind ehrlich und auf dem Boden geblieben“
Lokales Oberhavel Oranienburg Sarah Kuttner: „Die Menschen in Oranienburg sind ehrlich und auf dem Boden geblieben“
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00:22 09.03.2019
Sarah Kuttner auf der Eisenbahnbrücke der stillgelegten Strecke Sachsenhausen - Schmachtenhagen. Quelle: Sarah Kuttner/Instagram
Oranienburg

Die Fernsehmoderatorin, Autorin und Kolumnistin Sarah Kuttner hat ein neues Buch geschrieben. „Kurt“ heißt es. In dem Roman schreibt die 40-Jährige eine Geschichte, in der es um die Beziehung zwischen Lena und Kurt sowie dessen Sohn, der auch Kurt heißt, sowie beider Familien geht. Die Geschichte spielt in Oranienburg. Das Buch kommt am 13. März 2019 heraus. Vorher – am 9. März – wird Sarah Kuttner in Oranienburg erstmals aus ihrem Buch lesen. Die Lesung ist bereits ausverkauft.

„Kurt“ erscheint in den nächsten Tagen. Sie sind deshalb eine gefragte Gesprächspartnerin. Welche Frage können Sie nicht mehr hören?

Das sage ich nicht. Viele Fragen sind ja berechtigt, auch wenn ich sie schon anderen beantwortet habe. Deshalb kann ich damit leben, wenn sich Fragen wiederholen.

Warum spielt die Geschichte in Oranienburg?

Weil ich in der Nähe ein kleines Grundstück habe, ein Wochenendgrundstück, seit fünf oder sechs Jahren. Die Geschichte in meinem Buch sollte mal nicht in Berlin spielen, sondern außerhalb. Oranienburg und Umgebung ist es deshalb geworden, weil der Bezug da ist. In der Region kenne ich mich aus, die Stadt ist unprätentiös, die Menschen ehrlich und auf dem Boden geblieben – so, wie es im Buch beschrieben wird. Ich habe mir Oranienburg für das Wochenendgrundstück nicht unbedingt ausgesucht. Ich wollte nur innerhalb von einer halben Stunde von Berlin im Umland sein und nicht erst eine halbe Weltreise machen, um einen Baum zu sehen. Ich bin im Sommer die Hälfte der Zeit im Garten. Im Moment noch nicht, weil das Wasser noch nicht angeschlossen ist. Ich möchte die Eisheiligen abwarten und bereite mich dann auf eine weitere Gartensaison vor.

Haben Sie einen grünen Daumen?

Einen Internet-grünen Daumen. Also ich habe in der Schorfheide bei meiner Oma viele Sommer verbracht. Ich bin schon grundsätzlich ein Naturmädchen, ich wurde so erzogen, auch wenn ich in Berlin geboren wurde und dort aufwuchs. Aber als Erwachsener musst du dann natürlich gucken: Wie gehst du mit dem Rhododendron oder den Rosen um? Das habe ich dann alles mal so angegoogelt. Mit Hilfe des Internets kannst du ja im Grunde von allem eine grobe Ahnung haben. Ich bin nicht der perfekte Gärtner. Der Deal damals war: So, liebe Pflanzen, wer mit meiner Art der Pflege leben kann, der bleibt, wer nicht, der geht. Die Hälfte der Pflanzen lebt noch. Ein paar sind vertrocknet und wurden ersetzt. Andere sind vertrocknet und wurden nicht ersetzt. Grundsätzlich gibt es viel Liebe von mir, aber eher semiprofessionelle Liebe.

Entstanden die Beschreibungen in dem Buch durch Beobachtungen oder auch durch Interviews?

Ich brauchte für die Beschreibung der Landschaft keine Interviews zu führen. Ich fahre seit sechs Jahren durch Oberhavel, da weiß ich, wo was ist und wie ein Storch aussieht. Dazu bin ich zu oft dort unterwegs.

Das Haus in Oranienburg, welches Lena und Kurt in Ihrem Buch bewohnen, gibt’s das?

Nein. Es ist ein Produkt aus verschiedenen, tatsächlich existenten Häusern in meinem Kopf.

Sie beschreiben die nicht unbedingt einladende Bernauer Straße, das Schloss, welches dort gefühlt nicht hingehört, oder den unattraktiven Lehnitzsee. Die Oranienburger bekommen ihr Fett weg...

Das empfinde ich anders. Nur weil etwas nicht einladend ist, ist es nicht gleich hässlich. Oranienburg ist, was es ist. Nicht mehr und nicht weniger. Und das riesige Schloss wirkt einfach nur befremdlich in der kleinen Stadt. Ein tolles Gebäude in einer ansonsten eher unaufgeregten Stadt mit einer ganz normalen Bernauer Straße, wo es Netto, American Nails oder Rossmann gibt.

Im Buch verletzt sich Lena beim Reingehen in den Lehnitzsee am Fuß. Haben Sie das selbst erlebt?

Nein, das nicht, aber ich bin schon sehr pingelig, wenn ich ins Wasser gehe. Immer, wenn ich dort bin, ist es am Lehnitzsee nahezu leer. Selbst an einem Sonntag mit 38 Grad. Er hat, zumindest an dieser Stelle, einfach keinen schönen Einstieg wie zum Beispiel der Grabowsee.

Wieviel steckt von der Person Sarah Kuttner in einer der Figuren?

Ich sorge schon dafür, dass nicht so viel von mir drin ist, sonst wären die Figuren in all meinen Büchern immer gleich. Natürlich ist viel Kleinkram von mir drin, wie Musik oder Einstellungen zum Leben, auch Ideen vom Leben, aber Lena bin nicht ich. Sicherlich werden Leute, die mich sehr gut kennen, mich an vielen Stellen im Buch wiederfinden, aber all die Eigenheiten sind nicht in einer Person zu finden.

Hat die Geschichte mit Ihrer Geschichte zu tun?

Nein. Ich habe allerdings in den vergangenen Jahren einige Erfahrungen mit dem Sterben und Trauer im Allgemeinen und Trauernden im Speziellen gesammelt, das hat mich auch zu dem Buch inspiriert, aber mir persönlich ist sie nicht passiert, diese Geschichte.

Haben Sie beim Beginn des Schreibens einen Plan, was in einem Buch stehen soll?

Nur einen groben, dann schreibe ich los. Ich weiß, wie ich anfange, wie die Konflikte aussehen sollen und wo das Buch endet. Dann setze ich mich hin, fülle das Gerüst auf mit Fleisch. Es macht richtig viel Spaß, wenn man beim Schreiben mitliest und sagt: Wow, das passiert jetzt?!

Geht Ihnen das Schreiben schnell von der Feder oder ist es pure Arbeit?

Eigentlich beides. Ich mag es, wenn das Buch fertig wird und ich es nicht jahrelang mit mir herumtrage, deshalb brauche ich oft nur ein halbes Jahr. Das nehme ich mir dann aber auch und schreibe meist im Sommer, wenn es ruhiger ist. Es schreibt sich nicht von allein, aber es flutscht immer ganz gut. Wenn mir das Schreiben schwerfallen würde, hätte ich keinen Spaß daran und würde es dann lassen.

Hat der Name Kurt einen Hintergrund?

Nein. Ich mag den Namen nur sehr. Er passt auch wunderbar zu einem kleinen Kind. Meine Oma erzählte mir neulich – da war das Buch aber schon fertig –, dass mein Uropa Kurt hieß.

Wenn das Buch fertig ist, kommt in der Regel ein Lektor. Wie viel hat er zu tun, wie viel bleibt von Ihrer Fassung des Buches übrig?

So gut wie alles. Ich lektoriere mich im Grunde schon während des Schreibens selbst. Ich weiß, worauf der Lektor wert legt und worauf man selbst achten will und soll. Beim Lektorat geht es eher um Wiederholungen oder um die zarte Straffung des Textes, hier und da.

Können Sie mit Veränderungen umgehen?

Ich bin verwöhnt, weil kaum etwas geändert wird. Und mit dem bisschen bin ich einverstanden. Wenn am Ende ein anderes Buch herauskommen sollte, wäre ich sicherlich sehr empfindlich.

Die Reihe Ihrer Lesungen beginnt am 9. März in Oranienburg. Das muss Absicht gewesen sein ...

Na ja, wenn schon, denn schon, immerhin spielt die Geschichte ja in Oranienburg. In der nächsten Woche geht es in Berlin weiter. Auch Österreich und die Schweiz sind dabei. Die Orte werden nicht von mir ausgesucht, aber Oranienburg als Auftaktort habe ich schon gewollt.

Was erwartet die Leser und Zuhörer in Oranienburg?

Ich habe beschlossen, die Lesung aufzuteilen. Im ersten Teil – etwa 45 Minuten – lese ich. Nach einer Pause können im zweiten Teil Fragen gestellt werden. Die müssen nicht unbedingt mit dem Buch zu tun haben. Vielleicht bringe ich auch das neue Hundekind mit. Die erste Lesung ist immer aufregend, weil man noch nicht weiß, wie die ausgewählten Texte funktionieren, wie die Leute drauf sind. Da bin ich selbst ein bisschen aufgeregt. Die erste Lesung mag vielleicht nicht immer perfekt sein, aber dafür ist sie etwas Besonderes.

Einige Lesungen sind schon ausverkauft – macht Sie das schwindlig?

Nein, aber es freut mich natürlich irre. Das scheint ein gutes Zeichen zu sein, zumal die Leute das Buch noch nicht einmal gelesen haben können. Dann haben sie vielleicht ein bisschen Lust auf mich.

Sie waren im vorigen Jahr beim Stadtfest in Oranienburg. Wie finden Sie es, wenn Leute auf Sie zukommen und Sie ansprechen?

Ich muss nicht unbedingt angesprochen werden. Bei solchen Gelegenheiten ist man doch sehr privat. Ich bin – glaube ich – dann recht introvertiert. Es tut mir zwar auch ein bisschen leid, weil man dann ja unnahbar wirkt. Aber ich bin auch gerne mit mir alleine.

Was verbindet Sie als Berlinerin mit Brandenburg – mal abgesehen vom Gartenhäuschen?

Das war immer meine Form von Natur. Ich bin als Kind durch den Wald getigert, wir haben Pilze gesammelt und gelernt, woran man erkennt, dass Wildschweine in der Nähe waren. Meine Kindheit verbrachte ich zu großen Teilen in der Schorfheide. Die Zeit war sehr prägnant. Ich war immer dort, seit ich denken kann; an Wochenenden, in den Ferien. Es ist schon ein Stückchen Heimat. Ich mag die Natur.

Von Stefan Blumberg

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