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Oranienburg Augen entfernt, Damenbart gemalt: Wahlplakate beschädigt
Lokales Oberhavel Oranienburg Augen entfernt, Damenbart gemalt: Wahlplakate beschädigt
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18:22 08.05.2019
Unbekannte haben die Augen von Benjamin Goepel aus dem Wahlplakat geschnitten. Quelle: Sebastian Morgner
Oberhavel

„Das war schon ein Schreck, als ich mein Wahlplakat sah und mir jemand die Augen ausgeschnitten hat“, sagt Benjamin Goepel. Am SPD-Mann, der für die Stadtverordnetenversammlung kandidiert, gehen die zerstörten Plakate nicht spurlos vorbei. „Natürlich macht man sich da seine Gedanken. Wieso? Weshalb? Warum? Wie aggressiv muss derjenige sein, der so etwas macht“, fragt sich der Oranienburger.

Benjamin Goepel, der in Bahnhofsnähe den Subwayladen besitzt, hat deshalb jetzt keine schlaflosen Nächte. „Doch man wundert sich schon, warum das jemand macht. Wer einen nicht ausstehen kann.“ Der 32 Jahre alte Politiker will dem Vandalismus aber auch nicht zu viel Gewicht geben. „Das war jetzt in einer Region. In der Havelstraße. Vielleicht waren es auch Jugendliche, die Langeweile hatten.“

Wahlplakat zerissen: Gesehen vor dem Rathaus Hohen Neuendorf Quelle: ENRICO KUGLER

Dass Nicole Walter-Mundt plötzlich mit einer Brille auf der Nase und einem leichten Damenbart von einem ihrer Wahlplakate in der Koblenzer Straße in Oranienburg lächelt, hatte die Oranienburgerin, die als CDU-Mitglied um Mandate in der Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag kämpft, bis Dienstagabend noch gar nicht bemerkt. „Vielleicht steht mir eine solche Brille ja“, meinte sie lächelnd und fügte hinzu: „Ein Bart wäre natürlich nicht so schön.“ Sie hält dies für einen Kinderstreich, zumal sich eine Schule in unmittelbarer Nähe befindet.

Plötzlich mit Brille und Damenbart: Nicole Walter-Mundt Quelle: Dörte Treichel

Allerdings, so meint sie, sollten Eltern mit ihren Kindern schon darüber sprechen, dass es sich hier um Sachbeschädigung handelt. „Einige Leute denken wohl, dass die Plakate von der Partei bezahlt werden und eine Firma sie aufhängt“, so Nicole Walter-Mundt. „Dies ist jedoch ein Trugschluss. Wir bezahlen diese Werbemittel aus eigener Tasche und bringen sie auch in Eigeninitiative an.“ Eine Arbeit, die andere achten sollten, in dem sie die Plakate nicht verunstalten. Brille und Damenbart – das ist für die Christdemokratin kein Grund, die Behörden einzuschalten. Doch es seien auch ganze Gesichter aus Plakaten von Parteikollegen herausgeschnitten oder Messerschnitte auf Halshöhe gemacht worden. Dies sei natürlich bei der Polizei angezeigt worden.

Auf Plakat: Messerschnitte auf Halshöhe gab es auch schon

Die Beschädigung seines Plakates am Hohen Neuendorfer Rathaus bringt auch Kreistagskandidat Werner Lindenberg aus Birkenwerder vom BVB/Freie Wähler nicht aus der Fassung. „Kalt lässt mich das nicht. Ich frage mich schon, ob das persönlich motiviert oder blanker Vandalismus ist“, sagt der 67-Jährige. Gleichzeitig sei man dagegen „machtlos, vor solchen Beschädigungen schützen kann man sich nicht“. Nach langer Zeit in der Politik habe er inzwischen ein dickes Fell: „Da ist man ganz anderes gewohnt!“, meint er pragmatisch.

Das Thema Wahlplakate beschäftigt indes nicht nur die Kandidaten. Auch bei der Polizei „vergeht kein Tag, an dem uns nicht neu Vorfälle beschädigter Plakate gemeldet werden“, weiß Ariane Feierbach von der Polizeidirektion Nord, „und dabei beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs gerade erst“. Grundsätzlich seien querbeet alle Parteien betroffen, „niemand ist davon ausgeschlossen“, weiß die Polizeisprecherin.

Polizei geht jedem Vorfall nach

Die Polizei geht jedem einzelnen Vorfall, der ihr angezeigt werde, nach: „Es handelt sich immer um den Anfangsverdacht einer Straftat. Bei den Verursachern der Beschädigungen scheint wenig Unrechtsbewusstsein vorzuherrschen, dass diese Sachbeschädigung ein Strafdelikt ist, welches juristisch verfolgt werden kann.“ Damit dies geschehe, müssten allerdings die betroffenen Parteien oder Kandidaten einen entsprechenden Strafantrag stellen.

Von Sebastian Morgner, Bert Wittke und Nadine Bieneck

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