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Oranienburg „Wunderbarer Osten?!“ – Talkgäste kramen im Oranienwerk in Erinnerungen
Lokales Oberhavel Oranienburg „Wunderbarer Osten?!“ – Talkgäste kramen im Oranienwerk in Erinnerungen
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17:57 16.08.2019
Rund einhundert Besucher kamen zur Talkrunde „Wunderbarer Osten?!“ ins Oranienwerk. Quelle: Fotos: ENRICO KUGLER
Oranienburg

Nur wenige Plätze waren am Donnerstag (15. August) im Kultursaal des Oranienwerks bei der Talkveranstaltung „Wunderbarer Osten?! Ost-Ost-Dialog“ leer geblieben. Eingeladen hatte das „Neue Potsdamer Toleranzedikt“, das den Besuchern vier Podiumsgäste mit bewegten Biografien präsentierte. So saßen neben den Moderatoren, Potsdams ehemaligem Jann Jakobs und Heinz Kleger, emeritierter Politikprofessor, die Schauspielerin Angelika Mann, der Oranienburger Unternehmer Jürgen Peter, der ehemalige SED-Funktionär und Landtagsabgeordnete Heinz Vietze sowie Oranienburgs Altbürgermeister Hans-Joachim Laesicke auf der Bühne, um auf ihre Vergangenheit in Ost und West sowie die spannende Zeit der friedlichen Revolution vor 30 Jahren zurückzublicken.

Zahlreiche Besucher waren zu der Talkveranstaltung gekommen. Quelle: Enrico Kugler

Bereits die einführenden Worte, mit denen die Talkgäste ihren Lebensweg aufskizzierten, verdeutlichte, aus welch unterschiedlichen Lebenswelten die vier stammten. Gleichzeitig zeigten sich auch Parallelen, durch die sie miteinander verbunden sind, denn die herrschenden Verhältnisse in der DDR und der Umbruch 1989 bedeutete für sie alle tiefe Einschnitte auf ihrem Lebensweg.

Früher Abschied aus dem Traumberuf

Gespannt lauschten die Besucher den Erinnerungen der Podiumsgäste, die trotz vieler Einschränkungen im ostdeutschen Gesellschaftssystem auch nicht alles für schlecht befanden. „Ich habe viele tolle Menschen in der DDR getroffen, die auch etwas ändern wollten“, meinte Angelika Mann. „Die DDR war ein schönes Land – wir hatten die Ostsee, wir hatten Gebirge. Es war nicht alles schlecht. Ich persönlich habe einfach nur diese unglaublich schlechte Stimmung nicht mehr ertragen“, erinnerte sich die 70-Jährige, die 1985 nach West-Berlin ausgewandert war. Einen nicht minder großen Bruch erlebte Jürgen Peter, Geschäftsführer der Oranienburger TiefHoch GmbH. Sein ganzes Leben lang habe er Chirurg werden wollen, ein entsprechendes Studium abgeschlossen und in seinem Traumberuf gearbeitet. Im Zuge des gesellschaftlichen Umbruchs war 1991 dann sein Einstieg ins elterliche Tiefbauunternehmen unumgänglich, da existenzsichernd. „Es war wichtig, den zwischenzeitlich mehr als einhundert Mitarbeitern auch nach dem Umbruch eine Heimat zu geben“, erinnerte er sich an die bewegten Zeiten zurück.

Vietze: „Habe mich zu dieser Vergangenheit immer offen bekannt“

Bewegt waren die Zeiten auch für Heinz Vietze. Als SED-Funktionär habe der heute 71-Jährige die Zusammenarbeit mit der Stasi als normal empfunden. Dies führte prompt zu Nachfragen.“Ich wollte, dass die Zusammenarbeit mit den BRD-Jugendorganisationen funktionierte, Ordnung und Sicherheit gewährleistet waren, besonders hinsichtlich der Jugendaustauschreisen. Da mussten umfängliche sicherheitspolitische Aufgaben erledigt werden, zu denen ein offener Kontakt mit der Staatssicherheit gehörte“, so Vietze, der als erster Sekretär der SED-Kreisleitung in Oranienburg und Potsdam tätig war. „Ich hab mich zu dieser Vergangenheit immer offen bekannt, nie ein Geheimnis daraus gemacht.“

Die Talkgäste auf dem Podium. Quelle: Enrico Kugler

Beim Fall der Mauer in Rostock

Unterhaltsam plauderte Altbürgermeister Hans-Joachim Laesicke über seinen Lebensweg bis ins Oranienburger Rathaus, berichtete davon, dass auch seine Nicht-Parteizugehörigkeit den beruflichen Werdegang beeinflusst habe. Den 9. November habe er als Justiziar eines Unternehmens auf einer Tagung in Rostock verbracht, konnte er sich noch lebhaft erinnern. „Zum Thema der Weiterentwicklung des sozialistischen Wirtschaftsrechts – am nächsten Morgen war mir klar: das Thema hat sich jetzt erledigt. Ich habe mich sofort auf den Heimweg gemacht.“

Durch den Umbruch mehr gewonnen als verloren

So unterschiedlich die Biografien der Podiumsgäste waren – einig waren sie sich, durch den gesellschaftlichen Umbruch mehr gewonnen als verloren zu haben. Gewonnen hatte am Ende des Abends auch der Verein „Neues Potsdamer Toleranzedikt“, der die Talkrunde organisiert hatte. „Wir engagieren uns für ein friedliches Miteinander und eine selbstbewusste Bürgerschaft. Die Diskussionen über Werte wie Toleranz und Weltoffenheit gehören ins ganze Land“, erklärte dessen Schatzmeister Daniel Wetzel. „Oranienburg lag für uns als Veranstaltungsort auf der Hand. Hans-Joachim Laesicke als Unterstützer des Vereins lag sehr viel daran, die Gesprächsreihe hier her zu holen. Zudem ist unser Vereinsvorsitzender Christoph Miethke gleichzeitig Eigentümer des Oranienwerkes, in dem die Veranstaltung stattfand. Das Interesse der Besucher hat uns darin bestätigt, dass es gut und richtig war, den gelungenen Ost-Ost-Dialog hier stattfinden zu lassen.“

Von Nadine Bieneck

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