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Oranienburg „Wechselbad der Gefühle“: Azubis arbeiten im ehemaligen KZ Sachsenhausen
Lokales Oberhavel Oranienburg „Wechselbad der Gefühle“: Azubis arbeiten im ehemaligen KZ Sachsenhausen
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18:07 27.09.2019
Burak Tekinkus bearbeitete die originalen Fenster der einstigen KZ-Werkstätte. Quelle: Nadine Bieneck
Sachsenhausen

Für die angehenden Tischler, Maler und Maurer ist ihr Einsatz auf dem Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen ein Wechselbad der Gefühle. 39 Azubis aus Bremen und Hennigsdorf sind dort seit Montag und noch bis Freitag im Rahmen eines Schulprojekts im Einsatz, bringen unter anderem historische Mauern, Fensterrahmen und Tore auf Vordermann, um sie vor dem Verfall zu bewahren.

Azubis werkeln da, wo KZ-Lagerinsassen arbeiteten

„Wir arbeiten hier teils mit alten, traditionellen Handwerksmethoden, die wir im modernen Berufsalltag kaum noch nutzen. Für uns ist das unglaublich spannend“, erzählt Mattes Englisch, während der 21-Jährige die Lagermauer neben dem kleinen Lager verputzt. „Gleichzeitig setzt man sich auch damit auseinander, was damals hier passiert ist.

Die Vorstellung, dass einst die Lagerinsassen auch an dieser Mauer gearbeitet haben, arbeiten mussten, regt sehr zum Nachdenken an. Gleichzeitig ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass wir unsere Arbeit für einen guten Zweck erfüllen. Und sie ist auch wirklich nötig, wenn man sich den Zustand der Mauern anschaut.“

39 Handwerkslehrlinge aus Hennigsdorf und Bremen sind im September 2019 für eine Woche auf dem Gelände der Gedenkstätte Sachsenhausen zu Gange, um teils originale Bauten des einstigen Konzentrationslagers vor dem Verfall zu bewahren.

„Die Erfahrung weiter tragen“

Burak Tekinkus stimmt ihm zu. Der angehende Maler und Lackierer räumt selbst ein, nur „schwer Worte für das zu finden, was einem durch den Kopf geht, wenn man auf einem einstigen KZ-Gelände arbeitet“. Gleichzeitig ist er unglaublich „froh und dankbar, diese Erfahrung machen zu dürfen und sie auch weiter zu tragen, in unsere Schule, meine Familie und Freunde“.

Besonderen Eindruck hat bei dem 21-Jährigen, so wie auch bei den 38 Azubi-Kollegen, vor allem das Gespräch mit dem Zeitzeugen und KZ-Überlebenden Leon Schwarzbaum hinterlassen. „Was er erzählt hat, so etwas vergisst man nicht. Das war tief beeindruckend.“ Umso mehr schätze er die Möglichkeit, selbst dazu beitragen zu können, dringend notwendige Arbeiten an der Gedenkstätte auszuführen. „Hier arbeiten zu dürfen, das ist wirklich ehrenhaft.“

Azubi erzählt von eigener Kriegserfahrung

Ein besonderes Erlebnis ist das Projekt für Jafar Hosseini. Vor sechs Jahren als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, absolviert der 24-Jährige inzwischen sein zweites Lehrjahr als Maler. „Ich habe den Krieg erlebt, saß während meiner Flucht auch selbst im Gefängnis. Für mich kommen hier in dem ehemaligen Konzentrationslager viele Erinnerungen hoch“.

Für Jafar Hosseini ist das Schulprojekt ein ganz besonderes Projekt. Quelle: Nadine Bieneck

In Sachsenhausen zu sehen, dass Erinnerungen wach gehalten werden, auch um zu zeigen, dass man keinen Krieg mehr haben wolle, sei für ihn sehr bewegend. „Das wir einen Beitrag dazu leisten können, finde ich super. Leider gibt es viel zu wenige Leute, die solch ein Projekt organisieren. Für mich war sofort klar, dass ich dabei sein will, als ich das erste Mal davon hörte“, erinnert sich der Bremer.

Großes Interesse von Schülerinnen und Schüler

„Wir sind für den Einsatz der jungen Leute sehr dankbar. Zumal man ja sieht, dass die Arbeiten dringlich notwendig sind“, sagt Gedenkstättensprecher Horst Seferens. Regelmäßig sind angehende Handwerkslehrlinge auf dem Gedenkstättengelände unterwegs, um dort tatkräftig anzupacken. Seit 1994 besteht die Zusammenarbeit mit der Bremer Berufsschule bereits, 1998 stieß das Eduard-Maurer-Oberstufenzentrum aus Hennigsdorf dazu.

„Das Interesse der Schüler an dem Projekt ist in jedem Jahr riesig. Und das, obwohl sie einen erheblichen finanziellen Eigenbeitrag zahlen müssen“, berichtet Lehrerin Katrin Graf aus Bremen. „Ich könnte jedes Jahr mit 60 Schülern herfahren“, sagt sie. Dafür würden jedoch die Kapazitäten der genutzten Jugendherberge nicht ausreichen. Ebenso wichtig wie die baulichen Arbeiten sei der pädagogische Ansatz des Projekts, die Gedenkkultur, sagt Horst Seferens. Die 39 Projektteilnehmer dieses Jahres würden hervorragende Botschafter für das so wichtige Erinnern sein. „Das ist eine ganz tolle Truppe“, so Horst Seferens.

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Von Nadine Bieneck

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