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Oberhavel Gesicht zeigen für Fürstenberg
Lokales Oberhavel Gesicht zeigen für Fürstenberg
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08:00 27.06.2014
Am Kontorhaus (rechts) ist die B 96-Ortsdurchfahrt in Fürstenberg am schmalsten.
Am Kontorhaus (rechts) ist die B 96-Ortsdurchfahrt in Fürstenberg am schmalsten. Quelle: Enrico Kugler
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Fürstenberg

„Von 10 bis 19Uhr wird jedem die Möglichkeit gegeben, für die dringend notwendige Ortsumgehung und ein sicheres, attraktiveres Fürstenberg Gesicht zu zeigen“, sagt der Fotograf.

Gemäss dem Slogan „Fürstenberg gehört mir und nicht dem Verkehr!“ will er von jedem Protagonisten ein Porträt vor blauem Hintergrund machen und einen eigenen Slogan für Fürstenberg daruntersetzen. Von den Porträts und Stimmen wird er Plakate drucken und diese spätestens zum Wasserfest am zweiten Juliwochenende präsentieren. „Kommt in Scharen, mit Kind und Kegel, Hund und Katze, in Arbeitskleidung oder Sonntagszwirn, Spazierstock oder Luftballon. Seid dabei, zeigt Gesicht und setzt gemeinsam ein Zeichen, wie wunderbar bunt und vielseitig unsere Wasserstadt Fürstenberg ist. Informiert eure Nachbarn, Freunde und Bekannten, damit wir stark und vielseitig sind“, ruft Holger Geissler die Fürstenberger auf, bei dieser Aktion mitzumachen.
Fürs Fotografieren brauchen die „Modelle“ nicht mehr als zehn Minuten einzuplanen.

So sollen die Plakate aussehen. Quelle: Geissler

Die Bürgerinitiative (BI) „B 96 raus!“ unterstützt die Idee ihres Mitgliedes Holger Geissler. „Wir sind alle dafür“, sagt Sprecher Gerd Palm, „und finden es richtig und gut, dass unser Protest gegen die unerträgliche Verkehrsbelastung in Fürstenberg Gesichter bekommen soll.“ Er ist überzeugt davon, dass sich genügend BI-Mitglieder und auch andere Fürstenberger fotografieren lassen werden.
„Neben der Präsentation auf dem Wasserfest suchen wir dann natürlich Leute, an deren Grundstücken wir die Plakate sichtbar anbringen können“, sagt Palm. Und da es sich diesmal um professionelle Arbeiten handelt, dürfte die Akzeptanz in der Stadt auch hoch sein. Bei den zum größten Teil selbst geschriebenen Protest-Schildern der BI, die in großer Zahl entlang der Ortsdurchfahrt angebracht worden waren, hatte es Kritik gegeben. Ein Vorwurf war, dass sich Touristen möglicherweise als nicht willkommen betrachten könnten, wenn alle paar Meter „B96 raus!“ zu lesen ist. Daraufhin nahm die BI einen großen Teil der Schilder weg und konkretisierte ihre Forderung: „Touristen willkommen, Lkws raus!“

Ein jahrzehntelanger Kampf

Schon in den 30er-Jahren gab es Pläne, die Innenstadt von Fürstenberg vom Verkehr zu entlasten. Die Umgehung sollte per Brücke über die Havel, dann weiter über die Parkstraße in den westlichen Bereich der Stadt führen. Zum Bau ist es nie gekommen, weil Deutschland 1939 den Zweiten Weltkrieg begann.
Zu DDR-Zeiten war Fürstenberg rings von russischen Militärliegenschaften umgeben, sodass sich das Nachdenken über eine Umfahrung von selbst erledigte.
Nach der Wende und mit dem Abzug der Russen wurde das Thema dann eines der bestimmendsten in der Kommunalpolitik. Doch was zunächst relativ leicht aussah, war im Detail dann doch so kompliziert, dass es für Fürstenberg bis heute nicht mal eine Planung für die Umgehung gibt.
Mit der Bürgerinitiative „B 96 raus!“ gibt es eine Interessenvertretung, die sich neben Bürgermeister und Stadtverordnetenversammlung für den Bau der Umgehung in einer absehbaren Zeit einsetzt. Sie wird von Bundestags-, Landtags- und Kreistagsabgeordneten unterstützt. Außerdem existiert ein B 96-Beirat auf Landkreisebene.

Neben den Demos, die die BI monatlich organisiert, gibt es noch den B 96-Stammtisch, der für alle offen ist. Außerdem will die BI am 1. Juli eine zweite Arbeitsgruppe bilden. Deren Mitglieder sollen untersuchen, welche Auswirkungen Ortsumgehungen auf den Einzelhandel haben. In Fürstenberg haben die meisten Händler und auch einige Gastronomen ihr Geschäft beziehungsweise ihr Lokal direkt an der B 96. Manch einer befürchtet Umsatzeinbußen. „Vom Berlin-Brandenburger Handelsverband haben wir schon erfahren, dass der Umsatz der Einzelhändler maßgeblich vom Kaufverhalten der eigenen Bevölkerung abhängt“, sagt Palm. Darüber hinaus will die Arbeitsgruppe noch in Städten mit Ortsumfahrung Erkundigungen einziehen. Dazu zählt beispielsweise Müncheberg im Landkreis Märkisch-Oderland. Aber auch in der direkten Nachbarschaft zu Fürstenberg findet sich mit Neustrelitz eine Stadt, die umfahren werden kann. „Wichtig wird sein, dass mit Werbung an der Umgehung auf die Besonderheiten, die Alleinstellungsmerkmale des Orts aufmerksam gemacht wird. In Fürstenberg wäre das unter anderem die Gedenkstätte“, so Palm.

Von Anke Dworek

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