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Oberhavel Prignitz-Express: Macken an allen Ecken und Enden
Lokales Oberhavel Prignitz-Express: Macken an allen Ecken und Enden
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18:18 06.06.2018
RE-6-Triebwagen am Mittwoch in der Neuruppiner Werkstatt.
RE-6-Triebwagen am Mittwoch in der Neuruppiner Werkstatt. Quelle: Peter Geisler
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Oberhavel

Die Probleme beim Prignitz-Express nehmen kein Ende. Fahrgäste können sich inzwischen nicht mehr darauf verlassen, dass die Züge überhaupt fahren. In den vergangenen Wochen haben sich Verspätungen und Zugausfälle immer mehr gehäuft. Bahn und Verkehrsverbund (VBB) hatten schon vor Monaten Verbesserungen angekündigt. Bisher ist nichts spürbar. Allein von Freitag bis Montag sind zwölf Züge des RE 6 ganz ausgefallen oder nur auf einem Teil der Strecke gefahren. Mal musste die Strecke gesperrt werden, weil ein Zug mit kaputter Bremse stehen blieb, mal fiel die Sicherungs- und Leittechnik aus, mal haben sich Zugführer kurzfristig krank gemeldet und die Bahn konnte so schnell keinen Ersatz finden ...

Die Probleme auf dieser Strecke sind nicht neu, sie nehmen in den vergangenen Wochen aber deutlich zu. Und auch wenn die Bahn es versucht – eine Lösung wird es wohl frühestens im August oder September geben.

Ausfälle beim RE6 und der RB55. Quelle: Peter Geisler

Bernd Schniering gibt sich zerknirscht. Als Leiter der Produktion bei der DB Nordost ist er für den Einsatz der Triebwagen verantwortlich. Ihm sei bewusst, wie anstrengend die Situation für die Fahrgäste ist, sagt Schniering: „Das tut uns sehr leid. Wir können uns gar nicht oft genug dafür entschuldigen.“ Schniering und seine Kollegen in der Bahnwerkstatt in Neuruppin hatten gehofft, die Probleme in den Griff zu bekommen. Aber die technischen Schwierigkeiten sind offenbar viel größer als erwartet.

Hauptärgernis sind die Triebwagen der Baureihe 648, die die Bahn seit 2017 beim Prignitz-Express und bei der RB 55 zwischen Hennigsdorf und Kremmen einsetzt. Die neuen Triebwagen ersetzen die sogenannten GTW, die seit 1997 auf der Strecke rollten. Bei der erneuten Ausschreibung der Strecken 2016 hatte das Land auf Zügen bestanden, die mehr Sitzplätze und mehr Platz für Radfahrer haben. Das haben die neue Triebwagen – aber auch jede Menge Macken.

Bernd Schniering ist Leiter der Produktion DB Regio Nordost Quelle: Peter Geisler

Die Fahrzeuge sind 15 Jahre alt und fuhren vorher in Nordrhein-Westfalen. Ihre Lebenerwartung beträgt 30 Jahre. „Die Fahrzeuge sollten in der Blüte ihrer Jahre stehen“, sagt Schniering. Doch die Mängel häufen sich so, dass von den bestellten 14 Wagen nur ein Teil fahren kann. Allein am Mittwoch standen vier in der Werkstatt in Neuruppin. Die Ausfälle begannen schon, kurz nachdem die ersten Züge zwischen Berlin und Neuruppin fuhren. „Anfangs hatten wir gehofft, dass sich die Probleme auf bestimmte Komponenten eingrenzen lassen“, sagt Schniering. So wurden 2017 sämtliche Kühlwasserschläuche ersetzt. Doch das hat nur bedingt geholfen. Inzwischen sei klar: Die technischen Probleme ziehen sich durch alle Teile.

14 Triebwagen soll die Bahn laut Vertrag mit dem Land auf der Strecke einsetzen. Darin sind zehn Prozent Reserve eingerechnet. Für Schniering ist klar: „Zehn Prozent Reserve sind nicht ausreichend.“ Seit Monaten versucht die Bahn, einen 15. Wagen als zusätzlichen Reserve zu bekommen. Doch als nach langer Suche endlich einer in Aussicht stand, war der kaputt.

Viele Fahrgäste wünschen sich inzwischen die alten Triebwagen zurück. „Ich kann das durchaus verstehen“, räumt Bernd Schniering ein. Doch die, die jetzt fahren, sind bestellt – und sie sollen weiter fahren, bis der Vertrag 2027 endet. Immerhin verspricht die Bahn ab August oder September mehr Sicherheit. Zurzeit verhandelt das Unternehmen mit dem Land, für die RB 55 von Kremmen bis Hennigsdorf wieder alte GTW einsetzen zu dürfen.

Die beiden VT 648, die dort derzeit fahren, stünden dann für den Prignitz-Express bereit. Diese Reserve sollte ausreichen, um die häufigeren Werkstattaufenthalte der Triebwagen auszugleichen, hofft Schniering. Die Kosten für diese beiden zusätzlichen Triebwagen zahlt die Bahn, sagt er

Von Reyk Grunow

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