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Oberhavel RE6-Ausfälle: Heftige Kritik an die Bahn
Lokales Oberhavel RE6-Ausfälle: Heftige Kritik an die Bahn
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17:54 27.08.2018
Lange nicht mehr gesehen: Ein Zug rollt über den Bahnübergang auf der L 170 in Schwante. Quelle: Robert Roeske
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Oberhavel

Monatelang ständige Verspätungen und Zugausfälle; Bauarbeiten mit Streckenunterbrechung, die ohne längere Vorankündigung plötzlich um Wochen verlängert werden; ein schlecht organisierter Schienenersatzverkehr, der dafür sorgt, dass eine Region den Sommer über vom Bahnverkehr nahezu abgeschnitten ist: Ostprignitz-Ruppins Landrat Ralf Reinhardt (SPD) ist nicht mehr bereit, die Zustände beim Prignitz-Express hinzunehmen. Jetzt hat er einen Brandbrief an den Bahnvorstand geschickt und fordert schnelle Abhilfe und Entlastung für Berufspendler.

Auslöser für das Schreiben sind die neuesten Probleme auf der Strecke des RE 6. Die MAZ hatte berichtet, dass die Firmen im Bahnhof Velten dem Plan deutlich hinterherhinken. Die Strecke zwischen Kremmen und Hennigsdorf ist unterbrochen. Die Bahn hatte zugesagt, dass mit Ende der Ferien wieder Züge fahren können. Daraus ist nichts geworden.

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Bus statt Bahn: Sechs Wochen Schienenersatzverkehr für den Prignitz-Express RE6 zwischen Hennigsdorf und Kremmen Quelle: Christian Schmettow

Grund für die Verzögerungen ist laut Bahn das Wetter. Weil es im Sommer so heiß war, konnten Schienen nicht verschweißt werden. Das sei bei Temperaturen von 35 Grad Celsius oder mehr nicht erlaubt, so die Bahn. Wegen der Trockenheit und der hohen Waldbrandgefahr waren zudem Schleifarbeiten nicht möglich. Hinzu kommt, dass in den kommenden Monaten die Strecke wohl erneut unterbrochen werden muss. Dabei haben Pendler schon seit 2016 zu leiden, seit die Bahn andere Triebwagen auf der Strecke eingeführt hat.

Reinhardt empfinde das Vorgehen der Bahn „als unerträglich, unverantwortlich und inakzeptabel“, heißt es in dem Protestbrief, der unter anderem an Joachim Trettin gerichtet ist, den Konzernbeauftragten der Bahn für Ostdeutschland. Er habe Verständnis, dass die Bauarbeiten unvermeidlich sind, so der Landrat – kein Verständnis habe er für die Informationspolitik. Statt die Kunden umfassend zu informieren, was sie in Zukunft erwartet, teile die Bahn „nur in Salamitaktik“ mit, was unvermeidlich sei. „Ich erwarte Zugeständnisse an die Nutzer des RE 6 für die fortwährenden Unannehmlichkeiten“, so Reinhardt weiter.

Schienenersatzverkehr für den Prignitz-Express RE6 zwischen Hennigsdorf und Kremmen. Quelle: Christian Schmetow

Was ihn besonders ärgert: In anderen Regionen klappt es bei ähnlichen Bauarbeiten besser. Zwischen Flöha und Annaberg in Sachsen mussten die Bahnkunden an einer gesperrten Brücke nur 400 Meter um die Baustelle herum laufen und nicht stundenlange „Lebenszeit vernichtende Bustouren“ hinnehmen wie um die Baustelle in Velten. Die Bahn hat auf den Brandbrief aus dem Nachbarkreis Ostprignitz-Ruppin schnell reagiert und ein Gespräch angeboten, auch wenn ein konkreter Termin noch aussteht. Die Deutsche Bahn sei durchaus offen für Kritik, versichert Bahnsprecher Gisbert Gahler: „Nicht alles, was in anderen Regionen funktioniert, kann aber ohne Weiteres übertragen werden.“

Gegebenenfalls brauche die Bahn auch die Unterstützung der Städte, Gemeinden und Landkreise, etwa wenn es um Flächen für Behelfsbahnsteige oder für die Wendestellen der Busse geht.

Unabhängig davon soll der Zugverkehr zwischen Kremmen und Hennigsdorf ab 3. September wieder rollen. Beendet sind die Bauarbeiten im Bahnhof in Velten damit aber noch längst nicht. Wegen Lieferproblemen bei bestimmten Stahlprofilen konnte die Fahrgastbrücke vom Bahnhof zum Bahnsteig nicht fertiggebaut werden. Das soll in den nächsten Monaten nachgeholt werden. Womöglich muss 2019 die Strecke noch einmal für zehn Tage unterbrochen werden, hieß es zuletzt von der Bahn. Genau steht das aber noch nicht fest.

Von Reyk Grunow

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