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Oberhavel Selber pflanzen und ernten
Lokales Oberhavel Selber pflanzen und ernten
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18:36 05.04.2017
Nach dem Auskleiden mit Folie füllten die Kinder Holzspäne, Pferdemist und Muttererde in die Hochbeete.
Nach dem Auskleiden mit Folie füllten die Kinder Holzspäne, Pferdemist und Muttererde in die Hochbeete. Quelle: Enrico Kugler
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Schildow

Das Ganze hat System. Auf dem Hof der Europaschule am Fließ in Schildow sind gerade drei mal sieben Hochbeete aufgestellt worden. Sie sind das Herzstück eines kleinen Schulgartens. Jede der drei Reihen werden von jeweils einer Klasse ein ganzes Gartenjahr lang gepflegt. Damit kann jede dieser Pflegeklassen das Gartenjahr mit Pflanzen, Jäten und Ernten erleben. „Als Kind hatte ich auch im Schulgarten geackert. Davon zehrt man ein ganzes Leben lang“, sagt Katrin Vorpagel vom Förderverein der Schule.

Erwachsene und Kinder stellen gemeinsam die Rahmen für die Hochbeete auf. Quelle: Enrico Kugler

Dieser hatte das Projekt Schulgarten angeschoben und die entsprechenden Finanzmittel bei der Gemeinde Mühlenbecker Land beantragt. „Das hat geklappt und war unkompliziert“, freut sich Katrin Vorpagel. Sie hielt diese Investition einschließlich Bewässerungsanlage mit insgesamt 2000 Euro eher niedrig, um zu sehen, wie das Projekt läuft und“ob alle dahinterstehen“. Auch die Sachkundelehrer hatten sich einen Schulgarten gewünscht und packen nun ebenso wie die anderen Lehrer, die Horterzieher und Kinder mit an. Und damit das Ganze Hand und Fuß hat, holte Katrin Vorpagel den Verein „Ackerdemia“ aus Potsdam mit ins Boot. In der GemüseAckerdemie lernen Kinder, wo Lebensmittel herkommen, wie diese angebaut werden und wie man bewusst mit ihnen umgeht. Denn dieses Wissen gehe mehr und mehr verloren. Die Mentoren des Potsdamer Vereines schulen die Lehrer und Erzieher und bringen die Pflanzen vorbei. Wöchentlich gibt es einen News-Letter mit aktuellen Tipps zur jeweiligen Gartenzeit. Die Aufwandsentschädigung für die Mentoren – 1600 Euro – hat ebenfalls die Gemeinde Mühlenbecker Land zur Verfügung gestellt.

Die Hochbeet-Rahmen sind aus Holz-Aufsatzpaletten zusammengebaut und mit Leinölfirnis gestrichen worden. Boden und Innenwände der Hochbeete haben die Kinder am Dienstag und Mittwoch mit Kunststoffbahnen ausgekleidet. Dann füllten sie Holzspäne und Pferdemist in die Kästen. Den Mist hat Juliane Becker vom gleichnamigen Reiterhof zur Verfügung gestellt. Kinder und Erwachsene haben an den vergangenen zwei Tagen begeistert die Hochbeete vorbereitet. „Das stärkt die Gemeinschaft. Jede Klasse ist mal dran mit der Pflege, das finde ich gut“, sagt Marilyn Göldner, deren Kind die Klasse 3d der Europaschule besucht. Der große Pflanztag findet nun am Freitag, 5. Mai, statt. Dann liefert die GemüseAckerdemie die Pflanzen an.

Begeistert schippen die Kinder die Muttererde in die Karre. Quelle: Enrico Kugler

„Viele Kinder haben noch nie etwas gesät“, weiß Katrin Vorpagel aus ihrer Arbeit im Gemeinschaftsgarten „Sieben-Zwerge-Land“ in Schildow. „Manche legten einen Kürbiskern in den Pflanztopf und wussten nicht, dass auch Erde drauf muss.“ Deshalb freut sie sich, dass in den Hochbeeten des Schulgartens Kartoffeln, Rote Bete, Palmkohl, Mangold, Zwiebeln, Möhren, Radieschen, Knoblauch, Fenchel, Pastinaken und Salate wachsen werden. Ab 2018 sollen stets die drei 2. Klassen die Hochbeete pflegen, weil das gut in den Lehrplan passe.

Wenn das Projekt Schulgarten gut laufe, so Vorpagel weiter, stelle die Gemeinde weiteres Geld dafür in Aussicht. Ein Problem haben alle Beteiligten zu lösen. Wer kümmert sich um Garten und Hochbeete in der dreiwöchigen Schließzeit im Sommer? Die Bewässerungsanlage sei zwar in Betrieb, dennoch müsse sie jemand kontrollieren. „Vielleicht könnten das die Großeltern der Kinder stemmen, wenn die Familien im Sommerurlaub sind“, schlägt Katrin Vorpagel vor und hofft auf Unterstützung.

Von Marion Bergsdorf

06.04.2017
05.04.2017