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Oberhavel Sonntags ist Tierheimzeit
Lokales Oberhavel Sonntags ist Tierheimzeit
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15:13 14.12.2017
Sarah Raschstädt ist eine treue Seele des Tierschutzvereins Oberhavel. Die 20-Jährige kommt aus Zabelsdorf.
Sarah Raschstädt ist eine treue Seele des Tierschutzvereins Oberhavel. Die 20-Jährige kommt aus Zabelsdorf. Quelle: Uwe Halling
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Zabelsdorf

Wenn andere sich sonntags noch mal umdrehen oder nach einer durchtanzten Partynacht vielleicht gerade ins Bett gehen, steht Sarah Raschstädt im Tierheim Tornow auf der Matte. Ihre Schicht beginnt um 9 Uhr. Die Hunde und Katzen warten. Sarah gehört zu einer Gruppe von Ehrenamtlichen, die mindestens einmal in der Woche im Tierheim putzen und Zeit mit den Bewohnern verbringen.

Nach der Fütterung zieht die 20-Jährige mit Feger und Wischer durch die Quartiere oder mit der Harke über den Hof. Dann gibt es Streicheleinheiten für die scheuen Katzen und eine schöne Runde durch den Wald mit einem der vielen Hunde. „In meinem Freundeskreis wissen alle, dass ich sonntags schon verplant bin. Da kann nichts dazwischen kommen. Kein Geburtstag, kein Weihnachten, kein Regen, keine Sonne“, sagt sie. Verlässlichkeit ist ihr wichtig.

Sarah Raschstädt (r.) mit Schützlingen und Kolleginnen im Tierheim in Tornow. Quelle: Uwe Halling

Die 20-Jährige hat sich vor zwei Jahren gezielt ein Ehrenamt gesucht, eigentlich ein Hobby. Aber das geht bei ihr zusammen. Sie meldete sich auf einen Facebook-Aufruf. Das Tierheim suchte Helfer, vor allem für die Gassi-Runden. Tiere liebt sie ohnehin. Da lag es irgendwie nahe. „Ich wollte ja was Langfristiges und das hat gut gepasst.“ Seither kommt sie regelmäßig und unterstützt den Verein dort, wo es notwendig ist. Am vergangenen Sonntag, als der Tierschutzverein zum Weihnachtsfest geladen hatte, war sie natürlich auch da. Mit roter Zipfelmütze.

Sarah Raschstädt nimmt sich gerne Zeit für Tiere, die sonst zu kurz kommen. Und für schwierige „Patienten“, an die kaum jemand rankommt. Sowohl Hunde als auch Katzen, die erst wieder Vertrauen zum Menschen fassen müssen, liegen ihr am Herzen. Zu „Paule“ zum Beispiel hat sie ein besonderes Verhältnis. Keiner weiß, warum der Jack-Russel-Mischling beim Anblick von Zweibeinern innerlich auf Alarm schaltet. Es lässt nicht nur vermuten, dass er unschöne Erfahrungen gesammelt hat. Er ist seit zehn Jahren im Tierheim. Sarah Raschstädt hat ihn langsam an sich gewöhnt, war mit ihm an der Leine oft draußen. Mit der Nähe kam das Vertrauen. Wenn er andere sieht, knurrt er weiter vor sich hin. Wenn Sarah kommt, wedelt er inzwischen ganz leicht mit dem Schwanz. Nur anfassen und streicheln, das geht bei ihm immer noch nicht. „Er mag es nicht, wenn man ihn an Kopf oder Hals berührt. Aber so ganz kurz streicheln, das haben wir schon hinbekommen.“ Die junge Zabelsdorferin sagt von sich selbst, dass sie eher der Hundetyp sei. Aufgewachsen ist sie mit beidem, Hund und Katze. „Katzen sind eigentlich sehr selbstständig, die machen ihr eigenes Ding“, sagt sie. Wenn sie sonntags ins Tierheim geht, ist „Püppi“ immer dabei, ihre Hündin.

Gute Stimmung beim Weihnachtsfest im Tierheim. Quelle: Uwe Halling

Ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin bringt es mit sich, dass sie unter der Woche immer nach Berlin fahren muss. Inzwischen überlegt sie, ob sie auch dort für ein paar Stunden in einem Tierheim aushelfen kann. „Vielleicht geht das noch zusätzlich. In Tornow werde ich aber bleiben, die werden mich nicht mehr los“, sagt sie scherzhaft. Sie sei ohnehin der Landmensch, träumt von einem Haus und vielen Tieren. Und von einer Weiterbildung zur Ausbilderin für Therapiehunde. So könnte sie irgendwann ihr Hobby mit dem Beruf verbinden. Die Aufgabe im Tierheim, sagt Sarah Raschstädt, sei ein schöner Ausgleich zum Trubel in Berlin und den vielen Menschen, von denen sie täglich umgeben ist. „Beim Gassigehen oder auf dem Hundeplatz kann ich abschalten und zur Ruhe kommen.“ Das Schicksal des einen oder anderen Bewohners geht Sarah Raschstädt nahe, auch über die Zeit im Tierheim hinaus. „Einiges nimmt man schon mit nach Hause und macht sich dann Gedanken. Aber ich freue mich eigentlich auch, wenn die Tiere dann bei uns sind. Dann weiß ich, wir können mit ihnen arbeiten und nach einer Weile auch Fortschritte sehen. Dann weiß ich, dass es ihnen gut geht.“

Ehrenamtliche Gassigänger unterstützen das Tierheim in Tornow. (Archivbild) Quelle: Uwe Halling

Zu den intensivsten Erfahrungen in ihrem Ehrenamt gehörten die Helfertage in Polen. Gemeinsam mit einem Tierschutzverein dort werden Einsätze auf verschiedenen Höfen koordiniert. „Das kann man sich gar nicht vorstellen, wie manche Tiere dort leben. Viele sind sich selbst überlassen“, sagt Sarah. Auch dort putzt sie Zwinger, pflegt Hunde und nimmt sich Zeit. Futter lassen die Ehrenamtlichen auch da, wo es am nötigsten ist.

Ein Dankeschön hält Sarah Raschstädt zwischendurch für schön, aber nicht für existenziell. „Ich brauche das gar nicht, dass mir jemand auf die Schulter klopft und sagt, gut gemacht. Für mich ist das, was ich tue, selbstverständlich. Ich mache ja einfach das, was mir Spaß macht“, sagt sie. Für den Tierschutzverein sind Menschen wie Sarah Raschstädt Gold wert. Das sagt auch die Vorsitzende Ellen Schütze immer wieder. Der Verein lebt einerseits von Spenden und andererseits von den Helfern, die die Arbeit im Tierheim so selbstverständlich angehen wie Sarah und damit auch das Team unterstützen. Allein mit der Aufnahme und der Beherbergung der Tiere ist es nicht getan. Zeit und Zuwendung sind mit das Wichtigste, das Menschen den Tieren geben können.

Von Cindy Lüderitz

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