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Oberhavel Späte Anerkennung von Mut und Moral
Lokales Oberhavel Späte Anerkennung von Mut und Moral
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09:27 10.05.2013
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ORANIENBURG

. Die beiden Hamburger wurden in Bordeaux zum Tode verurteilt. Baumann kam ins KZ Esterwegen, danach ins Wehrmachtsgefängnis Torgau und schließlich ins KZ Sachsenhausen. „Wie durch ein Wunder überlebte er“, sagte am Mittwoch Stiftungsdirektor Günter Morsch.

Am Mittwoch kam Baumann wieder nach Sachsenhausen. An der Lagermauer wurde eine Gedenktafel enthüllt, die an die Wehrmachtsdeserteure und alle Opfer der NS-Militärjustiz erinnert. Diese Erinnerung sei doch eher ungewöhnlich, sagte Morsch. Denn die 1990 gegründete Bundesvereinigung der Opfer der NS-Militärjustiz sei noch nicht lange anerkannt. So kann die kleine braune Tafel an der Lagermauer kaum ausdrücken, welch großer Kampf um Rehabilitation ihr vorausging.

Baumann schilderte die schrecklichen Jahre der Haft und die Folter, die er erlitt, weil er Freunde nicht verraten wollte. Er sprach von den vielen, die umkamen, von seiner Verwundung im Strafbataillon und der Zeit im Lazarett und all dem Grauen, das ihn bis heute und besonders im Alter verfolge.

Doch war das Ende des Krieges für Deserteure noch lange nicht die Befreiung. „Wir wurden als Feiglinge, Kriminelle und Verräter beschimpft.“ Baumann schilderte ein schwieriges Leben der Nachkriegsjahrzehnte, in denen er zum Alkoholiker wurde. Erst der Tod seiner Frau habe ihn gezwungen, Verantwortung für sich und seine Kinder zu übernehmen. Es war zugleich der Beginn eines lange währenden Kampfes um die Aufhebung der von der nationalsozialistischen Justiz verhängten Todesurteile von Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern, unter denen sich auch viele Zeugen Jehovas befanden.

„Was kann man denn besseres tun, als den Krieg zu verraten?“, fragte Baumann, der sich als Friedensaktivist einen Namen gemacht hat. „Kriegsverrat ist eine Friedenstat“, sagte er und schlug einen Bogen in die Gegenwart. Deutschland müsse sich als reiches Land, das von niemandem bedroht werde und auch wegen seiner Vergangenheit für ein gewaltfreies Handeln einsetzen. „Was haben wir denn am Hindukusch zu verteidigen?“, fragte der 91-Jährige.

1990 gründeten 37 desertierte Wehrmachtssoldaten die Bundesvereinigung. „Wir waren fast alle gebrechlich“, erinnerte sich Baumann. „Dann begann der Kampf um unsere späte Würde.“ Doch die Gruppe scheiterte immer wieder. Eine pauschale Aufhebung der Todesurteile wurde von der Bundestagsmehrheit mehrfach abgelehnt. Es sei ein peinlicher Streit auf dem Rücken der Opfer gewesen, sagt Baumann. Erst 2002 kamen die Deserteure und deren Angehörige zu ihrem Recht. Die nun angebrachte Gedenktafel ist Ausdruck der Anerkennung. „Das ist ein bewegender Tag. Ich bin sehr froh“, sagte Baumann.

Hans-Otto Bräutigam, der Vorsitzende des Gedenkstättenfördervereins, der die Tafel durch Spenden ermöglichte, würdigte den Mut der Kriegsdienstverweigerer und Deserteure, die auch nach dem Krieg weiterhin als vorbestraft galten. Auf die Wiederherstellung ihrer menschlichen und staatsbürgerlichen Würde hätten sie lange warten müssen. Dabei hätten sie doch alle aus ethischen und moralischen Motiven gehandelt, sagte Bräutigam. (Von Klaus D. Grote)

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