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Oberhavel Störche finden schwer Nahrung
Lokales Oberhavel Störche finden schwer Nahrung
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15:35 22.08.2014
Fast flügge: Die drei stattlichen Jungstörche in Neuholland stehen kurz vorm Abflug nach Afrika. Nicht alle Storcheneltern haben ihren Nachwuchs so weit gebracht. Quelle: Roland Heigel
Oranienburg

Wer jetzt noch einen Storch sehen will, muss sich beeilen. Nur noch wenige Nachzügler kreisen um ihre Horste. Die meisten der schwarz-weißen Zugvögel befinden sich bereits auf dem Flug nach Afrika. Schon Ende Juli hätten sich die ersten Störche auf ihre weite Reise begeben, sagt Roland Heigel, Storchenbetreuer im Altkreis Oranienburg. Zum Stichtag am 20. August waren dann die meisten Horste verweist. In Schönfließ und Wensickendorf sind jetzt noch Exemplare zu beobachten.

Heigel zieht eine eher durchwachsene Bilanz für das Storchenjahr. 59 Jungstörche hat er in diesem Jahr gezählt. Das sind zehn Vögel mehr als im vergangenen Jahr, das wegen des langen Winters besonders schlecht ausfiel. 2012 gab es noch 79 Jungstörche, im Jahr davor waren es 81. Das „goldigste Jahr“ seit Beginn der regelmäßigen Betreuung 1970 sei das Jahr 1999 mit 98 Jungstörchen gewesen, so Heigel.

Roland Heigel. Quelle: Archiv

Den Nachwuchsrückgang führt der Experte auf schlechtere Nahrungsbedingungen zurück. „Die Störche müssen kämpfen, um überhaupt noch genug Futter zu finden.“ Besonders deutlich sei das in Neuholland. Dort gebe es nur noch ein Nest. „Früher waren es acht“, so Heigel.

Die Agrarpolitik und damit die Förderung des Maisanbaus zur Energieerzeugung sei katastrophal für die Vogelwelt. Gerade rund um Neuholland sei das gut zu beobachten. Der Ausbau der Spargelfelder im Beetzer Raum vergrößere die ökologisch unbrauchbare Monokultur, so Heigel. Kleinere Vogelarten wie Lerche, Kiebitz und Großer Brachvogel würden wegen fehlender Nahrungsangebote mehr und mehr verschwinden. „Die kleinen Vögel sieht man nicht. Erst wenn der Storch weg ist, bemerken es die Menschen“, sagt Heigel.

Auch in dieser Saison hatten mehrere Storchenpaare Probleme bei der Aufzucht des Nachwuchses. Es gab stellenweise nicht genug zu fressen, aber auch die Witterung machte den Eltern Probleme. Stark regen am 25. Juni führte zum Tod eines Jungstorchs in Schmachtenhagen. Die Eltern hätten Schwierigkeiten gehabt, ihr Junges trocken zu halten. Der Vogel sei dann unterkühlt gewesen. Weil der Jungstorch mit 1,7 Kilogramm Gewicht zu schwer war, um von den Eltern aus dem Nest geworfen zu werden, besorgte Heigel eine Hebebühne und befreite den Horst vom Kadaver.

In Kremmen wurden tote Jungvögel per Feuerwehrleiter aus dem Nest geborgen. Dadurch sollte die Verbreitung von Krankheitserregern verhindert werden. Auch in Schwante starben zwei Störche witterungsbedingt. Und dann war da noch das Drama von Sommerfeld. Eine Flugdrohne hatte ein brütendes Storchenpaar von seinem Nest vertrieben. Sechs Eier blieben zurück und wurden vermutlich von anderen Störchen aus dem Nest geworfen. Der mit dem Nachgelege auf diesem Nest beschäftigte Storchenvater verunglückte tödlich im Straßenverkehr. Außerdem führten Horstkämpfe dazu, dass Gelege verlassen und aus Nestern geworfen wurden.

Zehn Wochen auf Reise

Im Altkreis Oranienburg wird die Storchenpopulation seit 1970 nachhaltig beobachtet. Inzwischen lässt sich an beringten Vögeln feststellen, dass Störche von Oberhavel aus die Westroute über Spanien und die kürzere Ostroute über den Balkan antreten, um nach Afrika zu kommen. Mindestens zehn Wochen dauert die Reise.
Die Störche starten – im Gegensatz zu vielen anderen Zugvögeln – bereits im Sommer, weil sie für ihren Flug ausreichend Thermik benötigen.

101 Storchennester betreut Roland Heigel in seinem Revier. Rund die Hälfte davon war in diesem Jahr besetzt. In Hohenbruch ist ein Storchenpaar noch immer mit der Aufzucht des Nachwuchses beschäftigt. Er wird schrittweise weniger gefüttert – damit der Vogel Babyspeck verliert und flügge wird. Sobald er fliegt, macht er sich ohne Eltern auf die Reise in den Süden. „Die Eltern bleiben länger und kopulieren noch ein bisschen“, sagt Heigel mit einem Augenzwinkern.

Von Klaus D. Grote

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