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Oberhavel Traumjob bei der Schweizer Luftrettung
Lokales Oberhavel Traumjob bei der Schweizer Luftrettung
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06:03 20.01.2018
Beim Geigespielen, Skifahren, Segeln und Reiten entspannt Wencke Stölzel von ihrem Job als Ärztin.
Beim Geigespielen, Skifahren, Segeln und Reiten entspannt Wencke Stölzel von ihrem Job als Ärztin. Quelle: privat
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Velten

Wencke Stölzel ist ein zielstrebiger und gleichzeitig hilfsbereiter Mensch. Und so stand für sie nach dem Abitur 2006 am Hedwig-Bollhagen-Gymnasium Velten auch fest, dass sie Medizin studieren wollte. „Ich wollte anderen Menschen helfen“, so die 31-Jährige, die mittlerweile seit vier Jahren in Kreuzlingen in der Schweiz lebt. „Direkt an der Grenze, hier kann ich noch deutsche Luft schnuppern.“

Wencke Stölzel beim Segeln auf dem Bodensee. Quelle: privat

Bei einem Studienaufenthalt in St. Gallen hatte sich Stölzel in das Alpenland verliebt. Heute wohnt sie direkt am Bodensee und genießt es dort segeln zu gehen, in den Bergen zu wandern, zu reiten und im Winter Ski zu fahren. „Ich will hier nicht wieder weg“, lacht die gebürtige Chemnitzerin, die seit 1996 in der Ofenstadt gelebt hat. Ihr Großvater ist kein Geringerer als Wolfgang Lindner, der bekannte Keramiker am Ofenmuseum Velten.

Ihr Medizinstudium absolvierte Wencke Stölzel an der Universität in Düsseldorf, wo sie im vergangenen Jahr auch ihre Promotion zum Thema „Auswirkungen von Therapiewechseln von HIV-positiven Patienten“ mit hervorragender Note abschloss. „Medizinerin zu sein, ist ein abwechslungsreicher Beruf, bei dem der Geist gefordert wird, man stets in Bewegung bleiben muss und ich meine Empathie und mein Helfersyndrom voll ausleben kann.“ Ihre Facharztausbildung absolviert die junge Frau derzeit im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie an der Klinik in Konstanz, nur wenige Fahrradminuten von ihrem Schweizer Wohnort entfernt. 2019 will sie fertig sein. Doch schon während des Studiums hatte sie nebenbei in der Unfallchirurgie einer Wuppertaler Klinik Geld verdient. „Mir gefällt die praktische Tätigkeit, etwas mit den Händen zu tun zu haben, und nicht nur Rezepte auszustellen.“

Wencke Stölzel aus Velten Quelle: privat

Doch ihre große Leidenschaft gilt ihrer Aufgabe als Notärztin, die sie in 24-Stunden-Diensten in ihrer Freizeit ausübt. „Mein Traum ist es nach der Facharztprüfung bei der Rega in der Schweiz zu arbeiten und im Helikopter mitzufliegen.“ Die Rega ist die schweizerische Rettungsflugwacht, die in dem Alpenstaat für die Luftrettung zuständig ist, aber auch mal kranke Tiere der Bergbauern transportiert oder Auslandseinsätze fliegt. „Das ist vielseitig und spannend“, so Stölzel, die zudem überlegt, ihren Flugschein zu machen. Bisher sei ihr schönster Notarzteinsatz aber bei der Geburt eines Baby gewesen. „Das war ein tolles Erlebnis.“ Die schweren Einsätze hingegen dürfe man nicht zu sehr an sich rankommen lassen, erklärt die ehemalige Veltenerin, die gerne im Team, und mit Polizei und Feuerwehr zusammenarbeitet.

Abschalten tut Wencke Stölzel beim Geigespielen. Seit ihrem fünften Lebensjahr erhielt sie Unterricht an der Hennigsdorfer Musikschule, wo sie auch im Jugendkammerorchester spielte. Mit dem Landesjugendsinfonieorchester Brandenburg ging sie auf Tournee, nach Litauen. „Das war gigantisch. Mitgespielt haben die besten Musiker des Landes, auf höchstem Niveau“, erinnert sich die Hobbymusikerin, die Weihnachten 2017 in der Stadtkirche Velten beim Konzert des Vokalensembles „Voce libera Velten“ mit einem anspruchsvollen Stück von Fritz Kreisler eine Kostprobe ihres Könnens gab. „Beim Geigespielen kann ich abschalten und entspannen“, so Stölzel, die auch gerne während der Wartezeiten im Notarztdienst das Instrument dabei hat. „Da hat man Zeit zum Üben.“ Denn sie ist zielstrebig – nicht nur im Beruf – , will sie doch im Orchester „Concerto Constanz“ mitspielen.

Von Ulrike Gawande