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Oberhavel Chefredakteur oder doch lieber Bundeskanzler?
Lokales Oberhavel Chefredakteur oder doch lieber Bundeskanzler?
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21:30 08.11.2019
Tony Sieg (r.) ist oft in seinem Heimatort Grüneberg unterwegs und trifft gerne Leute. Hier pflanzt er auf der neuen Streuobstwiese zusammen mit Johann Brüning von der Stiftung Hof Grüneberg einen Apfelbaum. Quelle: privat
Grüneberg

Die jungen Leute interessieren sich nicht (mehr) für Politik. Noch vor einiger Zeit hätten wohl eher wenig Leute dieser Feststellung widersprochen. Seit den jüngsten Kommunalwahlen ist das anders geworden. In Ortsbeiräten, Gemeindeparlamenten, Amtsausschüssen und Stadtverordnetenversammlung sitzen wieder mehr jüngere Semester. Einer, der sich seit seiner frühesten Jugend dafür interessiert, was um ihn herum politisch geschieht, ist Tony Sieg.

Tony Sieg hat fast immer mitgemischt, wenn es während seiner Schulzeit um gesellschaftliche Arbeit ging. Quelle: privat

Der in Neuruppin geborene Grüneberger fiel bereits an der Libertasschule in Löwenberg dadurch auf, dass er bei der gesellschaftlichen Arbeit gerne mitgemischt hat. Was die Zukunft von Tony Sieg betrifft, so hieß es damals, gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder, er wird Chefredakteur oder Bundeskanzler. Im Moment haben weder die einen, noch die anderen recht behalten. Tony Sieg, der am Sonntag dieser Woche 23 Jahre alt wird, lernte in Berlin-Tegel Kaufmann für Groß- und Außenhandel und hat diese Ausbildung im Juni dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen. Dafür ist er täglich rund zweieinhalb Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs gewesen. Der Inhaber einer Fahrerlaubnis ist umweltbewusst. Und sparsam. 113 Euro im Monat kostet sein Bahnticket. „Das ist doch ein gutes Angebot“, sagt er. „Vorausgesetzt, dass die Bahn fährt.“ „Ich laufe auch gerne mal durch meinen Heimatort oder fahre mit dem Fahrrad“, sagt er. „Das mache ich bewusst, weil sich auf der Straße oft kleine Gespräche mit den Leuten führen lassen.“

Rumsitzen ist nicht sein Ding. Tony Sieg ist am liebsten so oft es geht in seinem Heimatort auf Achse, unterhält sich mit Leuten und hört sich deren Sorgen und Nöte an. Quelle: privat

Tony Sieg ist ein Hans Dampf in allen Gassen. Nur einfach rumsitzen – das kann er nicht. Er will immer etwas tun, weiterkommen. Neues kennenlernen. In der Schule hatte kaum jemand neben dem Unterricht so viele Aufgaben auf sich genommen, wie der damals eher schmächtig wirkende Grüneberger. An der 7. Klasse war er an der Schule in Löwenberg Chef der Schülerzeitung „alles drin“. Wann immer die Schule im Zuge ihres gesellschaftlichen Engagements unterwegs war, ist Tony Sieg mitgefahren. Er hat die Ereignisse in sich aufgesogen, Berichte geschrieben und immer wieder Kontakte geknüpft. Berührungsängste waren ihm dabei fremd. Wenn keiner eine Frage hatte – Tony hatte immer welche. Und er hat damit nie hintern Berg gehalten. Auch, wenn sie unbequem waren. Tony wollte es immer genau wissen. Mit Allgemeinplätzen hat er sich schon während seiner Schulzeit ungern abspeisen lassen. Auch deshalb ist es dem Redaktionsteam mehrfach gelungen, vordere Plätzte beim Schülerzeitungswettbewerb des Landes Brandenburg zu belegen. Tony Sieg, anerkannter Streitschlichter an seiner Schule, war dabei, als die Löwenberger an dem Projekt „Zivilcourage gewinnt“ teilnahmen. Er hat eine Facharbeit über den Gründer der Evangelischen Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte, Heinrich Grüber, geschrieben, für die er vom Bildungsministerium ausgezeichnet wurde.

Nach seiner Schulzeit befolgte Tony Sieg den Rat einer Lehrerin und trat in eine Partei ein – in die SPD. Quelle: privat

Am Ende der 10. Klasse gab Monika Haß, seine Lehrerin in Geschichte und Politische Bildung den Rat: Such dir eine Partei und engagiere dich dort!“ Nach einem kurzen Flirt mit der CDU - Tony: „Die waren in ihrem Bemühen um meine Mitarbeit nicht hartnäckig genug.“ – entschied sich der Grüneberger für die SPD. „Die stehen für Gerechtigkeit, sind gegen Rechtsextremismus und haben eine starke Jugendorganisation“, nennt er Gründe, warum er sich damals der Sozialdemokratie zuwandte. Am 1. Oktober 2014 ist er Mitglied der SPD geworden. Das Mitgliedsbuch überreichte ihm Karsten Peter Schröder, bis heute ein Aushängeschild der SPD in Oberhavel und darüber hinaus.

Kommunalpolitik macht Tony Sieg Spaß. Hier studiert er gerade intensiv den Haushaltsplan der Gemeinde Löwenberger Land für das kommende Jahr. Quelle: Bert Wittke

Doch Tony Sieg wollte mehr als nur Mitglied sein. Im SPD-Ortsverein Löwenberger Land/Liebenwalde ist er seit vier Jahren Beisitzer. Seit den jüngsten Kommunalwahlen sitzt der noch 22-Jährige als einziges SPD-Mitglied im Ortsbeirat, erhielt mit 248 die drittmeisten Stimmen aller Grüneberger Ortsbeiratskandidaten. Außerdem gehört Tony Sieg jetzt auch zum Gemeindeparlament. Drei Mandate entfielen auf die SPD – mit 325 konnte der junge Mann aus Grüneberg die zweitmeisten Stimmen auf sich vereinen und übernahm sogleich den Posten des Fraktionsvorsitzenden. „Ich will nah bei den Leute unserer Gemeinde sein und das Beste für sie herausholen“, sagte er und fügt hinzu: „Einer muss es machen. Ich habe Lust und Ideen. Und ich bin jung. Die Leute sehnen sich nach Veränderungen und Verjüngung in der Politik“, sagt einer, der während des Wahlkampfes selbst von Tür zu Tür ging, um sich und seine Gedanken den Leuten vorzustellen. „Wir müssen uns hier unten um Politik kümmern“, hat er den Leuten gesagt. Sonst würden die Leute irgendwann keine Schulen und Kitas mehr auf dem Land finden und in den Dorfstraßen würden keine Straßenlaternen mehr leuchten. Und weil er sich dabei so gut es geht einbringen möchte, ist er gleich noch Mitglied im Werksausschuss und stellvertretendes Mitglied im Hauptausschuss der Gemeinde geworden. „Na klar kann ich noch nicht gleich von allem eine Ahnung haben, schätzt er die Situation realistisch ein. „Aber ich brenne darauf, von anderen zu lernen, mir was abzuschauen und mich schließlich soweit zu entwickeln, dass ich mich mit eigenen Gedanken und Vorschlägen in die Diskussionen einbringen und so bei der Lösung von Problemen helfen kann.

Wird Tony Sieg mal ein markantes Gesicht der Sozialdemokratie oder führt ihn sein Weg doch eines Tages in eine Redaktionsstube. Noch scheint alles möglich. Quelle: privat

Tony Sieg ist jung, ihm stehen noch alle Türen offen. Und Interesse an neuen Aufgaben hat er immer. Nicht ausgeschlossen, dass Tony Sieg mal zu einem markanten Gesicht der Sozialdemokratie wird – nicht nur im Löwenberger Land. Gebrauchen könnte es die SPD. Und sein Nachname wäre ja schon mal ein guter Programmtitel.

Von Bert Wittke

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