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Oberhavel Unschuldige Kinder, die es offiziell nicht gab
Lokales Oberhavel Unschuldige Kinder, die es offiziell nicht gab
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07:47 23.10.2014
Wuchsen gemeinsam im Speziallager auf: Barbara Kirchner-Roger und Alexander Latotzky. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Seine Kindheit hat Alexander Latotzky bis heute nicht vollständig verarbeitet. Der 66-Jährige kam im Gefängnis Bautzen zur Welt und wuchs mit seiner Mutter im Speziallager Sachsenhausen auf. 42 Kinder wurden dort 1950 entlassen. Die Mutter blieb noch einige Jahre in Gefangenschaft, der kleine „Sascha“, wie ihn damals alle nannten, durchlief mehrere Kinderheime. „Über die Zeit der DDR-Kinderheime spreche ich nicht“, sagt Latotzky knapp, als er am Dienstagabend in der Gedenkstätte Sachsenhausen gemeinsam mit Barbara Kirchner-Roger über die Kindheit im Lager berichtet. In der DDR durfte Latotzky nicht erzählen, was er als Kind erlebt hatte. Die sowjetischen Speziallager gab es offiziell nicht. So erfuhren später nicht einmal seine Kinder, dass ihr Vater in Gefangenschaft geboren und aufgewachsen war. „Nur meine Frau wusste Bescheid. Ich hatte ja keine Geburtsurkunde“, sagt Latotzky.

Sowjetischen Speziallager gab es offiziell nicht

So blieben die Schrecken lange verdrängt. Im Lager kämpften die Inhaftierten ums nackte Überleben. Es gab zu wenig anzuziehen und zu essen. Die Kinder existierten offiziell nicht, sie hatten bloß eine Nummer. Sie erhielten kein Spielzeug, keine Schuhe und keine kindgerechte Nahrung. Eine Flasche Milch musste für fünf reichen. Es gab fleischlose Brühe. Das Schwarzbrot wurde von den Müttern vorgekaut. „Die Solidarität war unwahrscheinlich groß“, sagte Latotzky.

Barbara Kirchner-Roger, 1948 im Speziallager Sachsenhausen auf der Pritsche geboren, auf der Heinrich George gestorben war, erlebte auch nach der Entlassung aus der Haft Tristesse und Armut. Mit ihrer Mutter bewohnte sie eine Stube in einem Schöneberger Hinterhof. Der Vater, Journalist, war wegen angeblicher Spitzeltätigkeit für die Amerikaner zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Mutter, nur drei Monate nach der Hochzeit gerade schwanger geworden, musste als Mittäterin ebenfalls in Haft. Erst als die Familie wieder vereint war, stellte sich so etwas wie Glück ein, berichtete Kirchner-Roger. Albträume begleiteten sie noch jahrelang.

Albträume sind noch heute ständiger Begeiter

Sie habe aus dem Schicksal ihrer Familie die Freiheit zu ihrem Lebensthema gemacht, sagte die 67-Jährige. So sei es für sie undenkbar, nicht zur Wahl zu gehen – schon aus Prinzip. Schließlich hätten die Menschen schon immer für das Wahlrecht gestritten. Im Gegensatz zu Alexander Latotzky hatte sie in ihrer Familie die Möglichkeit, frei und offen über das Erlebte zu sprechen.

12.000 Menschen starben

42 Kinder wurden 1950 bei der Auflösung des sowjetischen Speziallagers Sachsenhausen mit ihren Müttern entlassen. Sie hatten bis dahin nichts anderes in ihrem Leben als das Lager gesehen.
Insgesamt 60.000 Häftlinge waren zwischen 1945 und 1950 in Sachsenhausen inhaftiert. 12.000 von ihnen starben in dieser Zeit. Unterlagen über die Häftlinge existieren nicht.
Alexander Latotzkys Wanderausstellung „Kindheit hinter Stacheldraht“ ist noch bis voraussichtlich 31. Oktober in der Gedenkstätte Sachsenhausen zu sehen.

Latotzky, der 1957 nach West-Berlin gebracht wurde und dort seine Mutter wiedertraf, musste seine Geschichte lange Zeit für sich behalten. Im Westen interessierte sich niemand. Verbrechen der Sowjetunion? Das klang nach Revanchismus. Doch auch die Schuld nach 1945 müsse anerkannt werden, sagte Latotzky. „Wir müssen beide Seiten erwähnen.“ Seine persönliche Aufarbeitung begann er ab 1990. Am Tag der Wiedervereinigung fuhr er mit seiner Familie in die Gedenkstätte Sachsenhausen. Dann begann er die Geschichte des Lagers zu erforschen, erfuhr vom Schicksal der anderen Kinder. Am Ende entstand eine ganze Ausstellung: „Kindheit hinter Stacheldraht.“

Zeit der Speziallager kaum erforscht

Bis heute werde die Zeit der Speziallager nicht ausreichend erforscht, beklagte Latotzky. Die Gedenkstätte informiere ihre Besucher auch nicht genügend, kritisierte er. Stiftungsmitarbeiter Enrico Hetzer sagte, ein Interesse an einer intensiven Forschung zu den Speziallagern sei kaum vorhanden, eigenes Personal fehle.

Von Klaus D. Grote

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