Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Velten Hass-Video erschüttert Stadtverordnete
Lokales Oberhavel Velten Hass-Video erschüttert Stadtverordnete
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:17 07.05.2018
Den Hassfilm wollen die Stadtverordneten und Bürgermeisterin Ines Hübner nicht so einfach hinnehmen.
Den Hassfilm wollen die Stadtverordneten und Bürgermeisterin Ines Hübner nicht so einfach hinnehmen. Quelle: Robert Roeske
Anzeige
Velten

Die Geigen kreischen wie in einem Hitchcock-Film, Fotos von Bürgermeisterin Ines Hübner und sechs Stadtverordneten flirren durchs Bild. Jeder von ihnen hat ein Kreuz auf der Stirn – es könnte eine Todesdrohung sein. „Sie sind ekelhaft. Grausam. Ich hasse euch“, heißt es in einem Schriftzug. Zweimal ist eine Teufelsfratze zu sehen, das Rathaus wird gezeigt. Alles in Schwarzweiß, ein kleiner Horrorfilm. Das Video, nur eine Minute lang, fand die Veltener SPD-Stadtverordnete Katja Noack vor drei Wochen auf einem USB-Stick im Briefkasten. Es kommt einem politischen Erdbeben gleich, weil die betroffenen Stadtverordneten sich mit dem Tode bedroht sehen. Sie alle haben den Urheber nun angezeigt, der Staatsschutz ermittelt.

Urheber soll ein Anhänger von Pro Velten sein

Beim USB-Stick fand Katja Noack auch einen Zettel, auf dem stand, dass der Absender es mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren könne. Das Video sei aus der Whatsapp-Gruppe von Pro Velten. Auch ein Urheber sei in dem Brief benannt worden – er stehe Pro Velten nahe und habe noch am Donnerstag im Publikum der Stadtverordnetenversammlung gesessen.

Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner hatte gestern mit den betroffenen Stadtverordneten ins Rathaus eingeladen, sie alle waren entsetzt von diesem Film. Doch sie wollen an die Öffentlichkeit, um auf die aufgeheizte Stimmung in der Stadt aufmerksam zu machen. „Es ist sehr bedrohlich und macht Angst. Das ist mehr als ein persönlicher Angriff, meine moralische Schmerzgrenze ist da wirklich überschritten.“ Man müsse jetzt ein Stoppschild zeigen, ein Weiter-so könne es nicht geben.

Andreas Noack kritisiert Stimmungsmache von Pro Velten

SPD-Mann Andreas Noack kritisiert, dass Pro Velten seit Jahren Stimmung gegen die restlichen Fraktionen mache, sie zuletzt als „Veltener Einheitspartei“ (VEP) bezeichnet habe. Ein Begriff, der im Video auch auftaucht. „Sie setzen uns so der DDR-Diktatur gleich.“ Pro Velten habe mit solchen Angriffen dazu beigetragen, dass die Stadt gespalten sei. „Ich habe Angst, dass man hier den Boden für die nächste Eskalationsstufe bereitet, Gewalt gegen Menschen oder Gegenstände.“ Anfang der 1990er-Jahre habe er das Auto von Rathaus-Mitarbeiter Ralf Bartsch in Velten brennen sehen, auch gegen seine eigene Autotür sei getreten worden – es seien damals allerdings Angriffe von Rechtsextremen gewesen. Doch Noack will weitermachen, auf jeden Fall. Aber nicht alle scheinen da sicher zu sein. „Wenn mein Haus brennen würde, würde ich überlegen, ob ich aufhöre“, erklärte Stadtverordnetenvorsteher Hans-Jörg Pötsch (CDU), ebenfalls Betroffener.

Pro Velten sieht sich als Opfer

Pro Veltens Vorsitzender Marcel Siegert, der in der SVV am Donnerstag noch zu besserem Miteinander aufgerufen hatte, weist jede Verbindung zu dem Video von sich. „Für die beiden von mir geführten Fraktions-Whats-App-Chats kann ich ausschließen, dass das Video verbreitet wurde oder Inhalt war.“ Es gebe aber sicher unterschiedliche private Chats unter den Mitgliedern. Er sieht Pro Velten eher als Opfer. „Nachdem wir von der SPD als Lügner, Meckerer und Spalter bezeichnet worden sind, so sind wir nun die Hass-Video-Ersteller?“

Auszug aus dem Film. Quelle: Robert Roeske

Von Marco Paetzel