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Velten Alte Ingenieurschule könnte Businesspark werden
Lokales Oberhavel Velten Alte Ingenieurschule könnte Businesspark werden
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17:38 25.04.2019
Die ehemalige Ingenieurschule ist nicht mehr zu retten. Vandalen haben in den Häusern gewütet. Quelle: ENRICO KUGLER
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Velten

Tausende Autos rollen jeden Tag über die Kreuzung der L172 mit der Hohenschöppinger Straße. Doch ein paar Meter weiter, auf dem Gelände der ehemaligen IngenieurschuleHanno Günther”, hört man vom Lärm der Welt nicht viel. Es ist, als läge das altehrwürdige Gelände im Dornröschenschlaf. Doch daraus wird es bald erwachen. Spätestens, wenn die Bagger und Abrissbirnen anrollen. „Die Gebäude müssen wohl komplett abgerissen werden, da ist nichts mehr zu retten“, erklärt Kathleen Krohn, die zuständige Fachdienstleiterin zentrale Vergabe und Liegenschaften bei der Kreisverwaltung.

Die ehemalige Ingenieurschule muss abgerissen werden. Die MAZ schaute sich ein letztes Mal auf dem Gelände um.

Mit MAZ-Mitarbeitern streift sie über das elf Hektar große Areal zwischen Berliner Straße und Stichkanal. Altasten, sagt Kathleen Krohn, gebe es auf dem Gelände zwar nicht. Dafür sind einige Dächer augenscheinlich aus Asbest. Welche schädlichen Stoffe sich noch in den Gebäuden verbergen, ist bislang unklar. Auch ein Bunker befindet sich auf dem Gelände nahe der Kreuzung, er müsste ebenfalls weichen.

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Das Gelände ist in einem erbärmlichen Zustand

Die Gebäude der ehemaligen Ingenieurschule stehen allesamt noch, inklusive Wohnheimen, Mensa oder der alten Bibliothek. Sie sind aber in einem erbärmlichen Zustand. Fensterscheiben sind eingeschlagen, an den Wänden prangen Graffiti, auf dem Boden liegen her­ausgerissene Türen herum. In den ehemaligen Unterrichtsräumen sind teilweise Deckenplatten her­untergekommen. Und auf dem Herzstück, dem Schulhof, sprießen junge Birken zu Hunderten. Weil Metalldiebe die Gullydeckel vom Gelände geklaut haben, hat die Kreisverwaltung schwere Betondeckel über die Schächte schieben lassen. „Die Dachrinnen haben sie auch gestohlen, genau wie die Zäune“, erklärt Kathleen Krohn.

Der Anblick wäre ein Jammer für all die Menschen, die hier gelernt haben. Die Geschichte des Geländes beginnt Ende der 1930er-Jahre, dort war das Regiment „General Göring“ stationiert. Nach dem Krieg wurden die ehemaligen Panzergaragen zu Unterrichtsräumen umgebaut. Für die Lehrlinge des Stahlwerks, die in Hohenschöpping zu Betriebsschlossern und -elektrikern ausgebildet wurden, kam außerdem ein Wohnheim dazu. Anfang 1954 wurde die IngenieurschuleHanno Günther“ etabliert. Studenten der Ingenieurschule Ilmenau kamen bald hinzu. Laut den damaligen Anforderungen der Industrie in der DDR entstand aus den Fachrichtungen allgemeine Elektrotechnik und Elektromaschinenbau die Fachrichtung elektrische Anlagen. Später kamen noch die Fachrichtungen Steuer- und Regelungstechnik sowie Automatisierung hinzu.

Businesspark III geplant

Doch die Wende bedeutete eine Zäsur, die Ingenieurschule musste schließen. Jahrelang war noch das Oberstufenzentrum II auf dem Gelände untergebracht. Doch mit dem Bau des Hennigsdorfer OSZ „Eduard Maurer“ zogen die letzten Lehrlinge aus, Ende 2005 wurde es still um Hohenschöpping.

Im Mai gibt es das nächste Treffen mit dem Planungsbüro zur Zukunft des Geländes. Gemeinsam mit der Stadt Velten arbeitet die Oberhaveler Kreisverwaltung, Eigentümer des Geländes, an einem Bebauungsplan. Laut Veltens Bauamtsleiter Berthold Zenner wünsche sich die Stadt dort einen Businesspark III als Ergänzung zu den bestehenden. „Dort soll sich hochwertiges Gewerbe ansiedeln, nach dem Vorbild der anderen Businessparks.“ Es gebe noch keinen Vorentwurf, auch wichtige Fragen wie die Zufahrten müssten geklärt werden. Etwa in zwei Jahren, schätzt Zenner, könnte der B-Plan stehen.

Von Marco Paetzel