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Velten Eine Schulküche für die Ofenstadt
Lokales Oberhavel Velten Eine Schulküche für die Ofenstadt
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18:51 12.08.2019
In der Kita Kunterbunt gab es kürzlich einen Ernährungs-Workshop. Quelle: Foto: Enrico Kugler
Velten

Die Mitglieder der AfD-Fraktion haben ihren ersten Antrag eingereicht: Während ihrer Sitzung am Donnerstag werden die Veltener Stadtverordneten darüber diskutieren, wie sinnvoll eine von der Stadt betriebene Küche für die Essensversorgung der Jugend wäre. „Kinder und Jugendliche benötigen für ihre Entwicklung, ihr Wohlbefinden und den Lernerfolg sowohl zu Hause als auch in Kita und Schule eine ausgewogene, gesundheitsfördernde und schmackhafte Ernährung“, heißt es im Antrag. Verwendet werden sollten laut AfD möglichst regionale Produkte, um Wirtschaft und Bauern zu unterstützen.

Tatsächlich gab es in der Vergangenheit mitunter Beschwerden von Kindern und Eltern, die mit dem Essen des Versorgers „Sunshine Catering“ aus Hoppegarten nicht zufrieden waren, das seit Anfang des vergangenen Schuljahres in drei Einrichtungen serviert wird: Der Kita Kinderland, Kunterbunt und Villa Regenbogen. Zudem kriegen Hortkinder der ersten bis dritten Klasse das Essen. „Mein Sohn ist nicht mäkelig, aber selbst er sagt, dass das Pferdeessen ist“, hatte eine Mutter, deren Sohn die Linden-Grundschule besucht, im Oktober 2018 im Sozialausschuss erklärt. Auf solche Beschwerden hin hatte die Verwaltung eine Umfrage unter Kitakindern und Grundschülern gestartet, die Ergebnisse reichten von „sehr gut“ bis „befriedigend“.

Rund vier Millionen Euro an Kosten

Eine städtische Küche indes könnte jedoch teuer werden. „Anhand der Prüfung ähnlicher Beschlussanträge aus anderen Kommunen geht die Verwaltung, ganz grob geschätzt, von Investitionskosten für ein zu errichtendes Gebäude von nicht weniger als vier Millionen Euro aus“, erklärt Ivonne Pelz, Sprecherin der Stadtverwaltung. Hinzu kämen das Grundstück und der Unterhalt, unter anderem für Fahrzeuge, Personal oder das Gebäude. Für den Fall, dass die Stadt Betreiber der Küche werden sollte, wäre vorab etwa zu klären, ob die Stadt sich hier wirtschaftlich betätigen dürfe –die Stadt dürfe etwa kein Konkurrent privater Unternehmen werden. „Grundsätzlich ist außerdem zu sagen, dass die Stadt bei allem Handeln dem Vergaberecht unterliegt“, sagt Ivonne Pelz weiter. Weiterhin sei zu prüfen, inwieweit ein solches Großprojekt angesichts der Vielzahl der bestehenden Aufgaben der Stadt zu stemmen sei.

Und wie sehen die anderen Fraktionen den AfD-Vorschlag? „Aus meiner Sicht bietet eine solche Großküche keine Vorteile gegenüber der jetzigen Mittagsversorgung“, erklärt die SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Noack. Die Stadtverordnetenversammlung hat sich zuletzt 2017 mit dem Thema beschäftigt. „Ich habe mir damals die Küche in Kremmen angesehen und festgestellt, dass man diese mit Velten nicht vergleichen kann. Wenn ich für alle Hort-, Grundschul- und Kitakinder eine Schulküche errichten möchte, so wie es der Antrag vorsieht, sind das pro Tag etwa 1500 Essen.“ Die Küche in Kremmen habe deutlich weniger Essen am Tag und existiere seit DDR-Zeiten, erklärt Katja Noack weiter.

CDU, Linke und FDP können dem Vorschlag etwas abgewinnen

CDU-Fraktionschef Marcel Ruffert steht dem AfD-Antrag offener gegenüber, er sei „absolut begrüßungswert“. „Es ist sehr schade, dass selbiger Antrag, vormals durch Pro Velten eingebracht, in der letzten Legislaturperiode durch die damaligen Konstellationen keine Mehrheit fand“. Auch Ruffert verweist auf Kremmen, allerdings sieht er die Schulküche als gutes Beispiel. CDU-Parteifreund Frank Bommert habe ihm berichtet, dass die Qualität des Schulessens hoch sei und den Vorteil biete, durch die Gemeinde bestimmt zu werden. Zudem sei es in Kremmen für jedermann möglich, das Angebot der Schulküche zu nutzen, so auch für Senioren – Ähnliches sieht der Vorschlag der AfD für Velten auch vor. „Wenn Kremmen das mit 7700 Einwohnern schafft, bin ich mir sicher, dass Velten das mit 12 000 Einwohnern ebenfalls meistern kann“, erklärt Ruffert weiter.

Auch Alexander Moser-Haas (Linke) findet die Idee nicht schlecht. „Ich habe Sympathien für den Vorschlag von Pro Velten aus der letzten Wahlperiode. Wir stehen vor einer ganzen Reihe wichtiger Investitionen im Bildungsbereich“. Neben dem Kita-Ausbau müssten die Arbeitsbedingungen verbessert werden, um Erzieherinnen und Erzieher zu finden. „Außerdem haben wir als LINKE einen Antrag eingebracht, damit die Kita-Gebühren auch bei denen sinken, die über der Grenze von 20 000 Euro Jahreseinkommen liegen, bis zu der neuerdings Gebührenfreiheit herrscht.“ Wenn die finanziellen Möglichkeiten noch reichten, um eine städtische Küche zu realisieren, sei das gut. „Dazu müssen jetzt erstmal Kalkulationen durchgerechnet werden - mit einem Beschluss von einem Satz ist es nicht getan“, so Moser-Haas mit Blick auf den AfD-Antrag. Auch Ole Gawande (FDP) findet den Vorschlag vernünftig. „Aber die Kosten müssten dringend errechnet werden.“

Von Marco Paetzel

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