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Velten Günstiges Bauland, teure Beräumung
Lokales Oberhavel Velten Günstiges Bauland, teure Beräumung
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17:53 15.04.2019
Auf dem Gelände befand sich einst eine Munitionsfabrik, es ist mit Schadstoffen wie Asbest und Quecksilber belastet.
Auf dem Gelände befand sich einst eine Munitionsfabrik, es ist mit Schadstoffen wie Asbest und Quecksilber belastet. Quelle: Marco Paetzel
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Velten

Gegenüber der Roten Villa in Velten könnte die Zukunft vieler Familien liegen. Noch wachsen Gräser mannshoch, das Moos sprießt. Das Grundstück des ehemaligen Johannisstift-Seniorenheims in der Kremmener Straße 75 misst rund 46 800 Quadratmeter. Wenn es nach der Veltener Stadtverwaltung geht, soll das Gelände ab 2020 freigemacht werden für den Bau von Wohnungen. Doch das wird teuer: Die Ruinen auf dem Gelände, auf dem sich einst eine Munitionsfabrik befand, müssen abgerissen werden. Auch Sondermüll wie Asbest, Quecksilber oder krebsauslösende chemische Chlorverbindungen befinden sich auf dem stadteigenen Gelände.

Insgesamt rund 2,13 Millionen Euro soll die Beräumung – zuzüglich der Baunebenkosten für Planung, Baugrundgutachten oder artenschutzrechtlichem Gutachten – kosten. Diese Maßnahme könnte gefördert werden, sie ist ein Teil des Stadt-Umland-Wettbewerbs. Die Veltener Stadtverordneten machten am Donnerstagabend den Weg dafür frei, dass das Grundstück endlich beräumt wird.

Ein Novum in der Ofenstadt

Danach plant die Veltener Verwaltung ein wahres Novum in der Ofenstadt: Mit dem sogenannten „Einheimischen-Modell“ sollen Veltener Familien zu bezahlbaren Preisen an Bauland kommen können. Immerhin wächst die Ofenstadt so stark wie keine andere Kommune in Landkreis. Bis 2030 wird Velten laut Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV) weitere knapp 1000 Einwohner gewinnen. Berücksichtigt werden sollen bei der Vergabe der Grundstücke neben dem Einkommen oder der Wohndauer in Velten unter anderem auch, wenn sich Familien ehrenamtlich im Ort engagieren.

„Die Verwaltung erarbeitet derzeit Möglichkeiten und Grundlagen, wie das Einheimischenmodell in Velten umgesetzt werden kann – insbesondere auch unter der Maßgabe des Einsatzes von Fördermitteln für die Reaktivierung“, erklärt Veltens Sprecherin Ivonne Pelz dazu. Bis Ende des Jahres sollen die Grundlagen für das Einheimischenmodell innerhalb der Verwaltung erarbeitet werden. Die Stadt hat bereits den Flächennutzungsplan geändert. Ein Teil der Gesamtfläche ist darin als Wohnbaufläche ausgewiesen, eine andere Teilfläche ist ein Landschaftsschutzgebiet.

Der Bau könnte frühestens in drei Jahren beginnen

Zunächst gelte es nun, das Baufeld zu beräumen. Danach müsse es einen Bebauungsplan geben. „B-Plan-Verfahren nehmen in der Regel wenigstens ein bis 1,5 Jahre in Anspruch“, erklärt Ivonne Pelz weiter. Baubeginn könne demnach frühestens in drei Jahren sein.

Die Verwaltung hofft, dass über den Fördermittelantrag, mit dem das Gelände beräumt werden soll, bis Ende 2019 entschieden wird. Die Abrissarbeiten sollen bis Ende 2020 fertig sein, dann könnte das B-Plan-Verfahren beginnen. „Erst darin kann es konkrete Festlegungen, etwa zur Anzahl der Wohneinheiten geben“, so Ivonne Pelz. Auch über mögliche Investoren könne sie noch keine Angaben machen. Bei den Veltener Familien scheint die Idee anzukommen. „Es erreichen uns immer wieder Anfragen zum Einheimischenmodell konkret.“

Auch die Veltener Stadtverordneten begrüßen das Projekt. Wohnbebauung werde in Velten überall gebraucht, erklärte etwa Petra Künzel (DUO). Auch Andreas Noack (SPD) war froh. Glücklicherweise seien Fördermittel für die Beräumung des ehemaligen Johannisstift-Geländes in Aussicht. „Das Projekt brennt uns seit vielen Jahren unter den Nägeln.“ Es verschwinde ein wahrer Schandfleck in der Stadt.

Von Marco Paetzel