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Oberhavel Wenn das Eis bricht, zählt jede Sekunde
Lokales Oberhavel Wenn das Eis bricht, zählt jede Sekunde
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17:59 10.04.2018
Auf allen Vieren über das Eis: Mit zwei Leitern geht es nur mühsam voran. Quelle: Robert Roeske
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Neuendorf

Grund genug für die Löschgruppe Teschendorf/Neuendorf, am Sonnabend an der Kleinen Plötze in Neuendorf einen Notfall auf dem Eis zu simulieren und zu üben. Ausbildungsleiter Sven Lauble brachte es vor den rund 20 Feuerwehrleuten, die teilweise zum ersten Mal auf schneebedecktem Eis standen, auf den Punkt: "Normalerweise vergeht zu viel Zeit, bis wir auf dem Eis sind", sagte er und scheuchte seine Kollegen mit Leitern, Seilen und Karabinerhaken auf die Fläche. In Robbentechnik und mit zwei Leitern pro Feuerwehrmann ging es dann in die Richtung des eingebrochenen Opfers, das von einem Kollegen simuliert wurde. Eine echte Herausforderung für den Körper. "Das Wichtigste ist, dass man fit genug ist, das Opfer auf die Leiter zu ziehen", erklärte Torsten Schwuttke, der zum ersten Mal an einer Eisrettungsübung teilnahm und sich von der Übung viel verspricht. "Wir lernen, wie man es machen sollte. Die Frage ist aber, ob es im Ernstfall dann auch so klappt", so der Brandmeister.

Im Einsatzgebiet der Löschgruppen des Löwenberger Landes mussten bisher noch keine ins Eis eingebrochenen Personen gerettet werden. Dennoch: "Es ist schon ein komisches Gefühl, auf der Leiter auf dem Eis zu liegen und nach vorne zu robben. Immer mit dem Gedanken, dass der Untergrund auch bei mir einbrechen könnte", betonte Schwuttke.

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"Ich muss euch nicht erst erklären, wie schwer es ist, zehn Meter auf dem Eis hinter sich zu bringen", rief Ausbildungsleiter Sven Laube in die Runde. Bei der Eisrettung muss jeder bis an seine Reserven gehen. Unnötiger Ballast, wie etwa Helm und Jacke, sollten am Ufer zurückbleiben. Danach heißt es, Zähne zusammenbeißen und durch. "Am meisten tun mir die Knie weh", klagte ein Feuerwehrmann.

Gleich drei Kollegen sichern den Eisretter, die Leiter und das Opfer, ziehen es zurück an Land und leisten erste Hilfe. "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine ins Eis eingebrochene Person überlebt, ist ziemlich gering", erläuterte Sven Lauble. Die Kraft lässt nach, Erfrierungen sind vorprogrammiert und die Ertrinkungsgefahr ist hoch.

Auch nach bitterer Kälte ist immer noch Vorsicht beim Gang auf ein zugefrorenes Gewässer geboten. "Die Kleine Plötze ist eigentlich ideal zum Eislaufen. Der See ist sehr schattig, es gibt keine Strömung", so Lauble. Anders sieht es in der Umgebung aus. Ein Gang auf den in der Nachbarschaft liegenden Dreetzsee sollte zum Beispiel vermieden werden. "Dort ist es viel gefährlicher, weil die Eisschicht durch die Lage des Sees wesentlich dünner ist", warnte der Feuerwehrmann. Wie dick die Eisschicht am besten sein soll, lässt sich nicht pauschal für alle Gewässer sagen. Auf der Kleinen Plötze gilt das Schlittschuhlaufen ab einer Dicke von 13 Zentimetern als sicher. Aber Vorsicht, gerade nach ein paar Tagen mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt taut das Eis schneller als erwartet.

Rund eine Stunde lang machten sich die Feuerwehrleute auf dem Eis der Kleinen Plötze zu schaffen, robbten was das Zeug hielt und bestanden die Übung.

Anschließend nahm sich das Team von Sven Lauble eine gemeinsame Auszeit. Nach stressigen Wochen, die gerade auch den Feuerwehrleuten der Löschgruppe Teschendorf/Neuendorf viele Brandeinsätze beschert hatte, warfen die Männer und Frauen einen Grill an und gönnten sich die eine oder andere Wurst. "In der letzten Zeit sind wir nicht sehr oft dazu gekommen, abseits von Diensten und Einsätzen gemeinschaftlich etwas zu unternehmen", sagte Lauble am Lagerfeuer. Was den Feuerwehrleuten blieb, war Durst, denn der eingepackte Glühwein war vorher im Auto ausgelaufen.

Von Marcel Jarjour

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