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Oberhavel Wenn der Pieper geht – Feuerwehrleute zwischen Alarm und Job
Lokales Oberhavel Wenn der Pieper geht – Feuerwehrleute zwischen Alarm und Job
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19:37 01.07.2019
Die Feuerwehren aus Oberhavel, hier die Kameraden aus Velten, sind seit Wochen im Dauereinsatz, rücken immer häufiger vor allem zu Waldbränden in der Region aus. Quelle: Freiwillige Feuerwehr Velten
Oberhavel

Wenn der Alarm losgeht, zählt jede Sekunde. Ob nachts im Schlaf, an der Supermarktkasse oder im Dienst auf der Arbeit: Wenn der Pieper ruft, lassen die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren alles stehen und liegen und machen sich auf den Weg zum Einsatz, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Und die Anzahl der Einsätze häuft sich. Nicht nur aufgrund der hohen Zahl an Waldbränden. Immer öfter wird die Feuerwehr auch zur Unterstützung bei technischen Hilfeleistungen alarmiert, beseitigt Ölspuren, hilft bei Krankentransporten oder räumt Äste von der Straße. Gerade für die kleinen Wehren eine Herausforderung, stets ausreichend Kameraden zu aktivieren, um zu jedem Einsatz ausrücken zu können. „Die Leute sind halt berufstätig“, sagt Michael Dittner, Feuerwehrmann aus Hohen Neuendorf, der zugleich fordert, „die Sinnhaftigkeit zu hinterfragen, wenn Leute von der Arbeit weggeholt werden, um Ölspuren zu beseitigen oder Äste von der Straße zu räumen.“

Kleine Unternehmen können das Fehlen von Mitarbeitern kaum kompensieren

Der 34-Jährige trifft dabei den Nerv des Löschzugführers der Wensickendorfer Wehr, David Herholz. „Für uns wird es immer schwieriger, eine Tagesbereitschaft stellen zu können.“ Seine Wehr habe etwa 15 aktive Mitglieder, von denen viele im Schichtdienst oder zu weit weg arbeiten, um bei einem Alarm ausrücken zu können. Problematisch sei die Häufung von Einsätzen auch für die Arbeitgeber der Kameraden: „Gerade kleine Handwerksbetriebe, in denen nur drei, vier Leute arbeiten, können den Ausfall eines Mitarbeiters nicht mehr kompensieren. Da steht dann der ganze Betrieb still, wenn ein Kollege fehlt.“

Städte und Kommunen müssen noch viel aktiver tätig werden

Ein Problem, das auch Michael Dittner kennt. Er ist seit 20 Jahren Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. „Ich habe großes Glück mit meinem Arbeitgeber, werde für die Einsätze problemlos freigestellt“, sagt der Servicemitarbeiter des Autohauses Lambeck. Dittner weiß aber auch, dass dies für andere Kameraden ungleich schwerer ist. Der 34-Jährige hat gleich mehrere Ideen, das Problem zu entschärfen. „Die Städte und Kommunen als Träger der freiwilligen Wehren müssen hier noch viel aktiver tätig werden“, findet er. „Das reicht von der Hilfe bei der Suche nach zusätzlichen Fachkräften für die Unternehmen, in denen Feuerwehrleute arbeiten, über die Schaffung von Wohnungen und Arbeitsplätzen für neue Kameraden bis hin zur öffentlichen Würdigung der Arbeitgeber, die die Feuerwehr unterstützen, zum Beispiel im Amtsblatt oder auf der Webseite der Stadt“, zählt er auf.

„Sie dürfen nicht nur zum Einsatz, sie sollen es sogar“

„Sie dürfen nicht nur zum Einsatz, sie sollen es sogar“, unterstreicht Ivonne Pelz von der Veltener Stadtverwaltung. Es sei natürlich im Interesse der Stadt, dass die freiwillige Feuerwehr im Einsatzfall bereit sei, sagt sie. Vor allem im Veltener Bauhof seien mittlerweile einige Feuerwehrfrauen- und Männer angestellt, um im Notfall schnell bei der Wehr zu sein. Auch bei anderen Stellenausschreibungen, mit denen es vereinbar sei, gebe man an, dass eine Mitgliedschaft bei der freiwilligen Feuerwehr wünschenswert wäre. „Wenn es dann zwei Kandidaten mit ähnlichen Voraussetzungen gäbe, hätte derjenige, der in der Wehr ist, den Vortritt“, so Ivonne Pelz. Jedoch dürfe die Mitgliedschaft in der Wehr nie Voraussetzung für eine Einstellung sein – das sei aus Gründen der Gleichbehandlung nicht zulässig, so Pelz.

Der Gemeindebrandmeister von Birkenwerder, Alexander Röseler, räumt ein, dass „wir ohne die Unterstützung der Gemeindeverwaltung am Tage gar nicht einsatzbereit wären“. Vier Kameraden der Feuerwehr würden inzwischen im Gemeindebauhof arbeiten und damit beim Alarm einsatzfähig sein.

Feuerwehrfreundlicher Chef bei Teschendorfer Recyclingunternehmen

Einen absolut feuerwehrfreundlichen Chef haben auch die Kameraden, die bei Otto-Rüdiger Schulze beschäftigt sind. Der Chef des gleichnamigen, privatwirtschaftlichen Recyclingunternehmens aus Teschendorf hat ein großes Herz für die Feuerwehr. Auch, weil Brandschützer in der Vergangenheit auch zu Einsätzen auf seinem Betriebsgelände ausgerückt sind. Neben seinem Unternehmen verwaltet Schulze einen Forstbetrieb mit 600 Hektar Wald und weiß nur zu gut, wie wichtig gut funktionierende freiwillige Feuerwehren sind. „Ab Waldbrandwarnstufe 4 laufen bis zu sechs Mitarbeiter von mir Streife im Wald“, sagte er. Außerdem habe er in seinem Wald einen Brunnen bohren lassen, um im Ernstfall eine ausreichende Versorgung mit Löschwasser garantieren zu können. „Das spart uns im Einsatzfall eine Strecke von zwei bis drei Kilometern, um mit den Tankern Wasser heranholen zu können“, sagt er.

Traumatische Erfahrungen in Waldbrandnähe

Neuendorf, wo sich Schulzes Firmensitz befindet, ist ringsum von Wäldern und aus Sicherheitsgründen fast komplett von Brandschneisen umgeben. Trecker und ein Waldpflug stehen stets bereit, um bei Ausbruch eines Feuers Brandschneisen schlagen zu können, berichtet Otto-Rüdiger Schulze. Aus Dankbarkeit den Feuerwehrleuten gegenüber hat der Firmenchef erst kürzlich eine kleines Fest für alle Kameradinnen und Kameraden aus dem Löwenberger Land ausgerichtet. Bei diesem Anlass trat er selbst als förderndes Mitglied der Teschendorfer Wehr bei. „Ich habe einen Mitarbeiter, dessen Eltern in Fichtenwalde wohnen“, erzählt er. Also dort im Landkreis Potsdam-Mittelmark, wo der Wald im vorigen Jahr in Größenordnungen brannte. Die Leute vor Ort, das habe er aus Gesprächen mitbekommen, seien seinerzeit regelrecht traumatisiert gewesen, mussten sie doch befürchten, Hab und Gut an das Feuer zu verlieren. Neuendorf sei ähnlich von Wald umgeben und deshalb könnten gar nicht genug Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, zumal die Sommer offensichtlich immer trockener und heißer werden.

Landrat Weskamp: „Arbeit der freiwilligen Feuerwehren ist unentbehrlich“

„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie unentbehrlich die Arbeit der freiwilligen Feuerwehren ist. Deshalb unterstützen wir unsere ehrenamtlichen Kameraden bestmöglich“, sagt auch Landrat Ludger Weskamp. „Ich bin dankbar, dass es so viele Freiwillige gibt, die diese wichtige, aber auch gefährliche Arbeit auf sich nehmen.“ Die Kameraden, die beim Landkreis angestellt seien – konkrete Zahlen werden nicht erfasst („Das sind private Informationen, die natürlich nicht abgefragt werden“, so Kreissprecherin Constanze Gatzke) – würden auf Wunsch zu Einsätzen, Übungen und Lehrgängen jederzeit freigestellt.

Von Nadine Bieneck und Bert Wittke

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