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Oberhavel Windeln mit der Stärke der Kartoffel
Lokales Oberhavel Windeln mit der Stärke der Kartoffel
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08:31 02.07.2016
Kathrin und Dominic Franck wollen mit ihrer Windel-Revolution den ökologischen und wirtschaftlichen Durchbruch schaffen. Quelle: Helge Treichel
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Mühlenbeck

Die Öko-Windel-Revolution beginnt in Mühlenbeck. Angeschoben hat sie Dominic Franck. Der zweifache Familienvater und promovierte Chemiker entwickelt eine erdölfreie und kompostierbare Windel, die aber die gleichen Eigenschaften wie herkömmliche Produkte aufweist. Letzteres beweisen die ersten 1000 Testwindeln, die von 15 Familien erfolgreich eingesetzt wurden. Im nächsten Schritt sollen 100 000 Stück produziert werden. Für den Start sucht der Tüftler insgesamt 250 Familien, die ein Monatspaket kaufen. Knapp 200 fehlen noch.

Bis zu 200 Milliliter Rohöl stecken in einer Windel

In einer herkömmlichen Windel stecken bis zu 200 Milliliter Rohöl – darunter im Herzstück, dem saugstarken Superabsorber. Den hat der 37-jährige gebürtige Schweizer durch eine von ihm entwickelte Saugfüllung aus modifizierter Kartoffelstärke ersetzt. „Die stammt von brandenburgischen Äckern“, sagt Franck. Zusätzlich setzt er anstelle einer Plastikfolie eine ebenfalls biologisch abbaubare Folie aus Maisstärke ein. Die Bio-Windel funktioniert nach den Worten ihres Erfinders nicht nur, sie hat auch nicht diesen typischen chemischen Geruch. All das wird in einem Fernsehbeitrag des MDR in der Sendung „Einfach genial“ erklärt. Zehn Minuten nach der Ausstrahlung Mitte Juni habe eine ältere Dame telefonisch angefragt, ob es die Ökoversion auch für Inkontinenz-Patienten gibt. Denn abgesehen vom Leiden, sei auch der Geruch der Windeln sehr lästig. Hier sieht Franck einen weiteren Markt.

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Mitte Juni eigene Firma gegründet

Gemeinsam mit seiner Frau Kathrin hat er Mitte Juni die Firma Franck & klar gegründet. Die soll die Produktion bei einem etablierten Windelhersteller sowie den Vertrieb koordinieren. Über den Online-Shop läuft der Vorverkauf unter dem Namen „Fairwindel“. Ziel ist die Produktion im August und das Versenden der ersten Monatspäckchen im September.

Dominic Francks Zukunftsvision ist eine zu 100 Prozent kompostierbare Windel. Deshalb soll künftig auch der Klettverschluss aus Maisstärke bestehen. Um Windel samt Gummizug und Saugkern weiter zu entwickeln, will er im kommenden Jahr mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung in Potsdam-Golm zusammenarbeiten.

Windeln sind ein großer Müll-Faktor

Den Anstoß für das innovative Alltagsprodukt gaben – wie sollte es anders sein – die eigenen Kinder. Die Francks haben zwei Töchter, fünf und zwei Jahre alt. „Die Einwegwindeln füllen bei uns zu Hause zu zwei Dritteln die Mülltonne“, sagt der Vater. Daraufhin sei er ins Grübeln gekommen. Denn es entstehe ein gigantischer Abfallberg: pro Kind rund eine Tonne. Wie schön wäre es doch , die Windeln einfach auf den Kompost zu werfen.

Für diese Idee hatte der Chemiker nächtelang Literatur studiert und im Internet recherchiert, um sein aus Kartoffeln hergestelltes Polyacrylpolymer zu entwickeln. In Gedanken habe er den Wasserspeicher auf molekularer Ebene zusammengebaut. Der Trick sind zwei verbundene Molekülketten. Die erreichen in Experimenten auf anhieb 70 Prozent der Saugkraft vergleichbarer Erdölprodukte.

Das Produkt

Wer sich für das Produkt interessiert, findet im Internet unter www.fairwindel.de nähere Informationen sowie den Online-Shop.

Im Vorverkauf werden dort Monatspackungen der Größe 3 (4-9 kg) mit 156 Stück und 4 (7-18 kg) mit 144 Stück angeboten.

In einem Blog sind Erfahrungsberichte abrufbar. Außerdem wird das Produkt näher erklärt: „Wie funktioniert eine Windel?“

Von Helge Treichel

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