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Oberhavel Mit dem historischen Ereignis live auf Sendung
Lokales Oberhavel Mit dem historischen Ereignis live auf Sendung
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17:01 09.11.2019
Wolfgang Krüger lebt heute in Bärenklau und engagiert sich in der Kommunalpolitik. Quelle: Enrico Kugler
Bärenklau

Die Wende. „Das war journalistisch die aufregendste Zeit“, sagt Wolfgang Krüger heute. Der 69-Jährige lebt seit 1993 in Bärenklau (Oberhavel). 30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert er sich, was er am 9. November 1989 gemacht hat.

Wolfgang Krüger war damals in West-Berlin Chefredakteur von Rias-TV, dem Fernsehableger des Radios im amerikanischen Sektor (Rias). Das Programm sendete zu diesem Zeitpunkt gerade mal seit etwas mehr als einem halben Jahr. Immer morgens gab es ein Frühstücksfernsehen, zum Feierabend um 17.50 Uhr ein Abendmagazin.

Die Ereignisse überschlagen sich

„Ich wohnte anfangs am Walther-Schreiber-Platz in Berlin und fuhr dann immer mit der U-Bahn zur Voltastraße.“ Dort waren die Studios des Senders. „Gelegentlich nahm ich meinen Fernsehdirektor mit. Wir mussten immer über die Müllerstraße fahren, fuhren dann faktisch auf der Chausseestraße auf die Mauer zu und bogen links ab. Und wir guckten uns dann immer an und fragten uns, ob wir erleben werden, dass die Mauer fällt. Wir sind davon ausgegangen, dass wir es nie erleben werden.“ Er schmunzelt, als er das erzählt.

Wolfgang Krüger moderierte am 3. Oktober 1990 das Rias-TV-Frühstücksfernsehen. Quelle: Youtube/RIAS-TV

Als spätestens im August 1989 die Fluchtwelle über Ungarn begann, da berichtete auch Rias-TV. Am 9. November hatte Wolfgang Krüger Dienst. „Ich hatte die ganze Woche die Moderation der Abendsendung.“ Immer parallel wurde in den Büros das DDR-Fernsehen verfolgt. „Weil sich die Ereignisse buchstäblich überschlugen.“ Nach der Live-Sendung, gegen 18.30 Uhr, fuhr er nach dem Abschminken nach Hause. Dort sah er die Bilder von der Pressekonferenz mit Günter Schabowski, der von einem Zettel die neuen Reiseregelungen verlas.

Journalisten strömen zurück in den Sender

„Es hat bei mir etwas gedauert. Und dann hat es klick gemacht.“ Er hat seiner Frau einen Zettel geschrieben: „Die Mauer ist gefallen. Ich bin zurück im Sender.“ Und er war nicht der Einzige. „Ohne dass wir mit irgendjemandem telefonieren mussten, strömten alle Kollegen in den Sender.“ Was bedeutet das alles? Das sei die große Frage gewesen.

Daraufhin seien dann viele Kamerateams in die Stadt und vor allem an die Mauer geschickt worden, um zu beobachten, was passiert. Es entstanden Bilder, die sich bis heute ins Gedächtnis der Deutschen gebrannt haben. „Das Wort des Abends war: Wahnsinn. Und es war wirklich Wahnsinn. Die haben an der Osloer Straße fast unseren Rias-Übertragungswagen umgekippt. Weil die Leute so froh waren, endlich mal ohne Drangsalierung rauszugehen.“ Es sei eine tolle Atmosphäre gewesen. „Die Leute lagen sich in den Armen.“ Es seien Tage der Glückseligkeit gewesen.

Nach zwei Stunden Schlaf kam das Frühstücksfernsehen

Er selbst aber musste in der Nacht vor allem arbeiten. „Man darf sich von der Welle der Emotionen in so einem Fall nicht überrollen lassen“, sagt er. Das sei erst später gekommen. „Dass ich mich der Wucht der Stimmung nicht entziehen kann, das geht wohl allen Beteiligten so.“ Man sei Zeuge eines welthistorischen Ereignisses geworden.

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In der Nacht habe er zwei Stunden geschlafen, dann ging es an die Vorbereitung des Frühstücksfernsehens. Die kompletten drei Stunden seien für die Berichte von der Mauerfall-Nacht freigeräumt worden. Am Morgen war Rias-TV das erste Programm, das auf Sendung ging, um zu zeigen, was in der Nacht in Berlin passiert war. Die persönliche Überwältigung musste dann auch zurückstehen. „Da ist man dann sehr professionell gefangen in Sendeabläufen.“ An die Nacht selbst und daran, wen er an dem Morgen im Studio gesprochen hat, könne er sich kaum erinnern.

Erst Journalist, dann Staatssekretär und IHK-Chef, heute Politiker

Auch am 3. Oktober 1990 moderierte er das Frühstücksfernsehen. Mit dem vereinigten Deutschland hatte sich aber auch der Sendeauftrag vom Rias erfüllt. Am 1. April 1992 ging Rias-TV in der bis heute bestehenden Deutschen Welle auf. Wolfgang Krüger war später Staatssekretär im Brandenburgischen Wirtschaftsministerium und später Hauptgeschäftsführer bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Cottbus. In Oberkrämer ist er für die CDU Gemeindevertreter, im Kreistag von Oberhavel ist er neuerdings der Vorsitzende.

Von Robert Tiesler

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