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Oberhavel Zauberhaftes Zusammenspiel
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13:26 04.08.2014
Herta Müller am Sonntagnachmittag in Bergsdorf.
Herta Müller am Sonntagnachmittag in Bergsdorf. Quelle: Uwe Halling
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Bergsdorf

„Mir sind die Bilder nicht mehr aus dem Kopf gegangen“, sagt sie. Erstmals hat sie sie vor drei Jahren gesehen, als sie in Bergsdorf aus ihrem Roman „Atemschaukel“ las. Damals wurde sie zudem Zeugin einer Eselsgeburt und taufte das Junge auf den Namen Oskar. Bei Mühlenhaupt fand sie die Darstellung von Personen sehr schön, die verschiedenen Gesichter. Die Bilder des Malerpoeten erzählten Geschichten, so wie auch die Titel der Bilder, die in ihrer Knappheit die kürzeste Form von Literatur seien. Die Idee für die gemeinsame Ausstellung hatten Hannelore Mühlenhaupt und Herta Müller. Ein pfiffiger Einfall war es dann, den Regisseur und Mühlenhaupt-Fan Andreas Dresen als Kurator und Eröffnungsredner zu gewinnen. Der suchte die 31 Bilder aus, denen Herta Müller dann jeweils vier ihrer Arbeiten zuordnete. Im Mittelpunkt stehen, wie bei einer Schriftstellerin nicht anders zu vermuten, Worte, die sie aus Zeitungen ausgeschnitten und neu zueinander geordnet hat. Es ist eine Lyrik entstanden, die nicht nur durch den Wortsinn besticht, sondern auch durch die grafische Ausgefeiltheit.

Andreas Dresen kannte Herta Müller bislang durch ihre kraftvollen Texte, wie er gestern sagte. Neu war ihm, dass die Nobelpreisträgerin auch mit Klebstoff und Schere arbeite. Sie komme ihm dabei vor wie ein Zirkusjongleur, der die Worte nimmt, sie durch die Luft wirft und wieder auffängt. „Berückende Gedankenspiele“ seien so entstanden. Allerdings sei die Wirkung der Texte nur der halbe Reiz. Eine „zauberhafte Beiläufigkeit“ begleite die Collagen. Allerdings sei ihm, so Dresen, auch klar, wie viel Arbeit und Ordnungssinn dazu gehört, diese Collagen zu schaffen.

Herta Müller spiele hier mit Sprache und das scheinbar ganz mühelos. In diesem Spiel sei sie Kurt Mühlenhaupt und dessen Arbeitsweise ganz nah, sagt Dresen. Herta Müller zaubere mit Worten und deshalb sollte diese Sprache neben konkrete Figuren von Kurt Mühlenhaupt gestellt werden. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut funktioniert.“ Für den Filmemacher sei es ein riesiges Vergnügen gewesen, auf dem Dachboden des Museums herumzustöbern. „Danke, dass ich das tun durfte“, sagte er in Richtung Hannelore Mühlenhaupts. Die Museumschefin zollte ihrerseits Herta Müller Respekt. „Ich bewundere die Person seit langem“, sagte sie gestern. Die Romane der Autorin hätten sie verstört. Wie erstaunt sei sie dann gewesen, als sie erstmals die Collagen sah und deren „unvermutete Leichtigkeit“.

Es trifft in der Ausstellung Malerei auf Literatur. Und diese Korrespondenz der beiden Künste ist es, die den Betrachter herausfordert und im Idealfall beglückt.

Von Andreas Röhl

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