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Zehdenick 24-jähriger Angeklagter zeigt Reue
Lokales Oberhavel Zehdenick 24-jähriger Angeklagter zeigt Reue
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17:40 06.12.2019
Vor dem Schöffengericht in Zehdenick ist am Freitag gegen ein 24-Jährigen verhandelt worden. Quelle: dpa/Uli Deck (Symbolbild)
Zehdenick

Das Schöffengericht Zehdenick befand am Freitag Nico L. für schuldig und verurteilte den 24-Jährigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr. In das Urteil wurde eine erhebliche Geldstrafe (7500 Euro) aus einem früheren Verfahren mit einbezogen. Aufgrund seines soliden sozialen Umfeldes – der Angeklagte arbeitet als Dachdecker und lebt in einer festen Beziehung – konnte die Strafe zu Bewährung ausgesetzt werden. Ein Bewährungshelfer wird dem Verurteilten für zwei Jahre zur Seite gestellt. Als weitere Auflagen wurden dem Angeklagten ein Antiaggressionstraining und jeweils 500 Euro für die Vereine „Opferhilfe“ und „Familienberatung“ auferlegt. Das Gericht ging von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Nico L. hatte zur Tatzeit etwa zwei Promille Alkohol im Blut.

Polizeibeamte angegriffen und verurteilt

In einem so genannten Adhäsionsverfahren hatten die Polizeibeamten Schmerzensgelder zwischen 1100 und 1500 Euro von dem Angeklagten verlangt. Das Gericht entsprach dem mit geminderten 600 Euro für den Polizisten und 1000 Euro für seine Kollegin. Die beiden waren in der Nacht zum 31. Dezember 2018 zur Schlichtung eines Streites zwischen Nico L. und seiner Freundin in die Zehdenicker Poststraße gerufen worden. Dort wurden sie von dem Angeklagten angegriffen und erheblich verletzt. Erst mit Hilfe von Pfefferspray und beherzt zugreifenden Anwohnern konnte der stark alkoholisierte, um sich schlagende und tretende Nico L. gebändigt werden. Ihm mussten Hand- und Fußfesseln angelegt werden. „Die Intensität des Widerstandes war so groß, dass selbst zwei ausgebildete Polizisten den Angeklagten nicht fixieren konnten“, warf der Staatsanwalt dem Angeklagten vor.

Verfahren wegen Körperverletzung eingestellt

Vor den Plädoyers des Anklägers und des Verteidigers beschloss das Gericht, ein weiteres anhängiges Körperverletzungsverfahren gegen den Angeklagten einzustellen. Laut Anklage soll er am Ostermontag in Marienthal einen Mann niedergeschlagen haben. Der Angeklagte behauptet aus Notwehr gehandelt zu haben. Da der vermeintlich Geschädigte auch am dritten Verhandlungstag nicht erschienen war, stellte der Staatsanwalt den Antrag, den Fall nicht weiter zu verhandeln. Die Strafprozessordnung lässt diese Möglichkeit zu. Offensichtlich legt der Zeuge keinen Wert auf eine Strafverfolgung.

Mehr Resozialisierung als Bestrafung

In seinem letzten Wort zeigte Nico L. Reue: „Es tut mir leid – es ist doof gelaufen.“ Der Vorsitzende bemerkte, dass der Verurteilte jetzt wohl auf einen guten Weg sei und dieses Urteil weniger als Bestrafung, sondern als „Resozialisierung“ für den Angeklagten zu sehen sei.

Von Helmut Schneider

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