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Zehdenick Ein Leben auf dem Wasser
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19:04 18.06.2018
Fred Schröder hat nur anhand von Fotos mehr als 30 Schiffsmodelle nachgebaut – wie etwa die „Wentow“.
Fred Schröder hat nur anhand von Fotos mehr als 30 Schiffsmodelle nachgebaut – wie etwa die „Wentow“. Quelle: Christina Koormann
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Zehdenick

Das Museumsschiff „Carola“ liegt am Zehdenicker Bollwerk der Elisabethmühle. Über hundert Jahre ist der 14 Meter lange Großfinowmaßkahn alt, mit dem über Jahrzehnte hinweg Güter nach Potsdam, Eberswalde und Berlin verschifft wurden. Fred Schröder erinnert sich gut an die Zeiten, als „Carola“ noch im Einsatz war: Er selbst hat als Sohn einer traditionellen Schifferfamilie einen Großteil seines Lebens auf Zehdenicker Kähnen verbracht und kennt die Geschichte der örtlichen Schifffahrt, weil sie auch seine Geschichte ist.

Ausbildung zum Dampfmaschinist mit 14 Jahren

„Ich bin schon als kleiner Junge auf dem Wasser zwischen Elbe und Oder unterwegs gewesen“, erzählt der heute 76-Jährige. Als Einzelkind musste er früh mit anpacken an Bord des Kahns seiner Eltern. Dass er den Beruf seines Vaters erlernen würde, war ihm früh klar. „Mit 14 Jahren habe ich meine Ausbildung zum Dampfmaschinist auf dem Dampfschiff Emmi-Else angefangen“, erinnert er sich.

Die „Carola“, Museumsschiff in Zehdenick. Quelle: Christina Koormann

Der Bezug zum Wasser war immer da: Auch seine Frau Bärbel hatte der Zehdenicker beim Angeln kennengelernt, mit ihr zusammen fuhr er zwischen 1966 bis zur Wende auf seinem eigenen Schiff, der „Havel“, und brachte damit Steine, Getreide, Kies und andere Güter in die umliegenden Binnenhäfen. „Es war ein Zirkusleben“, sagt der Schiffer und lacht. „Den ganzen Sommer auf dem Fluss, ohne Luxus wie Kühlschrank oder fließendes Wasser.“ Über den Winter gingen die Boote am Stadtgarten vor Anker. Nach der Wende arbeitete Fred Schröder dann beim Wasser-und Schifffahrtsamt Zehdenick.

Mehr als 30 Schiffsmodelle nachgebaut

Auf der „Carola“, mit der er nie selbst gefahren ist, können Besucher nicht nur viel über die bewegte Schiffer-Vergangenheit von Zehdenick erfahren, sondern auch die Stationen des Lebens von Fred Schröder entdecken. Alte Fotografien zeigen die „Havel“ und das Schiff seiner Eltern, sogar ein Stiftband in der Ausstellung, das die Mädchen schon im 19. Jahrhundert mit zum Ball des Schiffervereins mitbringen mussten, stammt aus seiner Familie.

Stiftsbänder von Schifferbällen aus beinahe zwei Jahrhunderten. Quelle: Christina Koormann

Und nicht nur das: Anhand von Fotografien hat Fred Schröder mehr als 30 Schiffe als Modell nachgebaut, von denen einige unter Deck der „Carola“ zu sehen sind. Zum Beispiel das Kontrollboot „Wentow“, das jahrelang beim Wasserstraßenamt sein Arbeitsplatz war, oder die „Havelland II“, ein Zehdenicker Fahrerschiff. „Meine Modelle sind alle aus Holz gebaut, sie sind nicht ganz maßstabgetreu“, sagt der Tüftler bescheiden. Wenn man so lange auf dem Wasser gewesen sei wie er, habe man in der Fantasie eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie so ein Schiff aufgebaut ist.

Orientierungslos im Nebel

Das größte Modell, das er nachgearbeitet hat, ist die „Fritz Eckert“, ein FDGB-Urlaubsschiff, das Gäste auf der Ostsee umherfuhr, die von der DDR besonders ausgezeichnet worden waren.

Wenn Fred Schröder von den alten Zeiten erzählt, spricht er lebendig und erinnert sich an viele Anekdoten. „Als ich mit meinen Eltern als kleiner Junge an Bord bei Wusterwitz in einen Nebel geraten bin, haben wir komplett die Orientierung verloren und sind letztendlich im Kreis gefahren“, erzählt er. „Wir mussten anlegen und warten, bis er sich wieder aufgelöst hat.“

Für das Schiffermuseum in Zehdenick wünscht er sich mehr Aufmerksamkeit und Investitionen vonseiten der Stadt: „Die Carola müsste dringend einen neuen Anstrich bekommen“, sagt der 76-Jährige. Die Schätze, die sich unter Deck verbergen und beinahe zwei Jahrhunderte Zehdenicker Binnenschifffahrt dokumentieren, habe diese Zuwendung verdient.

Von Christina Koormann