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Zehdenick Farbbeutel-Attacke in Wesendorf
Lokales Oberhavel Zehdenick Farbbeutel-Attacke in Wesendorf
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00:24 11.03.2019
Das Haus von Hans Peter Wolf und seiner Frau wurde mit ölhaltiger Farbe beschmiert. Quelle: Robert Roeske
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Wesendorf

Hans Peter Wolf kam am Donnerstagabend kurz nach 21 Uhr nach Hause und war entsetzt. Mit roter Farbe hatten Unbekannte sein Haus beschmiert. Die Kriminalpolizei sicherte noch am späten Abend die Spuren und stellte fest, dass es sich um eine ölhaltige Farbe, etwa Hydraulikflüssigkeit, handelt.

Farbbeutel-Attacke bei Hans Peter Wolf in Wesendorf Quelle: privat

Der 67-Jährige wird wegen seines Standpunktes zu der geplanten Erdgasförderung in der Region von Zehdenick angefeindet – auch öffentlich, wie bei der Ortsbeiratssitzung Ende Februar in Wesendorf. In einem Leserbrief in der MAZ sprach er sich für eine sachliche Debatte zu dem Thema aus.

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„Das ist die Quittung dafür“, vermutet Hans Peter Wolf. „Ich werde jetzt nicht den Kopf einziehen“, kündigte er an. Die Polizei hält einen Zusammenhang für möglich und hatte ihn gewarnt, dass es weitere Angriffe geben könnte. Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt wegen Sachbeschädigung.

Thema wird heiß diskutiert

Das Thema Erdgasförderung in der Region um Zehdenick wird zurzeit heiß diskutiert. Eine Ende Januar in Templin gegründete Bürgerinitiative will das Gasbohren wegen der möglichen Gefahren für Umwelt und Gesundheit verhindern. Anfang des Jahres fanden seismische Untersuchungen statt. Die niederländische Firma Jasper Resources plant, nach Auswertung der Ergebnisse Probebohrungen zu beantragen. Am Montag findet in Zehdenick dazu eine Gesprächsrunde mit 50 Teilnehmern statt.

Hans Peter Wolf stammt aus dem Ruhrpott, aus dem Kreis Recklinghausen. Er hat selbst als Bergmann unter Tage gearbeitet und hält aus seiner beruflichen Erfahrung her­aus die Ängste, die im Zusammenhang mit der geplanten Erdgasförderung geschürt werden, für „maßlos übertrieben“. „Da ist überall etwas dran“, sagt er zu den Argumenten der Gegner des Gasbohrens. „Aber es werden hauptsächlich Halbwahrheiten verbreitet.“

Das achte Jahr im Ortsbeirat

2006 zog er mit seiner Frau nach Zehdenick, „weil es eine schöne Gegend ist“, brach die Zelte in der alten Heimat ab. Das achte Jahr engagiert er sich im Ortsbeirat. Für die bevorstehende Kommunalwahl hat ihn die Wählergruppe Schorfheide nicht wieder als Kandidaten aufgestellt. Hans Peter Wolf hat sich noch nicht entschieden, ob er sich anders orientiert. „Bis jetzt haben wir uns hier sehr wohl gefühlt“, sagt der Wesendorfer. Auch er will die Natur genießen und nicht, dass etwas kaputt gemacht wird.

Am Runden Tisch ins Gespräch kommen

„Damit ist eine rote Linie überschritten“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Dirk Wendland zu der Farbbeutel-Attacke. „Da ist jemand, der eine Meinung hat, und er wird mit strafbaren Aktionen diskreditiert – das ist schwer zu verurteilen.“ Die Stadtverordnetenversammlung Zehdenick habe deutlich ausgedrückt, dass in einer sachlichen Atmosphäre Informationen und Argumente ausgetauscht werden.

Um eine Basis für Verständigung und Diskussion zu schaffen, wurde der Runde Tisch organisiert. Der persönliche Angriff auf einen Bürger torpediere das Ziel all derjenigen, die miteinander ins Gespräch kommen wollen. „Wir sind stolz darauf, vor 30 Jahren eine friedliche Revolution hingekriegt zu haben und jetzt sind wird nicht in der Lage, sachlich Argumente auszutauschen“, so Dirk Wendland.

Bürgerinitiative distanziert sich

„Wir distanzieren uns grundsätzlich von solchen Aktionen“, erklärt Ralph Rieseberg, Sprecher der Arbeitsgruppe Zehdenick in der Bürgerinitiative gegen Gasbohren Zehdenick-Templin-Gransee. Er sei überzeugt davon, dass für die Schmierereien kein Mitglied verantwortlich sei. „Die Bürgerinitiative hat von Anfang an auf jeder Veranstaltung betont, dass der Protest friedlich und sachlich sein muss.“ Er und seine Mitstreiter hoffen, dass es beim Runden Tisch am Montag Antworten auf viele offene Fragen gibt, „Licht ins Dunkel gebracht“ und Spekulationen einen Ende gesetzt wird.

Die Teilnehmerzahl der Gesprächsrunde am Montag um 18 Uhr in der Lindengrundschule wurde absichtlich begrenzt, um einen Dialog zu ermöglichen. Deshalb hat die Bürgerinitiative zu einem „schweigenden Spalier“ aufgerufen.

Die Sachbeschädigung an dem Haus der Familie Wolf ist nicht die erste, die im Zusammenhang mit den Protesten gegen das Gasbohren steht. Bereits Anfang des Jahres war ein fünfstelliger Schaden entstanden, als die für die seismischen Untersuchungen verwendeten Messkabel zerschnitten wurden. Schmierereien am Bahnhof Vogelsang wurden kürzlich entdeckt.

Von Martina Burghardt