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Zehdenick Frau aus Gransee keine Betrügerin
Lokales Oberhavel Zehdenick Frau aus Gransee keine Betrügerin
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18:41 04.07.2019
Das Schöffengericht in Zehdenick konnte einer Frau aus Gransee keinen gewerbsmäßigen Betrug nachweisen und sprach sie frei.
Das Schöffengericht in Zehdenick konnte einer Frau aus Gransee keinen gewerbsmäßigen Betrug nachweisen und sprach sie frei. Quelle: dpa/Uli Deck
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Zehdenick

Jana S. fiel aus allen Wolken, als ihr eine Anklage von der Staatsanwaltschaft Neuruppin ins Haus flatterte. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug. Sie soll im Dezember 2017 in fünf Fällen, Grafikkarten, Bodenstaubsauger, Drohnen im Gesamtwert von 3036 Euro im Internet angeboten, aber nicht geliefert haben. Ein Kunde aus Nordrhein-Westfalen hatte vergeblich auf seinen Bodenstaubsauger gewartet. Misstrauisch geworden recherchierte er nach der Anbieterin und erhielt das Bild und die Adresse der Angeklagten übers Internet. Damit erstattete er Anzeige bei der Polizei, die aufgrund dieser Beweise überzeugt war, dass es sich bei der Granseerin um eine Betrügerin handeln muss. Nachforschungen, wo das Geld geblieben war, stellten sie jedoch nicht an. Alle fünf Käufer hatten Vorkasse geleistet.

Selbst Opfer krimineller Banden geworden

In vier Verhandlungstagen versuchte das Zehdenicker Schöffengericht, Licht ins Dunkel zu bringen, konnte jedoch der Angeklagten keine Schuld nachweisen. „ Der Nachweis, dass das Geld von der Angeklagten in Anspruch genommen wurde, konnte nicht geführt werden. Deshalb ist sie frei zu sprechen“, verkündete am Donnerstag der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Zuvor hatte die Staatsanwältin eingeräumt, dass die Frau offensichtlich Opfer von kriminellen Internetbanden geworden war und deshalb nicht verurteilt werden könne.

Rentnerin: Wie kann so etwas möglich sein?

Diese Einsicht wurde durch zwei Zeuginnen am Donnerstag, dem letzten Prozesstag, erhärtet. Christiane O. aus Mecklenburg staunte, als ihr der Richter Geldeinnahmen auf einem Online-Banking-Konto zeigte, dass auf ihren Namen lief. „Jesus Maria, mehr als 3000 Euro sind drauf. Wie kann so etwas möglich sein?“, wunderte sich die 59-jährige Rentnerin. Sie habe einmal ein Konto bei dieser Bank beantragt, weil ein Online-Händler das verlangte, mit dem sie einen Provisionsvertrag abschließen wollte. Als sie von dem einen unterschriebenen Vertrag verlangte, habe der sich nicht wieder gemeldet. Dieses Konto habe ich niemals benutzt, beteuerte die Frau glaubwürdig.

Web-Seiten von Banken und Firmen oftmals gefälscht

Ähnlich muss es der Angeklagten ergangen sein. Sie hatte aufgrund einer Kleinanzeige 2017 bei der Fidorbank (Onlinebank) einen Ratenkredit aufnehmen wollen und musste dazu dort ein Konto eröffnen. Dafür musste sie über Video ihren Ausweis, Handynummer, E-Mail Adresse und sich selbst zeigen. Wahrscheinlich war das alles „gefakt“. So nahmen die Betrüger sie als Händlerin der gar nicht vorhandenen Artikel und ließen das Geld auf das Konto der ebenfalls ahnungslosen mecklenburgischen Rentnerin einzahlen, um es dann gleich wieder abzuheben. So ungefähr könnte es gewesen sein, bestärkte Beate B., die zweite Zeugin diese Theorie. Sie ist als Juristin bei der Fidorbank tätig und bestätigte, dass oft Web-Seiten von Banken und Firmen für solche Zwecke von Kriminellen gefälscht werden. In diesem konkreten Fall sei auffällig, dass bei der Angeklagten häufig die Handynummern gewechselt wurden. Oftmals auch ausländische, beispielsweise auch russische.

Die Lehre aus diesem Prozess ist, Vorsicht mit der Herausgabe von persönlichen Daten ins Internet und nicht leichtfertig Waren bezahlen, die man noch gar nicht hat!

Von Helmut Schneider