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Zehdenick Spinnerinnen unter sich
Lokales Oberhavel Zehdenick Spinnerinnen unter sich
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00:22 11.01.2019
Es sieht ganz leicht aus, will aber geübt sein: Anne Pries lädt regelmäßig Gleichgesinnte zum Spinntreff ein. Quelle: Martina Burghardt
Zehdenick

Stroh zu Gold spinnen, das möchte man können. Anne Pries weiß immerhin, wie aus Schafwolle Fäden gesponnen und daraus ein kuschliges Tuch, ein Teppich oder ein Tischläufer gewebt wird. Handwerk hat ja auch goldenen Boden.

Das Spinnrad (links) ist etwa 100 Jahre alt – und spinnt noch. Quelle: Martina Burghardt

Die Webstühle in ihrer Werkstatt, dem Stickatelier im ehemaligen Backhaus auf dem Hinterhof des Mietshauses in der Berliner Straße, standen am Montagabend allerdings still. Einmal im Monat leisten sich nämlich Frauen aus der Umgebung dort gegenseitig Gesellschaft. Sie spinnen auf ihren eigenen Spinnrädern, schwatzen und trinken Tee. Im Winter in der Werkstatt, im Sommer auf dem Hof davor.

Anne Pries entwirft am Computer die Bilder, die von der Stickmaschine auf T-Shirts, Handtücher oder andere Textilien übertragen werden. Quelle: Martina Burghardt

Im März 2018 eröffnete Anne Pries ihre Werkstatt, genau am Tag des Europäischen Kunsthandwerks. Die 50-Jährige gibt Kurse im Weben, Sticken und Spinnen. Seit August lädt sie zum Spinntreff ein.

Da kann man gut Erfahrungen austauschen, Ratschläge einholen. Keine Frage bleibt unbeantwortet, ob es um das Waschen der Schafwolle, das Material der Kettfäden oder Spinnräder geht. Welches Tier die beste Wolle hergibt, um ein Babyjäckchen zu stricken oder welche Wolle sich für eine robuste Webarbeit eignet – Anne Pries weiß das.

Früh mit dem Sticken begonnen

Dabei hat sich die gelernte Erzieherin ihr Wissen über die traditionellen Handarbeiten selbst angeeignet. Gestickt habe sie schon als Kind, erzählt sie. Später war es eine antike Stickerei, die ihr Interesse weckte. Sie nahm an Fortbildungen teil und meldete ein Gewerbe an. Heute steht eine moderne Stickmaschine in der alten Backstube, daneben ein Computer, auf dem Anne Pries die Vorlagen zeichnet.

Zehdenicker Motive als Mitbringsel

Gerade hat sie Zehdenicker Motive entworfen, die sie auf Leinentaschen stickt. Die Touristinformation hat schon nachbestellt. Eines der Bilder zeigt die Elisabethmühle. „Das war die letzte Tuchmühle in Zehdenick, 1884 wurde sie zur Getreidemühle umgebaut“, so Anne Pries. „Von 1281 an wurden Tuche gewebt und gewalkt.“ Mit dem Spruch „Nach 134 Jahren klappern in Zehdenick wieder die Webstühle“, hat sie schon so manchen Besucher verblüfft. Zum Weihnachtsmarkt am zweiten Advent hatte Anne Pries ihre Werkstatttüren offen. Der Andrang überraschte sie selbst.

Die Fotos wurden vor vier Jahren aufgenommen, vor dem Umbau des Hauses, das Anne Pries und ihr Mann gekauft und saniert haben. Quelle: Martina Burghardt

Anne Pries und ihr Mann arbeiten noch in Berlin, das „Stickatelier Anne“ ist deshalb nicht täglich geöffnet. Ihr Sohn (27) wohnt bereits in dem Haus, er hat als Zimmermann Arbeit in Zehdenick gefunden.

Ist es eigentlich Zufall, dass die Randberliner vor vier Jahren auf der Suche nach einem Haus in Zehdenick genau dieses an der Hirten- und Rahmenstraße entdeckten? Da, wo vermutlich die Schafe entlanggetrieben wurden und die Weber lebten? Bei dem leisen Surren des Spinnrades macht man sich darüber schon so seine Gedanken.

Der Wolf – damit wird die Schafwolle kardiert, also gekämmt. Quelle: Martina Burghardt

Auf dem Schoß die Schafwolle, den Fuß auf dem Pedal, der das Rad in Schwung hält, die Finger formen einen gleichmäßigen Faden, der sich um die Spule wickelt – so plaudern die Frauen. Und planen bereits einen „Betriebs“-Ausflug. In der Uckermark gibt es nämlich einen Spinnradhersteller und eine Naturfasermühle. Über derart fachkundige Besucher dürften sich die Unternehmen freuen. Anne Pries hat selbst ein etwa 100 Jahre altes Spinnrad hergerichtet. Mehrere Webstühle aus den 1980er und 1990er Jahren stehen in ihrer Werkstatt, die bei Bedarf an Kursteilnehmer ausgeliehen werden.

Dass die Kardiermaschine, mit der Schafwolle gekämmt wird, ausgerechnet Wolf heißt, ist eine der Kuriositäten, über die es sich beim Spinntreff locker plaudern lässt. Oder darüber, woher Coburger Fuchsschafe ihren Namen haben.

Guter Rat für Anfänger

Fast alle Frauen, die sich zum Spinntreff einfinden, kennen sich mit dem Handwerk aus. Für Anfänger hat Anne Pries einen guten Rat. „Man sollte unbedingt mit einer Handspindel anfangen, um die Technik zu lernen“, sagt sie. Das Pedal gleichmäßig zu treten, erfordere nämlich extra Übung. Wenn Hände und Fuß wissen, wozu sie gebraucht werden, spinnt es sich fast wie von selbst.

Von Martina Burghardt

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