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Zehdenick Ferienwohnungen im ältesten Haus
Lokales Oberhavel Zehdenick Ferienwohnungen im ältesten Haus
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17:47 27.03.2019
Steffen Woidtke richtet in einem der ältesten Häuser Zehdenicks Ferienapartments ein. Der Umbau hält einige Herausforderungen bereit. Quelle: Martina Burghardt/privat
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Zehdenick

 Es sind nur wenige Details, die den Betrachter auf die Besonderheiten des Gebäudes in der Schleusenstraße 29 in Zehdenick aufmerksam werden lassen. Aufgesetzte Dachfenster und kleine, merkwürdige Figuren rechts und links der Einfahrt. Ansonsten behält das Haus seine Geschichte für sich, verbirgt sie hinter einer grauen Fassade.

Steffen Woidtke will Farbe ins Geschehen bringen. Und er hat Nachforschungen angestellt. Seit dem vergangenen Jahr gehört ihm das Haus. „Das älteste in Zehdenick“, sagt er. Kaum zu glauben, aber das könnte tatsächlich der Fall sein.

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Während des Umbaus entstanden etliche solcher Fotos. Quelle: privat

Das zweistöckige Gebäude ist eines von dreien, die den großen Stadtbrand 1801 überstanden haben. Es steht auf dem Gelände und war Bestandteil des bereits 1438 nachgewiesenen Eisenhüttenwerkes, in dessen Tradition der Große Kurfürst im 17. Jahrhundert einen Hochofen in Zehdenick errichten ließ. Hauptprodukt: Kanonenkugeln. Dafür wurde der in Lagerstätten der näheren und weiteren Umgebung gewonnene Raseneisenstein verwendet. Der Hochofen war insgesamt hundert Jahre in Betrieb.

Die Aufzeichnungen reichen nur 200 Jahre zurück

Ein Nachweis über das tatsächliche Alter des Wohnhauses existiert offenbar nicht. Breite Dielen, selbst geschmiedete Nägel, schiefe Wände, eine zur Küche umfunktionierte Räucherkammer – das alles entdeckte der neue Besitzer, nachdem er im Mai 2018 mit dem Umbau begonnen hatte.

Auch Kurioses kam während der Sanierungsarbeiten zum Vorschein: eine Bierflasche von 1890 zum Beispiel, ebenso Reste von Zeitungen aus den Jahren 1849 und 1943. „Nach dem Krieg haben 16 Personen auf engstem Raum in dem Haus gelebt“, hat Steffen Woidtke vom Vorbesitzer erfahren.

Zwei solcher Radabweiser stehen an der Einfahrt. Quelle: Martina Burghardt

Das Wissen über die Geschichte ist spärlich, die baulichen Zeugnisse reichten wohl auch nicht, um das Wohnhaus unter Denkmalschutz zu stellen. Dafür stehen die beiden Gusseisenmänner, sogenannte Radabweiser, die Gebäudecken oder Toreinfahrten vor Beschädigungen durch die eisernen Radreifen der Pferdewagen schützen sollten, unter Schutz.

Im Moment halten die Handwerker das Zepter in der Hand. Sie richten zurzeit vier Ferienwohnungen her. Im Mai 2018 begann der Umbau. Steffen Woidtke ist Maler im Reisegewerbe und Raumausstatter. Vor fünf Jahren hat sich der 38-Jährige selbstständig gemacht und beschäftigt inzwischen vier Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin. Die Firma bekommt ihre Aufträge überwiegend in Zehdenick.

Die Lage ist günstig

Steffen Woidtke und seine Frau, die sich um die Vermarktung der Ferienwohnungen kümmern wird, haben sich für gehobenen Standard entschieden. „Dafür gibt es Bedarf“, so Steffen Woidtke. „Hochwertige Angebote fehlen“, haben ihm Fachleute bestätigt. Sein Konzept hat auch die Behörden überzeugt. Für den Umbau gab es EU-Fördermittel aus dem Programm zur Förderung des ländlichen Raums. Günstig ist die Lage in der Nähe des Stadthafens. Die Apartments sind unter anderem mit Infrarot-Sauna, Whirlpool, Boxspringbetten, teilweise Fußbodenheizung ausgestattet.

Die Rückansicht des alten Hauses mit einem jüngeren Anbau. Quelle: Martina Burghardt

Der Garten soll eine Oase für die Gäste werden, so stellt es sich Steffen Woidtke vor. Die Pläne dafür hat er längst im Kopf. Die Fassade des alten Hauses wird im nächsten Jahr neu gestaltet. Den Entwurf dafür hat der Maler schon einmal an die Giebelwand gepinnt. Dort ist auch ein Banner gespannt, auf dem zum Tag der offenen Tür eingeladen wird. Bei Sekt und Gegrilltem will die Familie die frisch renovierten Wohnungen zeigen, auch wenn noch nicht alles ganz fertig ist. Musik, Hüpfburgen und hochwertige Tombola-Preise sollen die Gäste anlocken.

Das Wunschbild vom Haus in der Schleusenstraße Zehdenick Quelle: privat

Wie viel Arbeit die Renovierung eines so alten Hauses machen würde, davon hatte Steffen Woidtke anfangs eine andere Vorstellung. „Das war eine harte Zeit, aber wir machen’s möglich“, sagt er. Und er ist froh, dass seine Kollegen dabei immer hinter ihm gestanden haben.

Von Martina Burghardt