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Zehdenick „Sie ist wie ein Schlüssel, der Türen öffnet“
Lokales Oberhavel Zehdenick „Sie ist wie ein Schlüssel, der Türen öffnet“
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18:38 22.06.2018
Elfi Klepsch von den Kunstfreunden Zehdenick.
Elfi Klepsch von den Kunstfreunden Zehdenick. Quelle: FOTO: Christina Koormann
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Zehdenick

Unter den Bildern der aktuellen Ausstellung in der Galerie der Kunstfreunde Zehdenick stehen liebe Worte, Erinnerungen, Anekdoten, Danksagungen und Gedanken zu der Person, die zum Malen ebendieser Bilder animiert hat: Elfi Klepsch, langjährige Leiterin unzähliger Volkshochschulkurse in Zehdenick und stellvertretende Vereinsvorsitzende der Kunstfreunde, hat in ihrer Tätigkeit als Kunstpädagogin die Kreativität von mehr als 600 Menschen angeregt und ihnen die Augen für die Kunst geöffnet. Mit der Ausstellung „Gemalt bei Elfi“, die seit dem 10. Juni in der Marktstraße 15 zu sehen ist, bedanken sich 27 Künstler aus ihren letzten zwei Volkshochschulkursen und verabschieden sich gleichzeitig mit dieser Geste von ihrer engagierten Lehrerin.

Elfi Klepsch, Jahrgang 1940, möchte noch gar nicht aufhören mit ihrer Arbeit. Doch aus gesundheitlichen Gründen kommt der Abschied nun eher als gedacht. „Ich hätte sehr gerne die 25 Jahre voll gemacht“, sagt die 78-Jährige bedauernd. Von der Ausstellung ist sie noch immer gerührt, die vielen netten Worte und Danksagungen haben sie mitten ins Herz getroffen. „Ich wollte noch gar nicht gehen, es ist nun ein sehr abrupter Abschluss.“ Aus Altersgründen habe sie zwar sowieso bald den Abschied einreichen müssen – sie war die älteste Dozentin im Kreis. „Aber eigentlich habe ich gar nicht daran gedacht, irgendwann mal aufhören zu müssen.“

Die vielen dankbaren und warmherzigen Reaktionen auf Elfi Klepschs Abschied zeigen, wie sehr sie ganze Generationen von Kunstschülern geprägt hat. „Es ist schön, dass ich Einfluss auf die künstlerische Seele der Maler nehmen konnte“, sagt die Frau, die noch immer voller Begeisterung ist. Für das aktuelle Projekt der Kunstfreunde in Zusammenarbeit mit Siegfried Hase im Kunstwald bei Groß Dölln hat sie mithilfe ihres Schülers Burkhard Morawietz ein eigenes kleines Kunstwerk aus Holz geschaffen.

Die Liebe zur Kunst entwickelte Elfi Klepsch schon als kleines Mädchen. Durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs kam sie als Sechsjährige nach Zehdenick und wuchs bei Adoptiveltern auf. Weil sie sich Spielzeug wünschte, fertigte sie sich selbst Stoffpuppen an. Darin lag nicht nur ihre Kreativität begründet, sondern wuchs immer mehr: Ganze Szenerien bestückte sie mit ihren Puppen, etwa eine Ausstellung zu Ziegelei-Arbeitern in Mildenberg und einer Weihnachtskrippe in der Kirche. „Ich habe insgesamt 600 Puppen hergestellt“, sagt die Künstlerin im Gespräch mit der MAZ. An der pädagogischen Hochschule in Potsdam hat Elfi Klepsch von 1958 bis 1963 Kunst studiert. Als Lehrerin arbeitete sie in Gransee, Reichenbach und Zehdenick, bis sie durch Krankheit im Jahr 1988 berentet wurde. Doch als Kunstpädagogin begann sie mit ihren Kursen an der Volkshochschule.„Meine Lieblingstechnik ist die zarte Aquarellmalerei“, sagt Elfi Klepsch, deren Arbeiten jedoch ganz vielfältig sind: Ölbilder, Pastelle, Keramiken und Textilkunst prägen ihre Werke.

Elfi Klepsch ist Künstlerin aus voller Seele, mit Energie und Begeisterung hat sie über Jahrzehnte hinweg Menschen einen Zugang zu ihrer kreativen Ader verschafft. Dass der Verein der Zehdenicker Kunstfreunde gegründet wurde, ist laut Vereinsvorsitzender Petra Schier Elfi Klepsch zu verdanken. „Ohne sie wäre er nicht entstanden – in ihrem Kurs kam 2001 die Idee dazu auf.“ Elfi sei eine Person, die immer gegeben und gegeben habe und sowohl für die Stadt Zehdenick als auch für das Ansehen der Region sehr viel getan habe. „Ihr Name ist wie ein Schlüssel, den man in Türen steckt, die sich dann öffnen“, sagt Petra Schier über Elfi Klepsch. Das zeigte sich auch bei den internationalen Kunstworkshops im polnischen Reymontowka, wo die Kunstpädagogin ganze acht Mal mit der Zehdenicker Kunstgruppe den Landkreis Oberhavel vertrat. „Dort brauchte man nur ihren Namen auszusprechen, und jeder wusste, wer gemeint war“, sagt Petra Schier. Elfi Klepsch hatte die Bühne künstlerisch gestaltet, aber auch Requisiten hergestellt, geschauspielert und Sketche vorbereitet. „Zum 200. Geburtstag von Chopin haben wir einen Flügel aus Flaschen gebaut“, erinnert sich die Zehdenickerin.

Viele Jahre war die engagierte Künstlerin auch für Zehdenick als Augusta, die Frau des Bürgermeisters von 1940, eine Kultfigur und trat in dieser Rolle auch in Oranienburg, bei der Landesgartenschau und der Grünen Woche auf. In der AWO hat sie viele Jahre Kunstkurse gegeben, Veranstaltungen moderiert und sich um die Dekoration auf den Fluren gekümmert. „Sie hat immer die Stadt Zehdenick wunderbar repräsentiert“, betont Petra Schier. Völlig zu Recht hat Elfi Klepsch deshalb auch im Jahr 2007 den Kulturförderpreis des Landkreises Oberhavel verliehen bekommen.

„Wie sehr sich Elfi engagiert hat, wird niemand vergessen“, sagt Petra Schier. „Sie ist uns als Ehrengast nach wie vor immer willkommen.“

Von Christina Koormann