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Zehdenick Besuch aus Tunesien in der Havelstadt
Lokales Oberhavel Zehdenick Besuch aus Tunesien in der Havelstadt
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18:35 12.12.2019
Gäste aus Tunesien waren am Donnerstag im Hallo-Nachbar-Laden in der Marktstraße Zehdenick. Quelle: Martina Burghardt
Zehdenick

Juristen, Richter, Akademiker sowie Vertreter von kleineren Organisationen und Initiativen gehören zu der Gruppe von Tunesiern, die zum Abschluss ihres dreitägigen Deutschlandbesuchs am Donnerstag einen Ausflug nach Zehdenick unternahmen. Ihr Ziel war es, mehr über Bürgerbeteiligung und zivilgesellschaftliches Engagement für den Aufbau der Demokratie im eigenen Land und die damit verbundene Dezentralisierung zu erfahren. Zwei Kommunen, eine im ländlichen Raum und eine in der Nähe von Tunis, werden dabei von der deutschen Nichtregierungsorganisation Democracy Reporting International (DRI), unterstützt. Bei dem Projekt geht es um die Evaluierung lokaler Demokratiestrukturen. Dafür wurden zwei Teams mit je acht Mitgliedern geschult.

Hoffen auf mehr Teilhabe

Während ihres Aufenthaltes in Berlin lernten die Tunesier bereits Bürgerinitiativen und Vertreter von Kommunen kennen. Interessiert waren sie vor allem an der Nähe und Zugänglichkeit von politischen Entscheidungen. Von der Dezentralisierung im eigenen Land erhoffen sie sich mehr Teilhabe und Autonomie auf regionaler und lokaler Ebene.

Mario Ledderhose berichtete in Zehdenick über die Heimatschule Menz. Quelle: Martina Burghardt

Hannah Becker, DRI-Programmverantwortliche für Projekte in Tunesien, stieß bei ihren Vorbereitungen für diesen Besuch auf die Heimatschule Menz. Mit seinem Motto „Wir lassen die Zukunft im Dorf“ hat der Dorfverein in den Klassenräumen der alten Schule eine Begegnungsstätte für alle Menzer geschaffen und wurde damit Preisträger in dem Programm „Neulandgewinner. Zukunft erfinden vor Ort“ von der Robert-Bosch-Stiftung. Mario Ledderhose, einer der Initiatoren, schlug weitere Beispiele aus der Region vor und stellte den Kontakt zu Gudrun Lomas her, die sich an dem Projekt „Zehdenick leben“ beteiligte.

Raum für Begegnungen

Aus dem vor einem Jahr gestarteten Ideenfindungsprojekt der Zehdenicker ging unter anderem der Anfang Oktober eröffnete Treffpunkt „Hallo Nachbar“ in der Marktstraße 2hervor. Im Sprachcafé treffen sich die Zehdenicker mit Geflüchteten, um ihnen Deutsch näher zu bringen, Vorurteile abzubauen und Raum für Begegnungen zu schaffen, wie Projektleiterin Petra Dellport berichtete. Gerade die Einbeziehung der Kinder und die entsprechenden Angebote für sie bringen die Erwachsenen einander näher.

Im Hallo-Nachbar-Laden traf man sich nun mit den Tunesiern, um sich über bürgerschaftliches Engagement auszutauschen. Dass die Zehdenick als Stadt zur ländlichen Region zählt, ist einer der Unterschiede, die dabei zur Sprache kamen. Interessiert waren die Besucher vor allem an dem Umgang miteinander. Wie die Hallo-Nachbar-Angebote bekannt gemacht werden und wie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung funktioniert, wollten sie genauer wissen.

Gemeinsam etwas schöner machen

Dirk Wendland, stellvertretender Bürgermeister, konnte dazu ebenfalls Auskunft geben. „Ich freue mich ganz besonders über diesen Besuch“, sagte er und erklärte: „Wir bemühen uns, mit unseren Bürgern gemeinsam immer ein bisschen besser zu werden.“ Als Beispiel nannte er den Laternenzauber, den Weihnachtsmarkt am vergangenen Wochenende, an dem sich rund 200 Zehdenicker aktiv beteiligt hatten. „Wenn etwas schöner wird, dann nur durch uns selbst“, so Dirk Wendland.

„Dieser Besuch ist der Abschluss des seit mehreren Monaten laufenden Evaluierungsprozesses“, berichtete Hannah Becker, die gemeinsam mit den tunesischen DRI-Experten für Zivilgesellschaft Emna Moudhi und Aly Mhenni die Delegation begleitete. Die Teams wurden für die Evaluierung trainiert, mit Hilfe von Wissenschaftlern wurden Daten gesammelt, Umfragen gestartet und Interviews geführt, um herauszufinden, wie es um die Demokratie in Tunesien bestellt ist.

Inspiration aus Deutschland

Für jede der beteiligten tunesischen Kommunen wird nun ein Bericht mit Vorschlägen erarbeitet. „Die Herausforderungen sind identifiziert“, so Hannah Becker. Der Besuch in Deutschland diente der Inspiration für konkrete Vorhaben, wie die Bevölkerung in die Demokratisierung eingebunden werden kann. Das wird noch Jahre dauern. „Der Dezentralisierungsprozess zur Schaffung nachhaltiger Strukturen ist auf 27 Jahre angelegt“, so die Politikwissenschaftlerin.

Beeindruckt von dem Besuch waren sowohl Gastgeber als auch Gäste. „Wir gratulieren Ihnen“, sagte ein Tunesierin. „Eine kleine Stadt, aber ganz groß in ihren Aktivitäten.“

Von Martina Burghardt

Einen weiteren Blumenkübel haben die Frauen der Zehdenicker Malgruppe mit einem Bild verschönert. Damit wurde eine Initiative zur 800-Jahr-Feier fortgesetzt. Die Stadt bedankte sich mit einem Präsentkorb.

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