Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Zehdenick Uhrmacher zieht in vierter Generation die Zehdenicker Rathausuhr auf
Lokales Oberhavel Zehdenick Uhrmacher zieht in vierter Generation die Zehdenicker Rathausuhr auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:51 28.07.2019
Einmal pro Woche, jeden Freitag um neun Uhr, zieht Uhrmacher Enrico Szary die Rathausuhr in Zehdenick auf.  Quelle: fotos. annika Jensen
Zehdenick

Das große Hemmungsrad gibt ein lautes, regelmäßiges und schnelles Klackern von sich. Das Zahnrad ist eines von vielen weiteren im Uhrwerk der Zehdenicker Rathausuhr. Uhrmachermeister Enrico Szary steht vor der Konstruktion und dreht an einem großen aufgesetzten Hebel. Jeden Freitag um neun Uhr steigt er die 68 Stufen in dem kleinen Turm des Rathauses hinauf, öffnet die kleine mit Glasfenstern versehene Kammer, in der die Uhr steht, und zieht die alte Uhr auf.

Uhrmacher Enrico Szary zieht einmal pro Woche die Rathausuhr in Zehdenick auf. Dazu vergleicht er die Uhr mit seiner Funkuhr am Handgelenk. Quelle: Annika Jensen

„Heute ist es ganz schön warm hier oben“, sagt er und öffnet an diesem sonnigen Freitagmorgen zu allererst zwei der vier Fenster, die in alle Himmelsrichtungen zeigen. Der Blick von hier oben ist großartig, fast ein Privileg. Denn freilich befindet sich die Uhr in einem abgesperrten Bereich und in Zehdenick gibt es sonst kaum eine Möglichkeit, die Stadt von oben zu bestaunen.

Für dieses Panorama unter knallblauem Himmel hat Enrico Szary aber kein Auge, er konzentriert sich auf das Uhrwerk. Nachdem er die Kammer der Uhr geöffnet hat, schaut er auf seine Funkuhr am linken Handgelenk. „Diese alte Uhr ist eine mechanische, ein Messgerät gibt es dafür nicht“, sagt er. „Deswegen kann ich sie nur mit einer Funkuhr vergleichen.“ Heute weicht sie 15 Sekunden von dem modernen Exemplar ab. Das ist noch im Toleranzbereich.

Aber später als am vergangenen Freitag. „Es ist sehr warm. Darauf reagiert die Uhr“, sagt Szary. „Das Material, also der Stahl und das Messing, dehnt sich durch die Hitze aus, dadurch werden die Widerstände größer und die Uhr langsamer.“ Falls es nächste Woche wieder kühler sein sollte, „reguliert sich die Uhr von selbst, dann läuft sie wieder pünktlicher.“

Das Uhrwerk der Rathausuhr in Zehdenick. Es ist über 90 Jahre alt. Im Jahr 2012 wurde es saniert. Quelle: Annika Jensen

Seit 1910 betreut das Uhrmachergeschäft Juwelier Berlin die Zehdenicker Rathausuhr und bekam auch den Wechseln zur heutigen Uhr in den 1920er Jahren mit. Enrico Szary arbeitet in vierter Generation in dem Familiengeschäft und hat es 1999 von seinem Schwiegervater übernommen. Das Unternehmen selbst ist aber noch älter.

Im Jahr 1901 hat es Ferdinand Berlin, der Urgroßvater von Szarys Frau Ines Berlin-Szary (50), in der Berliner Straße 40 gegründet. Fünf Jahre später zog die Familie an den Standort, an dem das Geschäft noch heute zu finden ist, in die Berliner Straße 45. Von Anfang an bekamen die Kunden dort nicht nur Uhren, sondern auch Schmuck. Und beides reparierte Familie Berlin auch.

Die Anleitung der Uhr hängt heute noch im Rathausturm. Sie stammt, wie die Uhr selbst, aus den 1920er Jahren. Quelle: Annika Jensen

Das Unternehmen ging in seinen mittlerweile 118 Geschäftsjahren durch zahlreiche Höhen und Tiefen. Spürte, wenn es auf großer politischer und wirtschaftlicher Bühne turbulent zuging. So wurde etwa der Firmengründer in den ersten Weltkrieg eingezogen und konnte nicht mehr im Geschäft arbeiten. Schließen musste die Familie deswegen aber nicht. Seine Frau betreute den Laden und die Werkstatt über diese Zeit. Und auch im zweiten Weltkrieg sprang die Ehefrau des damaligen Geschäftsinhabers, Karl Berlin, dem Sohn des Firmengründers, ein.

Nachfolge von Uhrmacher Enrico Szary steht noch nicht fest

Szary hat bei seinem Schwiegervater, Karl Berlin Junior, die Lehre zum Uhrmacher absolviert. Das war Anfang der 1990er Jahre. 1998 folgte die Meisterprüfung. „Ich hatte eigentlich Klempner gelernt, aber durch die Wende musste ich mich umorientieren“, erinnert er sich. „Es hat sich dann ergeben, dass ich mich mit meiner Frau zusammengetan habe und das Geschäft von ihrem Vater übernommen habe.“ In seine Zeit fiel auch die Sanierung der Rathausuhr, im Jahr 2012. Das übernahm zwar eine Turmuhren-Firma aus Berlin. Nachdem die Uhr aber wieder eingebaut war, musste Szary einiges nachjustieren.

Seine Nachfolge steht noch nicht fest. Der Sohn arbeitet als Automobilkaufmann und ausbilden möchte Szary nicht. „Wir haben hier einfach nicht die zeitlichen und räumlichen Kapazitäten“, sagt er. Schließlich seien seine Frau und er alleine im Laden. „Und außerdem ist die Entwicklung in vielen Innenstädten, auch in Zehdenick, schlecht. Es bleiben ja immer mehr Menschen weg. Und der große Konkurrent Internet sitzt uns auch im Nacken.“

Szary und seine Frau können sich über ausbleibende Kundschaft allerdings nicht beschweren. Es kommen viele Stammkunden, aber auch Urlauber und sogar Menschen aus Berlin. Und dann ist da ja noch die Rathausuhr, die zu Enrico Szarys Aufgaben gehört. Auch an diesem Freitag ist sein Job in dem engen Rathausturm ziemlich schnell erledigt. Die Prozedur dauert nur wenige Minuten. Dann ist das Gehwerk und das Schlagwerk wieder aufgezogen und die Zehdenickerinnen und Zehdenicker behalten ihre zuverlässige Auskunft über die Zeit.

Von Annika Jensen

Nach 39 geht der Evangelist in den Ruhestand und schließt auch beim Pfarramt die Pforten, um in Tornow wiederbelebt zu werden.

26.07.2019

In Zehdenick haben zwei Storchenpaare insgesamt sechs Jungtiere großgezogen. Dennoch bleiben auch zwei alte Horste in der Stadt unbesetzt. Der Storchenbeauftragte Paul Sömmer beurteilt den Rückgang der Störche insgesamt als dramatisch.

25.07.2019

Im Frühjahr hatte sich die Stadtverordnetenversammlung einstimmig gegen Gasbohrungen ausgesprochen – mit dem weithin sichtbaren Banner bekräftigen die Politiker ihre Meinung plakativ.

25.07.2019