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Zehdenick Zehdenicker Fußballer fordert „Erste-Hilfe-Mann“ in jedem Team
Lokales Oberhavel Zehdenick Zehdenicker Fußballer fordert „Erste-Hilfe-Mann“ in jedem Team
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18:11 07.01.2019
Stefan Elor fordert Erste-Hilfe-Verantwortlichen pro Team.
Stefan Elor fordert Erste-Hilfe-Verantwortlichen pro Team. Quelle: MAZ Oberhavel
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Oberhavel

Der Schock sitzt in Zehdenick noch tief. „Wir fragen uns alle, wie das passieren konnte“, sagt Stefan Elor. Der Spieler des SV Zehdenick II hat noch immer mit den schrecklichen Bildern vom Wochenende zu kämpfen, als ein Mitspieler während eines Fußballturniers aus heiterem Himmel umkippte und von den Rettungsdiensten reanimiert werden musste. „Er liegt noch immer im Koma. Es ist schrecklich. Er war mein unmittelbarer Wechselpartner. Im letzten Turnierspiel waren noch zwei Minuten zu spielen. Wir hatten es noch in der Hand, Turniersieger zu werden. Wir wollten gerade wechseln, da ich auch noch Chancen auf die Torjägerkrone hatte. Ich hatte schon von weitem gesehen, dass etwas mit ihm nicht stimmt.“

Keinerlei Anzeichen, alles war wie immer

Höhe des Neumeter-Raumes sei der Zehdenicker Akteur plötzlich zusammengesackt, hielt seine Hände in die Knie und fiel zur Seite. „Es gab keinerlei Anzeichen. Er war eigentlich wie immer“, erzählt Elor. „Gott sei dank waren gleich Zuschauer da und haben Erste-Hilfe-Maßnahmen unternommen.“

Immer wieder gehen Stefan Elor diese Szenen durch den Kopf. Genau wie seinen Teamkollegen und sicher auch den Zuschauern, die das Turnier im OSZ verfolgt haben. „Die erste Nacht war extrem. Ich konnte nicht schlafen“, sagt Zehdenicks Spielmacher, der am Dienstag seinen 37. Geburtstag feiert. „Wenn man nicht selbst betroffen ist, nimmt man die Sache nicht so ernst. Jetzt sehe ich das anders. Meiner Meinung nach muss es Pflicht werden, dass mindestens ein Spieler in der Mannschaft einen Erste-Hilfe-Schein hat. Im Amateurbereich wird nicht so intensiv trainiert. Dann wird am Wochenende oft gefeiert. Der eine oder andere Körper verträgt das nicht. Es kann immer etwas passieren.“

Warten auf den Rettungswagen fühlte sich wie Ewigkeit an

Die Zehdenicker Jungs werden sich in dieser Woche noch treffen, um das Erlebte vom Wochenende zu verarbeiten. Wann das sein wird, steht noch nicht fest. Gemeinsam will das Team versuchen, die Szenen aufzuarbeiten. „Das ging an keinem spurlos vorbei. Wir mussten alle die Halle verlassen und haben gehört, dass unser Mitspieler reanimiert werden muss. Es wurde alles abgedeckt und abgesperrt. Die Zeit, bis der Rettungswagen kam, fühlte sich ewig lang an. Dabei waren es nur fünf Minuten. Wenig später war der Notarzt da.“

Bindende Vorgaben vom Verband gibt es nicht

Auch im Fußballkreis war der tragische Zwischenfall in Zehdenick Gesprächsthema Nummer eins – und viele machen sich Gedanken, ob und wie man bei ähnlichen Situationen gewappnet ist. So auch Michael Reichert, Vorsitzender des Fußballkreises Oberhavel/Barnim: „Natürlich hat auch mich diese Nachricht erschüttert. Es gibt weder vom Deutschen Fußballbund noch vom Brandenburger Landesverband zum Thema Rettungsdienst eine bindende Verpflichtung“, sagt er. „Jeder Veranstalter oder Verein muss das selbst für sich entscheiden. Wir vom Fußballkreis machen das bei den Endspielen um den Kreispokal der Männer und Frauen im Sommer, bei Hallenturnieren aber nicht.“

Vereine machen sich Gedanken

Anders dagegen beim FC Kremmen, der am 19. Januar sein eigenes Hallenmasters austrägt. „Wir organisieren uns Rettungssanitäter für unser Hallenevent, wir empfinden das als sehr wichtig. Vor allem, weil wir vor einiger Zeit selbst mal solch eine Situation hatten“, sagt FCK-Vorstandsmitglied Sandy Lüdtke.

Auch beim Oranienburger FC Eintracht, Veranstalter des Oberhavel-Hallenmasters am Sonnabend, hat man sich nach den Vorfällen Gedanken gemacht. „Wir haben keine Rettungssanitäter in der Halle. Allerdings auch nur, weil die Rettungswache gegenüber der MBS-Arena liegt und demnach kurze Wege und eine schnelle Anfahrt des Rettungsdienstes gewährleistet ist.“

Noch kein Krankenbesuch möglich

Die Zehdenicker können jetzt nur noch hoffen, dass ihr Mitspieler wieder gesund wird und keine Folgeschäden davonträgt. „Wir wollen ihn auf jeden Fall besuchen, wenn wir dürfen. Er spielt schon lange bei uns und ist ein wichtiger Teil der Mannschaft.“

Von Sebastian Morgner