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Oberhavel Zwischen Körben und Flaschen
Lokales Oberhavel Zwischen Körben und Flaschen
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07:50 20.05.2014
Rüstiger Oranienburger.
Rüstiger Oranienburger. Quelle: Heike Bergt
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Oranienburg

Für den Oranienburger überhaupt nichts Besonderes: „Das Kaufland gibt es 17 Jahre, ich mach das schon 16“, so der Senior.

Kranfahrer im Stahlwerk Hennigsdorf ist er gewesen, später ebenso im Oranienburger Kaltwalzwerk. Mit 59 ging er in den Vorruhestand, mit 60 in Rente. Doch schnell fehlte ihm der Berufsalltag. Zunächst belieferte er vom Luisenhof aus fünf Kantinen mit Essen. Als der Anbieter pleite ging, „habe ich beim Kaufland angefragt. Es hat geklappt.“ Dort ist er zuständig für die Einkaufswagen und hilft aus, wo er gebraucht werde. „Ein bisschen Mädchen für alles“, so der Mann, der vor ein paar Tagen 82 geworden ist. Ans Aufhören denkt er deshalb nicht. „Viele sagen, Alter, geh in der Stadt spazieren und trink Kaffee. Ich hab hier meine Bewegung und auch meinen Kaffee. Und meine Arbeit, die will doch sowieso keiner machen“, so Ryll. Außerdem komme er mal raus, treffe Menschen und verdiene sich etwas dazu. Ja, seine Frau die schimpfe schon manchmal, warum er sich das noch antue, „dann meint sie wieder, wenn es dir Spaß macht, dann geh doch“. Freitags und sonnabends geht er deshalb von 13 bis 16Uhr jobben. „Es gibt Krankengeld und Weihnachtsgeld.“ Und die reichlich 300 Euro seien für ihn eine Stange Geld. Was er sich davon leistet? Eigentlich „verwurschtelt“ sich das jeden Monat so. Jeder dritte Kunde scheint den freundlichen Kranfahrer zu kennen: Immer wieder wird er begrüßt, hat für die Kunden ein nettes Wort, hilft, die Flaschen in die richtigen Kisten zu sortieren. Wann so richtig viel los ist? „Wenn Zahltag war, dann ist es hier voll.“

Zum Geburtstag am 11. Mai habe sein Chef ihm mit den Worten gratuliert: „Du musst hier bis 90 weitermachen!“ Siegesmund Ryll lacht. Er habe nach dem Krieg Ähren gesammelt, Kartoffeln gestoppelt. „Was mit der Hände Arbeit zu tun, ist wichtig.“ Wenn es die Gesundheit zulässt, warum nicht bis 90?

Von Heike Bergt

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