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Oberspreewald-Lausitz Warum Bauer Domin anfing, Bäume auf seinen Acker zu pflanzen
Lokales Oberspreewald-Lausitz Warum Bauer Domin anfing, Bäume auf seinen Acker zu pflanzen
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00:27 05.07.2019
Der Landwirt Thomas Domin setzt im Kampf gegen den Klimawandel auf eine innovative Anbaumethode auf seinen Feldern. Quelle: Foto: Jonas Nayda
Peickwitz

Auf den Äckern von Thomas Domin in Peickwitz (Oberspreewald-Lausitz) wächst etwas Ungewöhnliches. Mitten in einem lang gedehnten Getreide-Feld stehen mehrere dichte Reihen junger Bäume. Im Abstand von je rund 100 Metern folgen weitere Baumreihen, die das Feld in kleinere Abschnitte abtrennen.

Vor vier Jahren hat der Landwirt die Pappeln und Erlen als Setzlinge eingepflanzt. Der 41-Jährige versucht sich mit dieser Taktik, dem Klimawandel entgegen zu stemmen.

Suche nach der Landwirtschaft der Zukunft

Unterstützt wird er dabei von der Wissenschaft. Studenten der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus sind extra zu Domin nach Peickwitz gefahren und haben ihm geholfen, die Setzlinge in den Boden zu stecken. Denn vielleicht findet sich hier auf dem Feld die Zukunft der Landwirtschaft in Zeiten von Dürren und extremen Wetterereignissen.

Dieser Setzling ist erst wenige Wochen alt. In vier Jahren wird er zu einem mindestens drei Meter hohen Baum gewachsen sein. Quelle: Jonas Nayda

Agroforstwirtschaft heißt das, was Landwirt Domin in Peickwitz praktiziert: Eine Kombination von Ackerbau und Forstwirtschaft, die seit kurzem immer beliebter wird. Immer mehr Landwirte glauben, mit Agroforst dem Klimawandel besser trotzen zu können.

So funktioniert das Prinzip Agroforst

Die Bäume, die wie Fremdkörper auf den Feldern wirken, können nach ein paar Jahren geerntet und verkauft werden. Aus den Stümpfen im Boden sprießen sie dann wieder neu aus.

Davon profitiert auch die Natur, wie Bauer Domin erklärt: Die Bäume sorgen für mehr Artenvielfalt als Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Tiere. Vor allem aber schwächen sie den Wind ab, der ohne Bäume ungehindert über die Felder jagen und sie austrocknen würde. Schließlich sorgen sie für einen besseren Boden, weil sie Nährstoffe aus tiefen Erdschichten nach oben ziehen.

Mitten im Getreidefeld stehen im Abstand von rund 100 Metern mehrere Baumreihen. Quelle: Jonas Nayda

„Es ist schon gigantisch, was man mit Agroforst alles erreichen kann. Ich bin absolut von dem System überzeugt“, sagt Thomas Domin. Seit auf seinen Feldern die Baumreihen stehen, hat er deutlich weniger Probleme mit Wind.

Zwar musste er viel investieren und vier Jahre warten, bis er zum ersten Mal Holz ernten konnte, aber der Aufwand habe sich gelohnt, erklärt er. Das Getreide, das zwischen den Baumreihen steht, liefert inzwischen sogar höhere Ernteerträge als vorher. Und für die Bäume braucht er keinen Dünger, sie wachsen einfach so.

Der „Spinner mit den Bäumen“

Andere Landwirte nennen Domin manchmal „den Spinner mit den Bäumen“. Doch das macht ihm nichts aus. Er ist sich sicher, dass bald immer mehr Bauern auf Agroforst setzen werden, da die Bedingungen schwieriger werden. „Wenn weiter so gewirtschaftet wird, wie üblich, haben wir in Brandenburg bald keinen fruchtbaren Boden mehr“, sagt er.

Das Feld von Bauer Domin ist durch die Baumstreifen in mehrere kleine Abschnitte geteilt – Ein großer Unterschied zum Nachbarfeld links. Quelle: Daniel Scheack

Der Landes-Bauernverband (LBV), der am Mittwoch seine gedämpften Erwartungen an die diesjährige Ernte vorstellen will, steht hinter Domin. „Wir sehen Agroforst als einen möglichen Baustein für die Landwirtschaft der Zukunft im Hinblick auf Biodiversität, Ressourcenschutz und Ertragssicherheit“, sagt ein Sprecher auf MAZ-Anfrage. Der LBV stehe in regem Austausch mit Landwirten und Projektträgern aus dem Bereich Agroforst.

Deutliche Unterschiede

Trotzdem sind es hauptsächlich Bio-Bauern, die aktuell auf Agroforst setzen. Einer von ihnen ist Robert Strauch. Seine Felder sehen ganz anders aus, als die von Thomas Domin.

Auf einem kleinen Acker hinter Strauchs Hof in Kleinkrausnick (Elbe-Elster) ist der Unterschied deutlich zu erkennen: In einem Abstand von knapp zehn Metern zueinander stehen mehrere geschwungene Reihen Obstbäume auf einer Wiese. Sie liefern kein Brennholz, sondern Früchte oder hochwertige Bretter, wenn sie nach vielen Jahren gefällt werden. Auf den Flächen zwischen den Bäumen können Tiere weiden, oder es kann in kleinem Stil Getreide angebaut werden. Auch das ist Agroforst.

Robert Strauch praktiziert Agroforstwirtschaft in kleinem Stil. Quelle: Jonas Nayda

„Nachhaltige Landwirtschaft braucht komplexe Systeme“, sagt Strauch. Damit sei das Gegenteil von großen Monokulturen gemeint. Je mehr unterschiedliche Arten auf einem Feld wachsen, desto besser sei es für die Natur und desto besser könnten Landwirte dem Klimawandel trotzen. „Jeder Streifen, der angelegt wird, ist eine Verschnaufpause für die Natur. Bäume zu pflanzen ist die klügste Strategie überhaupt“, sagt er.

Neuer Verband gegründet

Die Agroforst-Bewegung nimmt Fahrt auf. Am 25. Juni hat sich der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (Defaf) gegründet.

Mehr als 80 Mitglieder aus ganz Deutschland sind dem Verband beigetreten, unter ihnen Thomas Domin und Robert Strauch. Der Verband setzt sich in der Politik für Agroforst ein.

Auch Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie in Potsdam (ATB) unterstützen die Bewegung. „Ich denke schon, dass Agroforst eine Zukunft hat“, sagt Thomas Hoffmann vom ATB. Allerdings sieht er noch große Hürden auf politischer Seite.

Damit hat Agroforstwirtschaft zu kämpfen

Bürokratie mache es Landwirten fast unmöglich, die Innovationen zu nutzen. Jeder Baumstreifen auf einem Feld muss extra angemeldet werden, das sei sehr aufwendig. Statt ein großes Feld, in dem ein paar Bäume stehen, muss der Bauer eine Vielzahl an kleinen Stücken melden und für alle Flächen, auf denen Bäume stehen, bekommt er kein Fördergeld mehr. Außerdem muss er darauf achten, dass die Baumflächen nicht zu alt werden, sonst gelten sie als „Wald“ und dürfen nicht mehr geerntet werden.

Trotz aller Widrigkeiten ist Domin zuversichtlich. „Der Druck aus der Gesellschaft ist so groß geworden, dass wir so schnell wie möglich reagieren müssen“, sagt er.

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Von Jonas Nayda

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